Mutmaßliche Entführerin widerspricht Christina Block

| War noch was…? War noch was…?

Im Block-Prozess hat eine mutmaßliche Entführerin aus Israel vor dem Landgericht Hamburg der Unternehmerin Christina Block in zentralen Fragen widersprochen. Block habe das genaue Datum der geplanten Rückholaktion gekannt, sagte die 51 Jahre alte Zeugin laut Übersetzung. Sie sei aber nicht in Einzelheiten des Plans eingeweiht gewesen. 

Die Angeklagte Block hatte zu Beginn des Prozesses erklärt, dass sich die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur um die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée kümmern sollte. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien. Die israelische Firma habe auf eigene Faust gehandelt.

Vor Gericht hatte Christina Block ausgesagt, die Zeugin mit dem fiktiven Namen Olga habe sie am 1. Januar 2024 angerufen und ihr gesagt, sie solle nach Stuttgart fahren, ohne jemanden darüber zu informieren. Sie habe nicht gewusst, was passiert sei, sagte die 53-Jährige. Olga habe nur die Kinder und «your mama» erwähnt. Sie könne sich nicht erinnern, so etwas gesagt zu haben, meinte die Zeugin. 

Zeugin berichtete von Spitznamen für Christina Block

Sie berichtete außerdem von Spitznamen, die ihr Team für Beteiligte in dem Fall erfunden habe. Die Mitarbeiter einer israelischen Sicherheitsfirma hätten Christina Block intern «Ladybug» (Marienkäfer) oder «Lady C» genannt, sagte die Frau. 

Die Zeugin hatte demnach während ihrer Zeit in Hamburg den fiktiven Namen «Olga» und wohnte im zur Block-Gruppe gehörenden Luxushotel Grand Elysée unter dem Alias-Namen «Doris White». Sie soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft an der Entführung des Sohnes (damals 10) und der Tochter (13) von Christina Block in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort des Vaters in Dänemark beteiligt gewesen sein.

Laut Anklage war die 51-Jährige «die rechte Hand» des Chefs der Sicherheitsfirma, die für die Entführung verantwortlich gewesen sein soll. Dieser sei viele Jahre beim Geheimdienst gewesen, berichtete die Zeugin. Es sei in ihrem «Job» üblich, bei Aufträgen andere Namen zu vergeben. Das seien lediglich «Spitznamen». Zudem hätten die «Kunden» neue Mobiltelefone für die gemeinsame Kommunikation bekommen.

Die Hamburger Unternehmerin Christina Block ist angeklagt, nach einem eskalierten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel die israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre Kinder nach Deutschland zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, beteuert ihre Unschuld. Die Zeugin, die während ihrer Aussage mehrmals mit einem Taschentuch Tränen abwischte, war in Hamburg zu einer Vertrauten der Angeklagten Block geworden.

Zeugin bekam sicheres Geleit

Die Staatsanwältin hakte nach, ob thematisiert worden sei, was die beiden jüngsten gemeinsamen Kinder von Block und Hensel eigentlich selbst wollten. Der Vater habe die Kinder im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch nicht zurückgebracht, sagte die Zeugin. Ihr sei berichtet worden, der Vater habe die Kinder gezwungen, die Mutter als «Monster» darzustellen. «Haben Sie sich mal die Frage gestellt, ob diese Information zuverlässig ist?», wollte Hensels Anwalt Philip von der Meden wissen. Die Zeugin erklärte, sie habe den Erzählungen vertraut.

Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt habe mehrfach betont, dass rechtlich alles in Ordnung sein werde, wenn die Kinder zurück in Deutschland seien, berichtete die Israelin. Denn die Mutter habe nach seinen Worten zu diesem Zeitpunkt das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht gehabt. «Wir haben ihm einfach geglaubt.»

Männer waren schwarz gekleidet und maskiert

Die Männer hätten bei der Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24 schwarze Kleidung getragen und seien maskiert gewesen. «Sie wollten in Dänemark nicht erkannt werden», sagte die Zeugin, die für ihre Aussage in Hamburg sicheres Geleit bekam. «Wir wussten, dass es in Dänemark nicht legal ist.»

Jedes Teammitglied habe eine feste Aufgabe gehabt. Gewalt gegen den Vater, der von einem der Männer verletzt worden sei, sei eigentlich nicht geplant gewesen. Hensel ist in dem Prozess Nebenkläger und an den meisten Prozesstagen selbst anwesend.

Prozess wird Donnerstag fortgesetzt

Es gibt sechs weitere Angeklagte in dem Prozess. Einer ist Blocks Lebensgefährte, Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Er muss sich wegen Beihilfe verantworten und bestreitet die Vorwürfe ebenfalls.

Die Befragung der Zeugin wird am Donnerstag fortgesetzt. Dies ist dann bereits der 52. Verhandlungstag von mehr als 100, die bis Ende des Jahres angesetzt sind. Das Gericht hält es aber für möglich, dass die Beweisaufnahme schon im August enden könnte.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Im Speisesaal des Hotel Zafiro Rey Don Jaime in Santa Ponça auf Mallorca ist es am Donnerstagabend zu einem teilweisen Einsturz des Bodens gekommen. Wie die Zeitung Diario de Mallorca berichtet, wurden dabei zwei Personen leicht verletzt.

Drei Einschläge an den Fenstern, laute Knalle: Unbekannte beschädigen ein israelisches Lokal in München. Der Staatsschutz ermittelt zu den Hintergründen.

Der SWR startet im April 2026 die Reihe „Hausnummer Lecker“. Sören Anders kocht dabei bei Menschen zu Hause mit den Zutaten, die er in deren Kühlschrank vorfindet.

In einem Hotel in Cochem ist am Mittwoch ein Brand ausgebrochen. Drei Menschen wurden laut Polizei leicht verletzt, die Ermittlungen zur Ursache laufen.

In einem Bielefelder Restaurant droht ein Mann mit einer Kriegswaffe und verlangt Alkohol. Das Landgericht verhängt eine Haftstrafe und ordnet einen Entzug an.

Nach dem Untergang des Restaurantschiffs «Vaterland» in der Marina Lubmin ist das weitere Vorgehen unklar. Das Schiff war am Dienstag aus bislang ungeklärter Ursache vollgelaufen und liegt seitdem auf Grund.

Das Deutsche Weininstitut lädt am 25. und 26. April 2026 zum 16. bundesweiten Weinwanderwochenende ein. Über 100 geführte Touren in fast allen deutschen Anbaugebieten bieten Einblicke in den regionalen Weinbau.

Ein Gastwirt wird in Würzburg in seinem Lokal erschossen. Ein Gericht verurteilt mehr als zwei Jahrzehnte später ein Vater-Sohn-Duo - und das muss sich nun mit der Entscheidung abfinden.

Drei Monate nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten kommt die Erstattung der Hotelkosten von Betroffenen langsam voran. Von 2.881 gestellten Anträgen wurden inzwischen etwa 700 ausgezahlt oder positiv beschieden.

Ein Schluck aus der falschen Flasche: In einem Schnellrestaurant in Kassel bekam ein Kleinkind Desinfektionsmittel statt Wasser. Die Staatsanwaltschaft ermittelte – was kam dabei heraus?