Kleiner Piks kann vor Wiesn-Grippe schützen

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Alle Jahre wieder: Kaum ist das Oktoberfest eröffnet, beginnt in München das Gehuste. Wiesn-Grippe. In der bierseligen Enge der Zelte haben es Erkältungsviren aller Arten leicht.

Wer im Bierzelt feiern will, kann das Risiko einer Ansteckung mit Impfungen reduzieren. Insbesondere eine Immunisierung gegen Covid-19 und Influenza kann sinnvoll sein, wie Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM), erläutert. Der Herbst ist nicht nur Volksfest-, sondern auch Impfsaison.

«München impft»

Im September starten das LMU Klinikum und das TUM Klinikum in Kooperation mit dem Münchner Gesundheitsreferat die Kampagne «München impft», um das Bewusstsein für Atemwegsinfektionen und die Impfmöglichkeiten zu steigern. Nicht einmal jeder Dritte, dem eine Impfung empfohlen wird, ist gegen Influenza geimpft - und hat damit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wie Spinner berichtet, der sich selbst gegen Influenza und Covid-19 immunisieren lässt. «Ich liebe die Wiesn und ich schütze mich und meine Patientinnen und Patienten durch eine Impfung.»

Allerdings sind auf dem Oktoberfest allerlei Erkältungsviren unterwegs, gegen die es keinen Impfschutz gibt: Rhino-, Adeno- und Enteroviren oder schon länger bekannte, saisonale Coronaviren. «Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den allermeisten Fällen keine Influenza. Das ist einfach ein Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte, die durch das Zusammentreffen vieler Menschen, Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum begünstigt werden.»

Covid-19 Hauptgrund für ernste «Wiesngrippe»-Fälle

Bei den ernsteren Atemwegsinfekten während der Wiesn mache SARS-CoV-2 in der Regel den größten Teil aus. Anders als die Grippe sei das Covid-19-Virus nicht an die kalte Jahreszeit gebunden und zirkuliere ganzjährig. «Da in Festzelten sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, ist das Infektionsrisiko für Covid-19 auf der Wiesn hoch.» Jenseits des Volksfestes sei eine Corona-Impfung gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Menschen ab 75 Jahren, Personen mit Risikofaktoren sowie Pflegepersonal angeraten.

Herbst ist Impfzeit

Influenza und RSV (Respiratorisches Synzytialvirus) sind laut Spinner nur für einen sehr geringen Anteil der Wiesn-Erkrankungen verantwortlich. Sie nähmen meist erst ab Ende November zu und erreichten die Spitze im Januar.

«Durch das internationale Publikum und die vielen Menschen auf engem Raum in den Festzelten treten aber auch zu dieser Zeit vereinzelt Grippefälle auf», sagt Spinner über die Influenza-Gefahr auf der Wiesn. «Generell ist der Beginn des Herbsts der ideale Zeitpunkt, um sich für die bevorstehende Grippesaison ab Oktober impfen zu lassen - vor allem für Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebserkrankungen.»

RSV - unterschätzte Gefahr?

Für die Wiesn sei keine akute Welle des hochansteckenden RSV-Virus zu erwarten, sagt Spinner. Wer sich impfen lassen wolle, solle das dennoch rechtzeitig angehen. «Derzeit sind nur etwa 20 Prozent aller Menschen, denen die Impfung empfohlen wird, gegen RSV geimpft - daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die Impfung nachzuholen.» Das RSV-Virus kann vor allem für Säuglinge und ältere Menschen gefährlich werden. Die STIKO-Impfempfehlung gilt für Erwachsene ab 75 Jahren und Menschen mit schweren Grunderkrankungen ab 60 Jahren.

Weil Atemwegsinfektionen grundsätzlich das Immunsystem aktivieren und zur massenhaften Ausschüttung von Entzündungsstoffen im Körper führen, können sie zu einer Verengung der Blutgefäße beitragen und so das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen, so Spinner.

Bei einer von einem Impfstoffhersteller mitinitiierten Aktion «O'zapft is - aber bitte Grippe-geimpft!» am 8. und 9. September werden in der Marien Apotheke am Sendlinger Tor Influenza-Impfungen für Erwachsene ab 18 Jahren angeboten. An der Aktion ist auch Spinner beteiligt.

Das Oktoberfest beginnt heuer am 19. September. Dann werden wieder sechs Millionen Besucher aus aller Welt erwartet - mindestens. Der Besucherrekord aus dem Jahr 2023 liegt bei 7,2 Millionen. Dass es in 216 Jahren seit dem Bestehen erst das 191. Oktoberfest ist, liegt zum Teil auch an Krankheitserregern: Rund zwei Dutzend Mal fiel das Volksfest aus - Gründe waren Kriege, Krankheiten und Inflation. 2021 und 2022 machte die Corona-Pandemie der Stadt einen Strich durch die Rechnung. Aber auch im 19. Jahrhundert scheiterte das Volksfest zweimal an einer Seuche - damals tobte die Cholera.


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