Corona-Karte zeigt unterschiedliche Betroffenheit deutscher Destinationen 

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die Jahresdaten 2020 des Statistischen Bundesamtes zeigen, wie unterschiedlich der Tourismus in den Regionen in Deutschland von der Corona-Pandemie betroffen ist. Die Spannweite zwischen den Destinationen ist groß. Lediglich 12 Regionen konnten die Verluste im vergangenen Jahr relativ gering halten und verloren maximal ein Fünftel der Übernachtungen. Die Daten geben zudem einen Hinweis darauf, welche Urlaub- und Reiseart in Corona-Zeiten beliebt war und es vermutlich auch in 2021 sein wird. Das Statistik-Update des dwif-Corona-Kompass fasst die Entwicklung zusammen und zeigt auf einer Info-Karte die Regionen mit den geringsten und den größten Verlusten.

Der bereits seit dem 2. November 2021 andauernde Lockdown hat die zwischenzeitliche Hoffnung, dass doch noch einige Destinationen das schwierige Jahr 2020 mit einem positiven Jahresergebnis abschließen können, zunichte gemacht. Das wichtige Weihnachts- und Silvestergeschäft ist weggebrochen und die Skisaison konnte in den deutschen Bergregionen gar nicht erst anlaufen. 

Im Zeitraum Januar bis Dezember 2020 sind die Übernachtungen in Deutschland um 39,0 Prozent zurückgegangen. Die Regionen kamen dabei ganz unterschiedlich durch die Krise. Fakt ist: Echte „Krisen-Gewinner“ unter den Destinationen gibt es im Deutschland-Tourismus nicht, nur weniger stark betroffene Destinationen. Lediglich zwölf Regionen konnten die Verluste relativ gering halten und verloren maximal ein Fünftel ihrer Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr 2019: Lausitzer Seenland, Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte, Sächsische Schweiz, Ostsee, Chiemsee-Chiemgau, Prignitz, Hegau, Rügen/Hiddensee, Elbe-Elster-Land, Westmecklenburg, Vorpommern sowie die Nordsee.

Küste, Seen und Berge liegen vorn

Spannend ist unter anderem der Blick auf die verschiedenen Destinationstypen: Regionen an der Küste (im Durchschnitt -20,1 Prozent), in Seengebieten (-23,1 Prozent) oder in Bergregionen (-25,7 Prozent) schnitten vielfach besser ab als Regionen in anderen Destinationstypen. Durchschnittlich ging hier „nur“ jede vierte bis fünfte Übernachtung verloren. 

  • An der Küste konnte die schleswig-holsteinische Ostsee (-14,0 Prozent) die Verluste am geringsten halten. Auch Rügen/Hiddensee (-16,2 Prozent), Vorpommern (-19,9 Prozent) sowie die schleswig-holsteinische Nordsee (-20,0 Prozent) verloren wie bereits erwähnt „nur“ maximal jede fünfte Übernachtung. In den niedersächsischen Küstenregionen Nordseeküste (-25,0 Prozent) und Ostfriesische Inseln (-34,7 Prozent) gingen die Übernachtungen etwas deutlicher zurück. 
  • Mit dem Lausitzer Seenland (-7,2 Prozent) und der Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte (-11,1 Prozent) führen zwei Seengebiete das deutschlandweite Destinationsranking an (siehe Infografik), die Seenregionen Chiemsee-Chiemgau (-14,4 Prozent) folgt nicht weit dahinter. Mit Hegau (-16,1 Prozent), der Holsteinischen Schweiz, dem Spreewald, dem Fränkischen Seenland und der Region Bodensee sind fünf weitere Seengebiete unter den 20 Destinationen mit den geringsten Verlusten. 
  • Bei den Bergregionen waren die Verluste in der Zugspitz-Region mit -22,2 Prozent am geringsten. 

Städtedestinationen werden es auch weiterhin schwer haben

Am stärksten betroffen waren ausgerechnet die Destinationen, die in den letzten Jahren einen scheinbar nicht enden wollenden Boom verzeichneten: die Städte. Durchschnittlich gingen die Übernachtungen in Städtedestinationen in Deutschland 2020 um 57,4 Prozent zurück. Berlin (-64,0 Prozent), die Region Düsseldorf und Kreis Mettmann (-62,5 Prozent) sowie München (-61,5 Prozent) verloren sogar mehr als 6 von 10 Übernachtungen. 

In städtischen Destinationen spielt auch der Incomingtourismus eine wichtige Rolle. Dieser war 2020 auch aufgrund von Reisebeschränkungen mit -64,4 Prozent deutlich stärker rückläufig als der Inlandstourismus, wo jede dritte Übernachtung (-33,4 Prozent) weggebrochen ist. 

Neben den privat motivierten Reisenden aus dem In- und Ausland fehlten in den Städten auch die Geschäftsreisenden. Viele klassische Geschäftsreisen wurden und werden in digitale Formate überführt, das MICE-Segment ist praktisch von einem auf dem anderen Tag komplett weggebrochen und ebenfalls in die virtuelle Welt verlagert worden. Noch ist unklar, welchen Weg dieses Marktsegment künftig nehmen wird. Verhalten optimistisch mit Blick auf die Städte stimmen aktuelle Studien, die belegen, dass das Interesse an Städtereisen weiterhin sehr hoch ist und je nach Restriktionen auch 2021 schon wieder stärker anlaufen könnte.

    Autarke Unterkunftsformen liegen im Trend

    Bereits seit einigen Jahren liegen autarke und individuelle Unterkunftsformen im Trend. Durch die Corona-Pandemie haben sie einen weiteren Schub bekommen. Sie entsprechen dem Trend der Individualisierung und hier lassen sich auch Abstands- und Hygieneregeln besser als in anderen Unterkunftsformen einhalten. 

    • Das Campingsegment hat 2020 allen anderen Unterkunftsformen den Rang abgelaufen. Trotz mehrmonatigem Lockdown beliefen sich die Übernachtungsrückgänge hier bundesweit „lediglich“ auf 5,0 Prozent. Vielerorts gab es sogar echte Zuwächse. Auch für 2021 stehen die Zeichen für das Campingsegment auf Wachstum. Die Zulassungszahlen von Caravans (29.148 Neuzulassungen, +8,6 Prozent) und Reisemobilen (77.834 Neuzulassungen, +44,4 Prozent) in Deutschland sind 2020 im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. (Quelle: CIVD)
    • Das Marktsegment Ferienwohnungen/-häuser verlor ebenfalls „nur“ 13,7 Prozent. Hier ist zu vermuten, dass neben dem Interesse von Urlaubsgästen teilweise Geschäftsreisende auf diese vermeintlich sicherere Unterkunftsart umgestiegen sind. 
    • In der Hotellerie ist hingegen knapp jede zweite Übernachtung weggebrochen. Gerade in Städten und bei ausländischen Gästen ist diese Unterkunftsform beliebt.
    • Bei Gruppenunterkünften (Jugendherbergen, Erholungs-, Ferien- und Schulungsheime) waren die Rückgänge mit 57,4 Prozent noch deutlicher. 

     

    Zurück

    Vielleicht auch interessant

    Viele Menschen in Deutschland sparen – vor allem bei Kleidung sowie beim Besuch von Restaurants, Cafés und Bars. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag des Preisvergleichsportals Idealo.

    Die Gastronomie und die Hotellerie in Deutschland haben im April 2026 preisbereinigt jeweils 7,4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat. Für das Gastgewerbe insgesamt weist das Statistische Bundesamt ein reales Minus von 7,1 Prozent aus.

    Deutschland liegt laut einer internationalen Studie beim Einsatz KI-generierter Spesenbelege an der Spitze. Jeder zehnte Beschäftigte nutzt solche Belege regelmäßig, während jeder Fünfte angibt, Ausgaben grundsätzlich falsch darzustellen.

    Eine Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement zeigt für 2026 ein überwiegend stabiles Geschäftsreiseaufkommen. Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von wachsender Unsicherheit durch Preissteigerungen, geopolitische Risiken und Einschränkungen im Luftverkehr.

    Urlaub ist in Zeiten der Inflation eine teure Sache. Selbst mit Tarifvertrag bekommen längst nicht alle Beschäftigten einen Zuschuss. Eine Studie zeigt, wer mit Geld für die Reisekasse rechnen kann.

    Eine Umfrage zeigt, dass ein Drittel der Deutschen im Alltag durch digitale Technologien überfordert ist. Neben Senioren betrifft dies auch jeden vierten Erwachsenen unter 50 Jahren, weshalb der Ruf nach staatlichen Bildungsangeboten wächst.

    Wer sich eine Auszeit nehmen möchte, um Zeit mit seinem Kind zu verbringen, kann Elternzeit beantragen. Gehalt gibt es für die Zeit zwar nicht, doch es greifen währenddessen andere Vorteile – darunter auch ein umfangreicher Kündigungsschutz.

    Im März 2026 haben die deutschen Amtsgerichte 2.308 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 15,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Am stärksten betroffen waren die Bereiche Verkehr, Lagerei und Gastgewerbe.

    Hilton hat eine Untersuchung zur Zukunft der Arbeitsplatzkultur veröffentlicht. Demnach bestimmen trotz des technologischen Wandels vor allem menschliche Faktoren die Produktivität und die Zufriedenheit im Beruf.

    Die Beschäftigung im Gastgewerbe liegt weiterhin über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Gleichzeitig geht die Zahl der gemeldeten offenen Stellen zurück, während sich die Arbeitsmarktentwicklung in einzelnen Branchenbereichen unterschiedlich zeigt.