Knapp acht Monate Prozess, Dutzende Zeugen, unzählige Anträge - doch ein Ende des Hamburger Verfahrens um die Entführung der Block-Kinder ist noch lange nicht absehbar. Nach dreiwöchiger Pause geht es am Montag (09.30 Uhr) mit dem bereits 37. Verhandlungstag weiter. Dann soll eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamtes als Zeugin aussagen, die die Kinder nach ihrer Rückkehr zur Mutter sprach.
Die Unternehmerin Christina Block steht vor Gericht, weil sie während eines erbitterten Sorgerechtsstreits der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupola den Auftrag gegeben haben soll, ihre beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark zu entführen. Es gibt sechs Mitangeklagte.
Nach wie vor zieht der Mammut-Prozess zahlreiche Zuschauer in das Landgericht - wenn auch nicht mehr ganz so viele wie zu Anfang. Mehrmals ermahnte die Vorsitzende Richterin nach Zwischenrufen oder Applaus, dass es sich hier nicht um ein Theaterspektakel handele. Der Medienrummel ist groß: Der Fall füllt Live-Ticker und Podcasts.
Was hat Christina Block in dem Prozess ausgesagt?
Christina Block erklärte zu Beginn des Prozesses, dass sich die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur um die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée kümmern sollte. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien. Eine Mitarbeiterin dieser Firma habe sie am Neujahrsmorgen 2024 angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle zu einem Treffen mit ihren Kindern nach Süddeutschland fahren. Das habe sie damals völlig überrascht.
Die Anklage gegen Block lautet unter anderem gemeinschaftliche schwere Entziehung von Minderjährigen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.
Wieso ist der Chef der mutmaßlichen Entführer kein Angeklagter?
Mitten im laufenden Prozess meldete sich der gesuchte Chef des Sicherheitsunternehmens aus Israel, David Barkay, bei den deutschen Ermittlungsbehörden. Er soll die Rückholung organisiert und durchgeführt haben. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. Für seine Zeugenaussage bekam der 68-Jährige wie drei weitere Israelis sicheres Geleit. Sie müssen jetzt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.
Was hat der mutmaßliche Drahtzieher der Entführung ausgesagt?
Barkay sagte, er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes in Dänemark auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als das nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer größer geworden. Die Cybersicherheit bei der Block-Gruppe sei auch Thema gewesen - allerdings nicht zu Anfang.
Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt Andreas Costard sei sein wichtigster Ansprechpartner gewesen, berichtete der Zeuge. Der habe ihm immer wieder erklärt, dass eine Rückholung nach Deutschland legal sei. Auch der Vater von Christina Block, der Gründer der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, sei informiert gewesen. Ihn nannte der Zeuge immer nur «Patriarch».
Welche Rolle spielt ein angebliches Treffen Ende 2023?
Barkay sagte aus, die angeklagte Mutter habe von der geplanten Rückholaktion gewusst. Sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée mit Christina Block getroffen. Die Männer seien maskiert gewesen. Block habe dem Team dafür gedankt, dass es gekommen sei, um die Kinder zu retten, berichtet der 68-Jährige. Er habe es so verstanden, dass er im Namen der Familie handele.
Ein anderer mutmaßlicher Entführer aus Israel, der als einziger Angeklagter in Untersuchungshaft sitzt, hatte in seiner Aussage vor Gericht dieses Treffen zunächst nicht erwähnt. Erst nach der Zeugenaussage des anderen Israelis gab der 36-Jährige an, er habe das Treffen weggelassen, um Christina Block zu schützen.












