Gaskrise und hohe Inflation in Deutschland zwingen Menschen zum Verzicht

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Der Einkaufskorb vieler Menschen in Deutschland wird angesichts der hohen Inflation leerer: In den vergangenen zwölf Monaten haben einer Umfrage zufolge 57 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher ihren Konsum bereits eingeschränkt. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozentpunkte, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) anlässlich des Weltspartags an diesem Freitag (28.10) hervorgeht. «Rund 90 Prozent der Befragten treibt die Inflation um», sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis.

Die Konsumbereitschaft ist demnach auf den niedrigsten Wert seit 16 Jahren gesunken. 46 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie sich künftig über die bisherigen Maßnahmen hinaus einschränken wollen (Vorjahr: 24 Prozent). Bei einer Nachbefragung im Oktober waren es sogar mehr als die Hälfte (54 Prozent). «Auskommen mit dem Einkommen das ist für die deutliche Mehrheit der deutschen Privathaushalte das Motto der nächsten drei Jahre», sagte Schleweis. Insgesamt wurden mehr als 4800 Menschen befragt. Die Hauptbefragung fand im Sommer statt.

Besonders hart trifft der starke Anstieg der Inflationsrate, die im September 10,0 Prozent erreichte, Menschen mit geringerem Einkommen. So gaben 83 Prozent der Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1000 Euro an, sie hätten in den letzten Monaten auf alltägliche Dinge verzichten müssen. Bei 40 Prozent war es ein Verzicht in größerem Umfang.

Aber auch wer mehr verdient, macht sich Sorgen. «Der Druck kommt auch in der Mittelschicht an, die bisher vergleichsweise gut über die Runden gekommen ist und nicht von staatlichen Transferleistungen abhängig war», berichtete Schleweis. 58 Prozent mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 2500 Euro und mehr mussten sich nach eigenen Angaben einschränken, wenn auch mehrheitlich in kleinem Umfang. Insgesamt gaben zwei Drittel aller Befragten (65 Prozent) an, in ihrem Alltagsleben auf etwas zu verzichten.

Um mit dem Anstieg der alltäglichen Lebenshaltungskosten umzugehen, greifen 61 Prozent der Verbraucher der Umfrage zufolge bei ihrem Einkauf zu günstigeren Produktalternativen (Oktober-Umfrage: 63 Prozent). 54 Prozent (58 Prozent) geben an, weniger einzukaufen. 49 Prozent (68 Prozent) heizen weniger oder sparen Energiekosten im Haushalt.

Bei der Befragung im Oktober gaben nur noch 26 Prozent der Menschen zwischen 20 und 50 Jahren an, Wohneigentum erwerben zu wollen. Es mangele oft an Eigenkapital. «Durch gezielte Förderprogramme muss der Traum vom Wohneigentum erleichtert werden», mahnte Schleweis. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Rheinland-Pfalz senkt das Mindestinvestitionsvolumen für die Tourismusförderung auf 50.000 Euro. Beherbergungs-, Camping- und Gastronomiebetriebe können unter den genannten Voraussetzungen Zuschüsse erhalten, die bei bestimmten Investitionen bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten betragen.

BWH-Geschäftsführerin Carmen Dücker spricht sich dafür aus, unterschiedliche Stärken und Arbeitsweisen der Generationen im Team zu berücksichtigen. Flexibilität und Austausch dürften dabei nicht nur von einer Seite erwartet werden.

Eine aktuelle DATEV-Analyse zeigt, dass vor allem langjährig Beschäftigte und qualifizierte Fachkräfte von der Inflationsausgleichsprämie profitierten. Zudem zahlten kleine und mittlere Unternehmen häufiger als Kleinstbetriebe.

Die Nachfrage bleibt vergleichsweise stabil, doch höhere Kosten belasten die Margen in Reise, Freizeit und Gastgewerbe. Wie unterschiedlich sich Hotelbetriebsergebnisse entwickeln, zeigt ein europäischer Städtevergleich: Berlin verzeichnet ein Minus von zwölf Prozent, Mailand ein Plus von 34 Prozent.

Der Kreditschutzverband zählt in Österreich 640 Insolvenzen in Beherbergung und Gastronomie von Januar bis September 2026 – acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In 245 Fällen seien die Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet worden.

Auch nach der Inkassoübergabe bleibt das Geld oft aus: Forderungen von Hotels, Gastronomen und Imbissen werden innerhalb eines Jahres nur halb so häufig vollständig bezahlt wie im Branchendurchschnitt. Bei vollständig beglichenen Forderungen vergehen im Median 106 Tage.

Die schleppende Digitalisierung der Verwaltung belastet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Für drei Viertel der Unternehmen ist die digitale Rückständigkeit ein internationaler Standortnachteil, so eine aktuelle Bitkom-Umfrage.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Gastgewerbe zeigt sich von Januar bis Juli eine überdurchschnittlich hohe Insolvenzhäufigkeit.

Psychische Erkrankungen entwickeln sich nach einer Auswertung der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zusehends zu einem Treiber für Fehlzeiten im Job - und das mit langen Ausfallzeiten.

Ab dem 15. Oktober ist das Trinken von Alkohol auf allen Bahnhöfen verboten. Das Anstoßen auf dem Bahnsteig etwa hat dann Konsequenzen. Aber was gilt für Gepäck - und in der Gastronomie?