Erst Hotelskandal, nun Krone: Gil Ofarim gewinnt im Dschungelcamp

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Er kam als umstrittenster Thronanwärter - und geht als König: Musiker Gil Ofarim hat trotz aller kontroversen Diskussionen um seine Person das RTL-Dschungelcamp gewonnen. Der 43-Jährige erhielt am späten Abend die meisten Stimmen der Zuschauer, wie die Moderatoren Sonja Zietlow und Jan Köppen verkündeten. Damit war ihm die Dschungelkrone sicher, die sich die Sieger von «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» aufsetzen dürfen. Zudem bekommt er 100.000 Euro Preisgeld.

Ofarim versank in seine eigenen Arme und schluchzte bitterlich, als die Entscheidung gefallen war. Er machte deutlich, dass er sich selbst nicht erklären könne, warum so viele Menschen für ihn gestimmt hätten. Jeden Tag habe er mit dem Rauswurf gerechnet, sagte er. «Ich hab' jeden Tag meinen Koffer gepackt.»

Interessant waren daher die Einblicke, die die Moderatoren in das Zahlenwerk hinter der Entscheidung gaben. Im Halbfinale habe es die höchsten Anruferzahlen seit der ersten Staffel der Reality-Show gegeben, sagte Köppen - sie läuft seit 2004. Und Zietlow verriet ihm: «Du lagst in den Votings zum Dschungelkönig ab Tag eins immer vorne.» Seine Mit-Finalisten Samira Yavuz («Der Bachelor», Platz 2) und Hubert Fella («Ab ins Beet!», Platz 3) kamen dagegen nicht an.

«Wir küren hier nicht den nächsten Weltherrscher»

Was man daraus schließen konnte? Unter anderem, dass die 19. Dschungelcamp-Staffel, aufgezeichnet in Australien, das Publikum wohl emotionalisiert hatte. Als der überraschende Ausgang feststand, gab Zietlow vorsorglich eine Art Leitplanke für die nun folgenden Debatten aus: «Bitte, liebe Zuschauer, immer dran denken: Es ist ein Spiel hier im Dschungel.» Es gehe nur um eine Krone aus Blüten und Blättern. «Wir küren hier nicht den nächsten Weltherrscher.»

Ofarims Sieg gehört ganz sicher zu den überraschendsten Momenten in der Geschichte der Show. Um die Teilnahme des einstigen Foto-Love-Story-Schwarms aus der «Bravo» und Sohn des 60er-Jahre-Stars Abi Ofarim (1937-2018) hatte es von Beginn an kontroverse Debatten gegeben. 

Der Musiker hatte 2021 Schlagzeilen gemacht, als er sich bei Instagram als Opfer antisemitischer Äußerungen eines Hotelmitarbeiters darstellte. Später stellten sich diese Vorwürfe als falsch heraus - Ofarim nahm seine Darstellung in einem Verleumdungs-Prozess gegen ihn zurück. Das Verfahren wurde eingestellt (Tageskarte berichtete).

Diese Vorgeschichte und sein Umgang mit ihr machten ihn im Camp zur Reizfigur. Seine Mitcamper kritisierten, dass Gil sich kaum zu den damaligen Geschehnissen äußerte und sich nicht entschuldigte. Der Musiker entgegnete oft, dass er dazu aus juristischen Gründen nichts sagen dürfe. Entschuldigt habe er sich jedoch mehrfach, sagte er - vor Gericht und in Einzelinterviews. Nur nicht im Beisein seiner Camp-Genossen.

Die Camper verzweifeln an Gils Erfolg

Für seine Mitcamper blieb das gesamte Verhalten fragwürdig. Vor allem Reality-Star Ariel bohrte immer wieder mit kritischen Fragen an ihm herum. «Er manipuliert Menschen komplett», sagte Simone Ballack in der Final-Sendung. «Wenn Gil gewinnt, verliere ich den Glauben an Reality-Shows.» Dieser Fall ist nun eingetreten.

Am Ende der Staffel setzte bereits ein Reigen der Erklärungsversuche ein, wie es sein kann, dass Ofarim nun neuer Dschungelkönig ist. «Gil, wer hätte das gedacht, der Erste» regiert - so formulierte es das Moderatoren-Duo sofort. Hatte das beständige Malträtieren durch Ariel für einen Mitleidseffekt gesorgt? Hat Deutschland einfach eine Schwäche für gefallene Ex-Teenie-Stars? Eine interessante Deutung hatte auch Mitcamper Hubert parat: Gil sei doch Rock-Musiker. «Rocker schauen genauso Dschungelcamp.»

Eine oft gehörte Interpretation lieferte in der RTL-Anschlusssendung «Die Stunde danach» Ex-Dschungelkönig Filip Pavlovic. Man könne den Fall ja mal «komplett blanko betrachten». «Wir denken jetzt nicht, was er getan hat. Wir denken nicht an die Vergangenheit. Wir reden nicht darüber, was er damals im Hotel gemacht hat, sondern nur, was er im Camp geleistet hat. Dann hat er die Krone verdient.» In den Dschungelprüfungen habe Ofarim Spitzenleistungen gezeigt und sei stark geblieben, obwohl ihn die restliche Gruppe ausgegrenzt habe.

Der Unfall hätte es fast verhindert

Auf die Frage, ob er mal mit dem Gedanken gespielt habe, aufzugeben, sagte Ofarim als gekrönter König: «Nach dem Unfall wollte ich hinschmeißen». Aber das sei nun egal. Bei einem Spiel war der Musiker gestürzt. Weil er nach einem folgenden Gesundheitscheck zurück ins Camp kam, beerbt er nun die bisherige Dschungelkönigin Lilly Becker.

Ofarim schilderte in einer Pressekonferenz am Tag nach dem Finale seine Eindrücke von seinem Unfall: Er könne sich nicht mehr daran erinnern, was nach dem Sturz passiert ist. «Ich weiß nur, ich bin mit einem fixierten Kopf in einem Krankenwagen aufgewacht», sagte der Musiker. 

Er sei in eine Notaufnahme gefahren worden. «Ich habe meine linke Hand zwei Tage nicht spüren können.» Es habe sich herausgestellt, dass er eine Zerrung am Genick hatte. Und er habe eine Gehirnerschütterung gehabt, sagte Ofarim.

Auch im Finale holte Ofarim die Maximalausbeute an Sternen in seiner Prüfung. Dabei musste er den Kopf in verschiedene Plexiglas-Kugeln stecken, die mit Getier gefüllt wurden - unter anderem mit Skorpionen und Riesenkakerlaken. Parallel galt es, Sterne abzuschrauben. Gil blieb die Ruhe selbst und wirkte ähnlich stoisch wie während der Vorwurf-Salven seiner einstigen Mitcamperin Ariel.

Mit dem Zepter in der Hand grüßte er schließlich seine Frau und Kinder. Zudem erklärte er in der finalen Show erleichtert, dass er nun wieder Freude empfinde. «Die Leichtigkeit kommt zurück, die Freude kommt zurück, die Glücksgefühle kommen zurück», sagte er. 

«Der Dschungel hat mich wieder zurückgeholt», sagte Ofarim. «Zurück ins Leben.»

Bei der Pressekonferenz am Tag danach ergänzte er noch, dass er nach den Kontroversen um seine Person gerne ein neues Kapitel aufschlagen würde. «Ich bitte um Verständnis, dass ich mir nichts Sehnlicheres wünsche, als dass irgendwann mal einfach auch ein Neuanfang beginnen kann für alle. Darum bitte ich», sagte Ofarim. Er habe fast fünf Jahre Zeit gehabt, das Geschehene zu verarbeiten, die Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht.

Auf die Frage, was er mit den 100.000 Euro Preisgeld macht, antwortete Ofarim bei der Pressekonferenz: «Ich bitte um Verständnis, es ist eine private Sache, aber es gibt da jemanden, der bekommt noch Geld. Und das steht ihm auch zu.» Genaueres sagte er nicht.

4,4 Millionen Zuschauer schalteten jeden Tag ein

Ofarim erhielt bei dem Finale die meisten Stimmen der Zuschauer. Laut RTL lockte die abschließende Folge am Sonntag 5,15 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. In der Spitze sei die Reichweite sogar auf 5,75 Millionen Zuschauer geklettert. Insgesamt 4,40 Millionen Zuschauer verfolgten im Schnitt die 17 Folgen des diesjährigen Dschungelcamps, teilte der Sender mit. (dpa)


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