Gaststättenpreise recht stabil - 612 Betriebe in Thüringen machten dicht

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Jenseits der Städte wird es für die Thüringer immer schwieriger, eine Gaststätte zu finden. Der Trend, dass vor allem in ländlichen Regionen Gasthäuser und Kneipen sterben, sei ungebrochen, sagte der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Dirk Ellinger, in Erfurt. Gründe seien zu geringe Einnahmen angesichts hoher Kosten und das Fehlen eines Nachfolgers. Bei fast einem Drittel (31 Prozent) der Betriebe stehe innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Betriebsübergabe aus Altersgründen an. 

Insgesamt sei die wirtschaftliche Lage in der Branche angespannt, der Druck verschärfe sich. «Es ist keine Trendwende in Sicht», so Ellinger. Das gelte auch für den Umsatz in der Thüringer Gastronomie. «Man hat den Eindruck, wir befinden uns in einer permanenten Ausnahmesituation», sagte Verbandspräsident Mark Kühnelt. «Wir leben davon, dass Menschen konsumbereit sind.» 

Hoffnung auf mehr Inlandstouristen 

Noch bestehe aber Hoffnung, dass viele Menschen wegen der angespannten internationalen Lage in Deutschland Urlaub machten. Thüringen ist dabei allerdings bisher vor allem Ziel von Kurztrips, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Hotelgästen liegt bei 2,6 Tagen. 2025 wurden insgesamt mehr als zehn Millionen Übernachtungen gebucht. 

Die Mehrwertsteuersenkung hätten die meisten Gastonomen und Hoteliers dazu genutzt, um die Preise für ihre Gerichte stabil zu halten. Insgesamt seien die Gäste sehr preissensibel, viele gingen seltener essen. 

«So wie die Mehrwertsteuer gesenkt wurde, so haben sich die Kosten erhöht», sagte die Direktorin des Ahorn-Hotels in Oberhof, Jacqueline Schambach-Hummel. Das betreffe vor allem Personal-, Lebensmittel- und Energiekosten. Thomas Krauße vom Gasthaus Zum Steinbruch in Gehren bei Ilmenau nutzte die Mehrwertsteuersenkung für Speisen nach eigenen Angaben für Lohnerhöhungen und dringende Investitionen.

38.000 Menschen arbeiten im Gastgewerbe 

Nach den Zahlen des Dehoga wurden im Zeitraum von 2019 und damit kurz vor der Corona-Pandemie bis 2025 insgesamt 612 Gastronomie-Betriebe in Thüringen geschlossen. Das seien mehr als 12 Prozent. Ellinger sprach von einem «Sterben der Gastronomie auf dem flachen Land.» Seit 2024 habe es wieder einzelne Neugründungen gegeben und auch Hoteleröffnungen in Erfurt und Eisenach. Derzeit gebe es 4.257 gastgewerbliche Unternehmen im Freistaat, darunter viele Familienbetriebe. 

Die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter bezifferte Ellinger auf mehr als 22.000. Hinzu kämen rund 16.000 geringfügig Beschäftigte. Der Jahresumsatz im Gastgewerbe im Freistaat liege bei etwa 1,5 Milliarden Euro.

Investitionen werden verschoben

Nach eIner Verbandsumfrage beurteilt ein Viertel der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, 12 Prozent sagen, sie sei gut, 64 Prozent befriedigend. Bei den Erwartungen für 2026 sehen insgesamt 44 Prozent eher schwarz - auch wegen der Teuerung durch den Irak-Krieg. Das bremst laut Ellinger die Investitionspläne der Betriebe: 44 Prozent gaben bei der Umfrage an, Investitionen gestoppt zu haben, 12 Prozent wollen mehr investieren. 

Kritik übte der Dehoga daran, dass die angekündigte Flexibilisierung der Arbeit nicht vorankommt und immer neue bürokratische Hürden aufgebaut würden. Als Beispiel nannte Ellinger Pläne für eine Tierwohlkennzeichnung für Fleisch, dass bei den Gästen auf den Teller kommt.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Süßwein gilt vielen als altmodisch und landet meist erst zum Dessert im Glas. Dabei passt er überraschend gut zu Käse, scharfen Gerichten oder moderner Küche. Sommeliers erklären, warum sich ein neuer Blick auf Eiswein, Tokaj und Co. lohnt.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August weiter vom Einbruch infolge des Iran-Kriegs erholt. Auch im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima verbessert. Der Ifo-Index stieg um 2,1 Punkte auf 88,8 Punkte.

Der Urlaub ist geplant und genehmigt - und plötzlich kommt ein Megaauftrag oder drei Kollegen fallen spontan aus. Kann der Arbeitgeber in so einem Fall genehmigte Urlaubstage widerrufen?

 

Hotelfachleute und Köche landen im DGB-Ausbildungsreport 2026 erneut auf hinteren Plätzen. Nur 53,6 Prozent der angehenden Hotelfachleute und 58,1 Prozent der Köche sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Bei der fachlichen Ausbildungsqualität im Betrieb stehen Hotelfachleute auf dem letzten Platz.

Das deutsche Gastgewerbe hat im Juni 2026 real 5,1 Prozent weniger umgesetzt als ein Jahr zuvor. Besonders deutlich fällt auch die Halbjahresbilanz der Gastronomie aus, die preisbereinigt 5,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau lag. Im gesamten Gastgewerbe lag der Rückgang bei 5,2 Prozent.

Während die Umsätze im deutschen Mittelstand im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent zurückgingen, legte das Gastgewerbe um 5,9 Prozent zu. Gleichzeitig verzeichnete die Branche mit 6,5 Prozent den stärksten Lohnanstieg.

Eine Bitkom-Befragung zeigt eine zunehmende Nutzung von künstlicher Intelligenz in deutschen Personalabteilungen. Trotz rechtlicher Bedenken steigen die Einsatzzahlen in Bereichen wie Weiterbildung, Zeugniserstellung und Belastungsanalyse.

Nach der Industrie schwächelt jetzt auch die Beschäftigung in den Dienstleistungsbereichen. Erstmals seit der Corona-Krise ist dort im zweiten Quartal dieses Jahres die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich gesunken.

Im deutschen Gastgewerbe wurden 2025 rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen geschlossen – 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Analyse von ZEW Mannheim und Creditreform weist für das Gastgewerbe zudem die höchsten Schließungsraten unter den betrachteten Wirtschaftszweigen aus.

Wenn ein Mitarbeiter fahrig und verändert zur Arbeit erscheint, kann das viele Gründe haben - einer davon könnten Drogen sein. Doch was kann der Chef dann tun, um Gewissheit zu haben? Darf er Angestellte zu einem Drogentest zwingen?