Kalorien-Exzess, Kater-Killer: Hype um den «Taxi-Teller»

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Gourmets wenden sich mit Grausen ab, Fast-Food-Fans geraten in Verzückung: «Taxi-Teller» nennt sich ein Gericht aus dem Ruhrgebiet der ganz besonderen Art. Pommes mit Soße, Mayonnaise und Currywurst - die altbekannte «Manta-Platte» - kombiniert mit Gyros, Zwiebeln und Zaziki. Alles auf einem einzigen voll geladenen Teller.

Die Sättigungsbombe mit vierstelligem Kalorienwert wird im Ruhrgebiet schon seit Jahren serviert. Neuerdings hat aber Social Media das Gericht entdeckt und für einen «Taxi-Teller»-Hype gesorgt, der das Gericht auch über die Ruhrgebietsgrenzen hinaus bekannt macht.

«Taxi-Teller»-Test: «Dat Ding is mächtig»

Es gibt reichlich Beiträge auf Tiktok und Instagram etwa auf der Seite «Taxi_Teller» - Imbisstipps, «Taxi-Teller»-Wettbewerbe, eine «Taxi-Teller»-Weltkarte und KI-Fakes wie einen pseudo-medizinischen Eine-Minute-Vortrag zum angeblich heilenden Einfluss der Kalorien-Bombe auf den menschlichen Organismus. 

Der Ruhrgebiets-Comedian Ryko, der sich selbst als «Außenminister des Ruhrgebiets» bewirbt, hat das Thema entdeckt und ein «Taxi-Teller»-Tasting gestartet. «Dat Ding is mächtig, auf jeden Fall», urteilt er dabei. 

Zu einem von Ryko und seinem Influencer-Kollegen Jan Schlappen organisierten «Taxi-Teller»-Termin im ostwestfälischen Porta Westfalica kamen Anfang der Woche Hunderte Fans teils bis aus Stuttgart, wie die «Neue Westfälische» berichtete. Ordner hätten angesichts des Andrangs den Verkehr rund um einen Grill-Imbiss geregelt.

«Taxi-Teller» begehrt - nun auch in der Schweiz

Längst ist das Gericht kein Ruhrgebiets-Phänomen mehr: Nicht nur in NRW, sondern etwa auch in Niedersachsen seien die Bestellungen seit 2024 sprunghaft um fast 170 Prozent nach oben gegangen, berichtete ein Sprecher der Bestellplattform Lieferando. Zuwächse gab es nach seinen Worten auch in Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg. 

Der Exil-Ruhrgebietler Alessandro Reintges serviert seit Anfang Februar die Fast-Food-Dröhnung auch in Zürich in seinem Imbiss «Oder Wat», wie er auf Instagram verbreitete - angeblich der erste «Taxi-Teller» in der Schweiz. 

Auch die Taxi-Branche selbst interessiert sich: Im Portal «Taxi-heute» erschien ein ausführlicher Beitrag zum Thema inklusive Bratanleitung zum Selbermachen. 

Ein hungriger Taxifahrer prägte den Namen

Der Name «Taxi-Teller» entstand der Legende nach, als ein Taxifahrer zu später Stunde in seinem Stammimbiss nicht mehr genug Gyros vorfand und der Gastwirt einfach eine Currywurst plus Pommes als Sättigungsbeilage dazupackte. 

Seitdem ist das Gericht zum festen Bestandteil des Angebots zahlreicher Imbissbuden und - wegen des Gyros - griechischer Restaurants geworden. Vor allem Jugendliche lieben die salzige Fett- und Fleischdröhnung - gern auch als solide Grundlage vor einer Kneipentour oder als Kater-Killer danach. 

«Wir gehen so alle zwei Wochen "Taxi-Teller" essen», sagt etwa die 19 Jahre alte Studentin Antonija Dreznjak im «Nikolaus-Grill» in Essen-Stoppenberg. «Das ist ’ne gute Grundlage, wenn wir in der Kneipe feiern gehen. Meistens kriege ich ihn gut weg, sonst hilft mir ein Freund», sagt die junge Frau.

Aufessen ist durchaus eine Herausforderung

Aufessen ist keine Selbstverständlichkeit. Schließlich liegen 120 Gramm Wurst plus mindestens genauso viel Gyros auf dem Teller. Plus Pommes, Zwiebeln und die Soßen. 12,90 Euro verlangt Grill-Chef Stergios Angelou für einen Teller mit allem. «Das sind locker 300 Gramm Fleisch - muss man erst mal schaffen», sagt der 43-Jährige.

Die Zahl der «Taxi-Teller»-Kunden ist deutlich gestiegen, seitdem das Gericht Thema bei Social Media geworden ist. Viele probierten es jetzt aus. «Ich verkaufe inzwischen 30 bis 35 Taxi-Teller pro Tag - viel mehr als früher», sagt Angelou. 

Zur «Taxi-Teller»-Stammkundschaft zählt Angelou etwa drei hungrige Bauarbeiter, die an einem Freitagmittag um kurz vor 12.00 Uhr schon vor der Tür auf die Öffnung gewartet haben und dreimal «Taxi-Teller» bestellen. Zwei Tische weiter sitzt Studentin Dreznjak mit zwei Mitstudenten - ebenfalls vor jeweils einer Riesenplatte. «Schlecht ist mir nicht, aber ich könnte jetzt ein Nickerchen machen», sagt die Studentin, als ihr Teller leer ist.

Wenig Beifall von Ernährungsfachleuten

Ernährungswissenschaftler können sich darüber wenig freuen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt maximal 120 Gramm Fleisch - ein- bis ausnahmsweise zweimal pro Woche. «Taxi-Teller»-Esser hätten damit ihre gesamte Wochen-Ration schon nach einer Portion intus, sagt Sprecherin Claudia Müller - von den fetten Soßen und Pommes und der hohen Salzzufuhr ganz zu schweigen. 

«Das ist schon reichlich energiereich, keine tolle Entwicklung.» Daueressern solcher Fast-Food-Gerichte drohe - je nachdem, was sie sonst noch zu sich nehmen - möglicherweise Übergewicht mit den bekannten Gefahren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

«Taxi-Teller» - da geht noch mehr

Wenig erquickliche Aussichten, die hart gesottene Fans aber kein bisschen abschrecken. Stattdessen diskutieren sie schon über neue Erweiterungsmöglichkeiten. Ein Viel-Esser rät bei Instagram zur Kombination des Tellers mit einem zusätzlichen Zwiebel-Mett-Brötchen zum «Taxi-Teller 2.0». 

Im «Nikolaus-Grill» in Essen-Stoppenberg bestelle ein Stammkunde zweimal pro Woche eine Extrem-Dröhnung, erzählt Angelou: «Taxi-Teller» mit doppelt Pommes, reichlich Gyros, zwei Würsten und doppelt Mayo und Zwiebeln. «Das würde ich nie aufkriegen», sagt der Imbisschef, «obwohl ich jeden Tag Gyros esse». (dpa)


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