Käse, Milch & Klima: Die unterschätzten CO₂-Treiber auf dem Teller

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Rund ein Viertel aller mit Konsum in Verbindung stehenden deutschen Treibhausgas-Emissionen geht einer neuen Analyse zufolge auf die Ernährung zurück. Der Konsum von Lebensmitteln in Deutschland verursache pro Jahr etwa 235 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entlang der Wertschöpfungskette von der landwirtschaftlichen Produktion bis zu den privaten Haushalten, heißt es im Bericht der Denkfabrik Agora Agrar. «Etwa 70 Prozent davon entstehen durch den Konsum tierischer Produkte.»

Treibhausgase wirken sich unterschiedlich stark auf das Klima aus und werden der besseren Vergleichbarkeit wegen in CO2-Äquivalente umgerechnet. Konsumbezogene Emissionen sind solche, die dem Konsum von Gütern und Dienstleistungen in einem Land zugerechnet werden – unabhängig davon, wo sie global anfallen. 

Insgesamt kauft eine durchschnittliche Person in Deutschland dem Bericht zufolge etwa 642 Kilogramm Nahrungsmittel pro Jahr ein, also etwa 1,76 Kilogramm pro Tag. Nicht alles wird verzehrt, vieles wird weggeworfen. Allein etwa 120 Kilogramm entfallen den Angaben zufolge auf Milchprodukte wie Frischmilch, Joghurt und Käse. 

Von der benötigten landwirtschaftlichen Fläche liegen rund 55 Prozent in Deutschland und 45 Prozent in anderen Ländern. Produkte wie Milch, Fleisch oder Brotgetreide stammen überwiegend aus Deutschland. Lebensmittel, die in Dauerkulturen erzeugt werden, wie Oliven, Zitronen oder Nüsse, kommen zu einem großen Teil aus dem Ausland.

Emissionen in der Landwirtschaft sinken vergleichsweise langsam

In den vergangenen Jahren seien die Emissionen in den Sektoren Energie und Industrie deutlich schneller gesunken als in der Landwirtschaft, heißt es von Agora Agrar. Setze sich dieser Trend fort, werde der landwirtschaftliche Ausstoß bis 2045 den größten Teil der verbleibenden Emissionen ausmachen, die für das Erreichen der Klimaneutralität kompensiert werden müssen.

Die größten Potenziale einer Verringerung der Klimawirksamkeit liegen der Denkfabrik zufolge in der Nutzung erneuerbarer Energien, einer stärker pflanzlich basierten Ernährung und der Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore. Eine stärker pflanzlich geprägte Ernährung fördere zudem Gesundheit, Ernährungssicherheit und Biodiversität.

Die für die Berechnung berücksichtigte Wertschöpfungskette «umfasst die Herstellung landwirtschaftlicher Betriebsmittel wie Stickstoffdünger, die landwirtschaftliche Produktion, die Weiterverarbeitung und den Handel sowie den Konsum der Lebensmittel». Zudem seien Treibhausgas-Emissionen aus Landnutzungsänderungen und aus landwirtschaftlich genutzten Mooren einbezogen worden.

Nutzung von Mooren trägt viel bei

Die Entwässerung von Mooren führt dazu, dass der im Torf gespeicherte Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre abgegeben wird. «Für die Erzeugung von Nahrungsmitteln entstehen auf landwirtschaftlich genutzten Mooren jährlich etwa 27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente», heißt es im Bericht. Der überwiegende Teil dieser Moore liege in Deutschland und werde für die Produktion tierischer Lebensmittel, meist Rinderhaltung, genutzt.

Der hohe Beitrag des Konsums tierischer Produkte an den Emissionen insgesamt geht Agora Agrar zufolge vor allem auf drei Faktoren zurück: Umwandlungsverluste – Tiere brauchen auch für den eigenen Stoffwechsel Energie –, die Futtermittelproduktion und die Verdauung von Wiederkäuern. Dabei entsteht Methan, welches eine rund 30-mal stärkere Klimawirkung hat als CO2.

Hartkäse hat eine schlechte Klimabilanz

Von den tierischen Produkten wiederum ist der Konsum von Milchprodukten mit den anteilig höchsten Treibhausgas-Emissionen verbunden, etwa die Hälfte davon geht auf Käsekonsum zurück. «Je größer die für die Käseproduktion benötigte Milchmenge ist, desto höher sind auch die Treibhausgas-Emissionen», hieß es. Für ein Kilogramm Frischkäse würden etwa 4 Liter Milch benötigt, für Hartkäse etwa 13 Liter.

Bei den pflanzlichen Lebensmitteln geht ein großer Teil der Emissionen auf Herstellung und Einsatz von Düngemitteln zurück, sowie – bei Gewächshauskulturen – auf den Energieverbrauch für Heizung und Beleuchtung. 

Berücksichtigt wurden zudem die Emissionen aus dem Konsum von Getränken wie Mineralwasser, Softgetränke, Bier, Tee und Kaffee. Ihre Klimawirksamkeit beträgt demnach 13,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, ist also vergleichsweise gering. «Der Grund dafür ist, dass Getränke zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, dessen Produktion kaum Treibhausgase verursacht.»

Wert soll Klima-Beitrag der Ernährung zeigen

Die Agora-Agrar-Experten schlagen einen Indikator «Klimawirksamkeit der Ernährung» vor, der die Treibhausgas-Emissionen der Ernährung pro Person und Jahr darstellt. Über einen längeren Zeitraum erhoben könne er den Beitrag der Ernährung zur Erreichung der Klimaziele zeigen. «Zudem ermöglicht er Rückschlüsse auf die Wirksamkeit politischer Maßnahmen, die auf die Klimarelevanz der Ernährung abzielen.»

Derzeit liege der Wert bei etwa 2,8 Tonnen CO2-Äquivalenten. Mitte des Jahrhunderts könnten mit ambitionierter Politik etwa 0,7 Tonnen pro Person und Jahr erreicht werden. Als Voraussetzungen sehen die Agora-Agrar-Experten an, dass die Energieproduktion in Deutschland weitestgehend auf erneuerbare Energiequellen umgestellt ist, Menschen im Mittel nur noch halb so viele tierische Produkte konsumieren, in der Produktion Treibhausgas-mindernde Technologien eingesetzt werden und landwirtschaftlich genutzte Moore zum großen Teil wiedervernässt sind. (dpa9


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