Ifo-Institut: Kein Wachstum im laufenden Jahr

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für dieses Jahr zurückgenommen und rechnet nun mit null Wirtschaftswachstum und steigender Arbeitslosigkeit. Die Münchner Wirtschaftsforscher korrigierten ihre Prognose vom Sommer auch für nächstes Jahr nach unten. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sagt: «Die deutsche Wirtschaft steckt fest», während «andere Länder den Aufwind spüren». Das liege nicht nur an der Konjunktur: «Wir haben eine strukturelle Krise.» 

Vor allem in der Industrie werde zu wenig investiert, die Produktivität trete schon seit Jahren auf der Stelle, sagt der Münchner Professor. Klimawende, Digitalisierung, Demografie, Corona, Energiepreise und die neue Rolle Chinas in der Weltwirtschaft setzten etablierte Geschäftsmodelle unter Druck. 

Ifo: Die Konsumenten sind verunsichert

«Außerdem haben wir eine konjunkturelle Krise. Die Auftragslage ist schlecht, und die Kaufkraftgewinne führen nicht zu steigendem Konsum, sondern zu höherer Ersparnis, weil die Leute verunsichert sind», sagt Wollmershäuser. Das Baugewerbe dürfte dieses Jahr um 3,1 Prozent schrumpfen, die Industrie um 2,0 Prozent. 

Im vergangenen Jahr ist die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent geschrumpft. Nach der nun erwarteten Stagnation im laufenden Jahr statt der zuletzt prognostizierten Zunahme um 0,4 Prozent erwartet das Ifo-Institut nächstes Jahr 0,9 Prozent Wachstum statt bisher 1,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote dürfte von 5,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 6,0 Prozent in diesem Jahr steigen, nächstes Jahr dann auf 5,8 Prozent sinken. 

Die Bevölkerung altere schneller, immer weniger Menschen seien in Arbeit. «Verschiebungen vom Industrie- zum Dienstleistungssektor erklären größtenteils den Produktivitätsstillstand der vergangenen Jahre», sagt Wollmershäuser. 

Lichtblick Inflationsrate

Ein Lichtblick sei die Inflationsrate: Sie gehe zurück von 5,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,2 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Das Defizit im Staatshaushalt dürfte in diesem Jahr 2,0 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen und nächstes Jahr auf 1,3 Prozent zurückgehen. 

Erst im Juni hatte das Ifo-Institut seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden Jahr von 0,2 auf 0,4 Prozent angehoben. Begründung damals: Die Kaufkraft der privaten Haushalte steige, der Export dürfte anziehen. Auch bei der Zahl der Arbeitslosen waren die Forscher optimistischer gewesen, sie rechneten mit einem Anstieg von 2,6 auf 2,7 Millionen und einer Quote von nur 5,9 Prozent. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Gastronomie und die Hotellerie in Deutschland haben im April 2026 preisbereinigt jeweils 7,4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat. Für das Gastgewerbe insgesamt weist das Statistische Bundesamt ein reales Minus von 7,1 Prozent aus.

Deutschland liegt laut einer internationalen Studie beim Einsatz KI-generierter Spesenbelege an der Spitze. Jeder zehnte Beschäftigte nutzt solche Belege regelmäßig, während jeder Fünfte angibt, Ausgaben grundsätzlich falsch darzustellen.

Eine Umfrage des Verbands Deutsches Reisemanagement zeigt für 2026 ein überwiegend stabiles Geschäftsreiseaufkommen. Gleichzeitig berichten viele Unternehmen von wachsender Unsicherheit durch Preissteigerungen, geopolitische Risiken und Einschränkungen im Luftverkehr.

Urlaub ist in Zeiten der Inflation eine teure Sache. Selbst mit Tarifvertrag bekommen längst nicht alle Beschäftigten einen Zuschuss. Eine Studie zeigt, wer mit Geld für die Reisekasse rechnen kann.

Eine Umfrage zeigt, dass ein Drittel der Deutschen im Alltag durch digitale Technologien überfordert ist. Neben Senioren betrifft dies auch jeden vierten Erwachsenen unter 50 Jahren, weshalb der Ruf nach staatlichen Bildungsangeboten wächst.

Wer sich eine Auszeit nehmen möchte, um Zeit mit seinem Kind zu verbringen, kann Elternzeit beantragen. Gehalt gibt es für die Zeit zwar nicht, doch es greifen währenddessen andere Vorteile – darunter auch ein umfangreicher Kündigungsschutz.

Im März 2026 haben die deutschen Amtsgerichte 2.308 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 15,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Am stärksten betroffen waren die Bereiche Verkehr, Lagerei und Gastgewerbe.

Hilton hat eine Untersuchung zur Zukunft der Arbeitsplatzkultur veröffentlicht. Demnach bestimmen trotz des technologischen Wandels vor allem menschliche Faktoren die Produktivität und die Zufriedenheit im Beruf.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe liegt weiterhin über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Gleichzeitig geht die Zahl der gemeldeten offenen Stellen zurück, während sich die Arbeitsmarktentwicklung in einzelnen Branchenbereichen unterschiedlich zeigt.

Die Thüringer halten in der Konjunkturflaute ihr Geld zusammen und gehen seltener essen oder buchen Hotelübernachtungen. Das macht die Lage im Gastgewerbe nicht leichter.