«Gesundheit höchste Priorität»: Coronavirus verzögert Hannover Messe

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Wegen der anhaltenden Ausbreitung des neuen Coronavirus müssen die Veranstalter der Hannover Messe die weltgrößte Industrieschau verschieben. Das Branchentreffen mit rund 6000 Ausstellern aus 70 Ländern - ursprünglich vom 20. bis 24. April in der niedersächsischen Landeshauptstadt geplant - soll dort jetzt vom 13. bis 17. Juli stattfinden. Dies teilte die Deutsche Messe AG am Mittwoch mit. Damit reiht sich die international vielbeachtete Industrie- und Maschinen-Ausstellung in eine immer länger werdende Liste von Großveranstaltungen ein, die vertagt oder abgesagt wurden.

Aus dem Gesundheitsamt der Region Hannover hatte es zuvor den «dringenden» Rat gegeben, die Hinweise des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheitssicherung zu beachten. Das hätte jedoch ein Teilnahmeverbot für Gäste aus Risikogebieten und Kontaktpersonen sowie Fieber-Messstationen an den Zugängen zum Gelände bedeutet.

«Die genannten Maßnahmen sind von der Deutschen Messe nicht realisierbar», betonte das Unternehmen nun. Eine «störungsfreie Durchführung» wäre so nicht garantiert gewesen. Die Gesundheit aller Beteiligten habe jedoch «höchste Priorität» - daher der neue Termin im Sommer. Bei der Reifenmesse «Tire Technology Export» hatte es in Hannover jüngst schon verschärfte Sicherheitsvorkehrungen gegeben: Besucher mussten bestätigen, in den Tagen vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein. Körpertemperatur-Scanner wurden an den Eingängen postiert, Spender mit Desinfektionsspray aufgestellt.

Die Organisatoren hatten die Lage während der vergangenen Wochen intensiv beobachtet, nachdem sich der Erreger von China aus zunehmend auch in europäischen Ländern verbreitet hatte. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) waren in die Verschiebung einbezogen.

Messe-Chef Jochen Köckler geht davon aus, dass ab Beginn des zweiten Halbjahres wieder «wichtige Impulse» von der Hannover Messe ausgehen können. «Angesichts der weltwirtschaftlichen Herausforderungen, die durch das Coronavirus im ersten Halbjahr ausgelöst wurden, bietet der neue Termin erhebliche Chancen», glaubt er. Die Geschäftsführer von VDMA und ZVEI erklärten, sie hielten die Verschiebung für richtig. Für den Maschinenbau war die Konjunkturlage in den zurückliegenden Monaten auch schon ohne das neuartige Coronavirus recht angespannt.

Der Ursprung des Erregers Sars-CoV-2, der die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, liegt in der zentralchinesischen Provinz Hubei. In Deutschland bestätigte Infektionen verliefen bisher mild. Die Macher der Hannover Messe rechneten in diesem Jahr aber bereits mit einem deutlichen Rückgang von Besuchern aus der Volksrepublik.

Das besondere Risiko internationaler Messen liegt darin, dass sich Menschen aus aller Welt und damit auch aus schwerer betroffenen Gebieten an einem Ort treffen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte Verständnis für den Aufschub in Hannover: «Gesundheit geht vor», sagte er. «Ich bedaure die Verschiebung, halte sie aber für notwendig. Eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus durch das Messegeschehen wird damit verhindert.»

Die Bundesregierung und Experten hatten auch mit Blick auf weitere Großveranstaltungen zu Besonnenheit, aber zugleich zu Wachsamkeit gemahnt. Andere wichtige Messen wurden gestrichen - etwa die ITB in Berlin, die Leipziger Buchmesse oder die Handwerksmesse in München.

Zur Hannover Messe haben sich auch IT-Konzerne wie Google, Amazon, Huawei, SAP oder Microsoft angemeldet. Google sagte inzwischen zudem seine für Mai geplante Entwicklerkonferenz in Kalifornien ab. Die deutschen Messebauer sehen sich schon in der Krise: «Die aktuelle Lage ist dramatisch», sagte Jan Kalbfleisch vom Fachverband Messe- und Ausstellungsbau (Famab) der Deutschen Presse-Agentur.

Die Hoteliers und Gastronomen in Niedersachsen reagierten besorgt auf die Verschiebung. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Dehoga, Rainer Balke, sprach von einem «Super-GAU» für die regionale Branche. Stornierungen in Hotels und nachlassende Kundschaft in Lokalen führten in den Betrieben schon «zu großer Verunsicherung». Man müsse zwar Verständnis für die Vorsicht der Behörden haben - doch ob der Termin im Sommer dann definitiv gehalten werden könne, sei ungewiss.

Partnerland der Hannover Messe 2020 ist Indonesien. Dessen Präsident Joko Widodo will während der Ausstellung Deutschland besuchen. Themen sind vor allem Technologien für mehr Klimaschutz, der jüngste Stand beim 5G-Mobilfunkstandard und künstliche Intelligenz. Zwei für den März geplante Branchentreffen haben die Veranstalter in Hannover ebenfalls verschoben: Sowohl die Halal-Messe für islamkonforme Produkte als auch die IT-Messe Twenty2X sollen neue Termine bekommen. (dpa)


 

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