Insolvenzen auf Zehn-Jahres-Hoch: Gastgewerbe bleibt Bonitäts-Schlusslicht der Wirtschaft

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die Hoffnungen auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung in Deutschland haben sich 2025 nicht erfüllt. Im dritten Jahr in Folge verharrte die Wirtschaft in einer Wachstumsstarre, wobei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte. Diese anhaltende Konjunkturschwäche führte zu einem deutlich dynamischen Insolvenzgeschehen: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg um 8,3 Prozent auf rund 23.900 Fälle. Damit wurde der höchste Stand seit 2014 erreicht. In diesem angespannten Umfeld steht das Gastgewerbe unter besonderem Druck, da die Branche in der Bewertung der Zahlungsfähigkeit das Schlusslicht unter allen großen Wirtschaftszweigen bildet - so eine Creditreform-Analyse.

Kreditwürdigkeit der Gastronomen stark eingeschränkt

Die Unternehmensbonität im Gastgewerbe zeigt weiterhin einen stark negativen Trend. Der durchschnittliche Bonitätsindexwert lag 2025 bei 292, was im Branchenvergleich das schlechteste Ergebnis darstellt. Im Gegensatz dazu weisen der Bergbau, die Gewinnung von Steinen und Erden sowie das Gesundheits- und Sozialwesen die besten Bonitätsnoten auf.

Die Bonitätsbewertungen im Gastgewerbe hatten sich bereits während der Corona-Krise abrupt verschlechtert und konnten sich seither nur leicht erholen. Die Kreditwürdigkeit der Gastronomen bleibt damit deutlich eingeschränkt. Als Teil des Dienstleistungssektors, der mit 59,1 Prozent den größten Anteil am gesamten Insolvenzaufkommen trägt, wird die Branche Gastronomie gesondert in den Top Ten der risikobehafteten Branchen geführt. Hier ist das Risiko einer mangelhaften oder ungenügenden Bonität mit 619 gefährdeten Betrieben je zehntausend Unternehmen überdurchschnittlich hoch.

Allgemeine Insolvenzwelle: Mittelstand unter massivem Druck

Der Anstieg der Firmenpleiten um 8,3 Prozent auf 23.900 Fälle fiel zwar geringer aus als in den beiden Vorjahren (2023: plus 22,9 Prozent; 2024: plus 22,5 Prozent), markierte aber dennoch ein Zehn-Jahres-Hoch. Ursächlich dafür sind die anhaltenden wirtschaftspolitischen Verwerfungen. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, beschreibt die Situation: „Viele Betriebe sind hoch verschuldet, kommen schwer an neue Kredite und kämpfen mit strukturellen Belastungen wie Energiepreisen oder Regulierung. Das setzt vor allem den Mittelstand unter massiven Druck und bricht auch vielen Betrieben das Genick.“

Die Hauptlast trugen Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten. Rund 19.500 dieser Firmen mussten Insolvenz anmelden, was 81,6 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen ausmachte.

Auch bei den Privatinsolvenzen setzte sich der Negativtrend fort. Die Zahl stieg um weitere 6,5 Prozent auf rund 76.300 Fälle, den höchsten Stand seit 2016. Hauptursache ist die zunehmende Überschuldung der Menschen.

Verarbeitendes Gewerbe und Handel als Treiber des Anstiegs

Das Insolvenzgeschehen wurde maßgeblich von zwei großen Wirtschaftszweigen getrieben: dem Verarbeitenden Gewerbe (plus 10,3 Prozent) und dem Handel (plus 10,4 Prozent). Im Dienstleistungssektor (zu dem das Gastgewerbe zählt) stiegen die Fallzahlen moderat um 8,4 Prozent. Das Baugewerbe verzeichnete den geringsten Anstieg (plus 4,7 Prozent). Bemerkenswert ist, dass die Fallzahlen im Bau-, Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich inzwischen rund ein Drittel über dem Niveau von 2019 liegen.

Besonders stark betroffen war auch die Gesundheits- und Pflegebranche, die mehrere größere Insolvenzfälle verzeichnete. Hierzu erläuterte Bernd Bütow, Hauptgeschäftsführer von Creditreform: „Steigende Betriebskosten, unzureichende Finanzierung und komplexe bürokratische Anforderungen belasten diesen sensiblen Bereich massiv.“

Im Bereich der Großinsolvenzen mit mehr als 250 Beschäftigten wurden 2025 rund 140 Fälle verzeichnet, was dem Vorjahresniveau entsprach. Bekannte Fälle aus dem Gastgewerbe waren der Insolvenzantrag der Restaurantkette Sausalitos GmbH im März 2025 sowie die erfolgreich abgeschlossene Restrukturierung der Achat Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH.

Hohe Schäden und mahnender Ausblick

Die finanziellen Schäden für Gläubiger, darunter Lieferanten und Banken, blieben hoch. Die geschätzte Schadenssumme für 2025 belief sich auf rund 57 Milliarden Euro. Insgesamt waren schätzungsweise 285.000 Arbeitnehmer von den Unternehmensinsolvenzen betroffen.

Mit Blick auf das Folgejahr warnte Bütow: „Die deutsche Wirtschaft verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Hohe Kosten, Bürokratie und die anhaltende Konjunkturschwäche werden das Insolvenzgeschehen weiter antreiben.“ Zwar könnten geplante Milliarden-Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Verteidigung das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Dennoch seien zusätzliche strukturelle Maßnahmen, wie eine Entlastung bei den Stromkosten, nötig, um die wirtschaftliche Basis wieder zu stabilisieren und den Anstieg zu drosseln.


SEO-Keywords: Gastgewerbe, Insolvenzen, Bonität, Gastronomen, Firmenpleiten, Kreditwürdigkeit, Dienstleistungssektor, Verarbeitendes Gewerbe, Handel, Mittelstand, Bürokratie


Die anhaltende Bonitätsschwäche im Gastgewerbe spiegelt die strukturellen und konjunkturellen Belastungen der deutschen Wirtschaft wider, während die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht hat.

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine aktuelle Erhebung zeigt einen deutlichen Anstieg von Betriebsaufgaben im deutschen Mittelstand. Hohe Kosten, bürokratische Hürden und fehlende Nachfolgelösungen führen dazu, dass immer mehr Unternehmer ihr Geschäft aufgeben.

Die wirtschaftliche Verunsicherung wird laut einer Umfrage auch 2026 das Kaufverhalten der Deutschen prägen. Besonders für Kosmetik, Mode, Reisen und Gastronomie wollen die Befragten weniger ausgeben.

Die Tariflöhne sind im laufenden Jahr in Deutschland kaum noch stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Im vergangenen Jahr hatten sich die Reallöhne und damit die Kaufkraft der Beschäftigten noch um 3,1 Prozent gesteigert. 

Neue BIBB-Zahlen zeigen: Das Gastgewerbe trotzt dem bundesweiten Rückgang bei Ausbildungsverträgen weitgehend. Während die Gesamtzahlen sinken, verzeichnen die zweijährigen Berufe im Gastgewerbe starke Zuwächse. Die Hotelberufe hingegen leiden weiterhin unter deutlichen Einbrüchen.

Der Begriff «Insolvenz» kann schon mal Panik auslösen. Insbesondere, wenn es den eigenen Arbeitgeber betrifft. Ruth Rigol, Fachanwältin für Arbeits- und Insolvenzrecht, und Guadalupe Florenin von der Bundesagentur für Arbeit, beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Insolvenz des Arbeitgebers.

Das Leben ist zunehmend stressig - davon sind viele Menschen überzeugt. Und nicht nur der Stress wächst, sondern laut Daten einer Krankenkasse auch die Zahl der Fehltage wegen der Diagnose Burnout.

Die Österreichische Hotelvereinigung hat die größte Praktikums-Umfrage der Branche durchgeführt. Mehr als 1.200 Schüler nahmen an der Befragung teil, die bereits zum vierten Mal stattfand. Die Ergebnisse für das Jahr 2025 zeigen gute Bewertungen für die Praktikumsbetriebe. Optimierungspotenzial sehen die Schüler bei Kommunikation und Dienstzeiten.

Die Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in den Kategorien Hotellerie und Gastronomie zeigen, wie ökologische und soziale Verantwortung in der Praxis umgesetzt werden kann. Das Hotel Luise in Erlangen und die Obermühle Görlitz werden für ihren Einsatz für Kreislaufwirtschaft, faire Arbeitsbedingungen und regionale, umweltschonende Konzepte gewürdigt.

Die Krise in der Wirtschaft hinterlässt deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge ist in diesem Jahr auf rund 476.000 zurückgegangen, ist war der zweite Rückgang in Folge.

Die Bereitschaft von Fachkräften in Deutschland, während der Weihnachtsfeiertage und des Jahreswechsels für dienstliche Anfragen erreichbar zu sein, hat einen neuen Tiefstand erreicht. Insgesamt haben 71 Prozent der Berufstätigen über die Feiertage Urlaub.