Koffein-Kick: Ist Kaffee ein Wach- und Gesundmacher?

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Trotz gestiegener Preise schlürft jeder Bundesbürger im statistischen Mittel rund 164 Liter Kaffee pro Jahr. Das sind nach Berechnungen des Deutschen Kaffeeverbandes 17 Liter mehr als vor 20 Jahren. Am 8. Februar ist der Tag des Koffeins. Die Substanz ist auch in anderen Lebensmitteln wie Tee oder Schokolade enthalten. Wie wirkt sich die tägliche Dosis Genuss auf die Gesundheit aus? 

Was ist Koffein und wo steckt es drin? 

Koffein ist ein Alkaloid, also eine natürliche stickstoffhaltige organische Verbindung. Sie lässt sich auch industriell herstellen. Die Substanz gelangt in größeren Mengen meist über koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Tee und sogar Kakao in den Körper. Zahlreichen Lebensmitteln wird nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) aber auch Koffein zugesetzt - etwa Backwaren, Eis, Süßigkeiten, Cola und Energydrinks. Daneben gibt es Nahrungsergänzungsmittel mit konzentriertem Koffein auf dem Markt.

Koffeinhaltige Lebensmittel können das Herz-Kreislauf-System und das zentrale Nervensystem in Schwung bringen. Damit erhöhen sich die Konzentrationsfähigkeit und auch die körperliche Leistungsfähigkeit. 

Macht Kaffee wirklich wach? 

Das kommt darauf an. Koffein blockiert einen Teil der Andockstellen für den Botenstoff Adenosin im Gehirn. Normalerweise gibt Adenosin das folgende Signal an den Körper: Du hast dich angestrengt, mach mal Pause. Dockt aber stattdessen Koffein an viele dieser Rezeptoren an und blockiert sie, kommt die Müdigkeitsbotschaft nicht mehr an.

Doch das ist nicht in Stein gemeißelt: Am Forschungszentrum Jülich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die anregende Wirkung des Koffeins nur dann einsetzt, wenn Menschen vorher ein Schlafdefizit hatten. Und auch dann: Unendlich lässt sich Koffein-Doping nicht fortsetzen. Eine Studie des Walter Reed Army Instituts in den USA sieht die Grenze bei vier Tagen Schlafentzug. Danach verpuffte die Wirkung des Wachmachers. 

Wo liegen die Grenzen des guten Geschmacks? 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis und 400 Milligramm über den ganzen Tag verteilt für gesunde Erwachsene für unbedenklich. Das sind gut vier Tassen Kaffee: Ein Espresso enthält nach Angaben der Behörde rund 80 Milligramm Koffein, eine Tasse Filterkaffee 90 Milligramm.

Auf diese Dosis bringt es sonst nur eine Dose Energydrink (80 Milligramm). In einer Tasse schwarzem Tee steckt zum Vergleich mit 50 Milligramm fast so viel Koffein wie in einer Dose Cola (40 Milligramm). Eine halbe Tafel Vollmilchschokolade bringt es auf 10 Milligramm, Zartbitterschokolade auf 25 Milligramm. Auch eine Tasse Kakao kann je nach Sorte zwischen 10 und 25 Milligramm Koffein enthalten. 

Bei den Empfehlungen für gesunde Erwachsene gibt es Ausnahmen: Für Schwangere und Stillende gilt eine Tagesdosis von 200 Milligramm als unbedenklich. Für Kinder liegt die Grenze bei rund 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. 

Ist Koffein eine Droge? 

«Koffein ist die weltweit am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz», sagt Andreas Bauer vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin. «Sie unterscheidet sich jedoch von Amphetaminen oder anderen Rauschmitteln dadurch, dass sie auch bei regelmäßigem Konsum kein signifikantes Suchtpotenzial entfaltet.»

Das heißt aber nicht, dass der Körper unbeeindruckt bleibt: Ein Koffeinverzicht nach täglichen Kaffeeritualen kann nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikoforschung Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit auslösen. Umgekehrt kann regelmäßiges Kaffeetrinken zu einer Koffein-Toleranz führen. Das bedeutet, dass bei gleichbleibender Menge zumindest einige der gewohnten Wirkungen nicht mehr oder weniger stark auftreten.

Welcher Kaffee-Typ bin ich? 

Generell vertragen Menschen Koffein nicht gleich gut. Nach Studien liegt das an genetischen Unterschieden im Adenosin‑Rezeptor. Diese Andockstellen finden sich nicht allein im Gehirn, sondern auch in vielen Organen. So kann es sein, dass einige schon nach einer Tasse Espresso Magenschmerzen, Durchfall oder Herzklopfen bekommen - und andere sich dagegen wach und wohlfühlen.

Ähnlich individuell ist die Wirkung beim Kaffeegenuss vor dem Einschlafen. Einige Menschen schnarchen trotz Koffein sofort weg, andere liegen wach. Für alle aber gilt: Kaffee ab dem Nachmittag führt zu weniger Tiefschlaf, weil der Abbau von Koffein im Körper mehr als zwölf Stunden dauern kann. 

Was passiert bei einer Überdosis? 

In hohen Mengen kann Koffein Nervosität, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen verursachen. Bei einem übermäßigen Koffeinkonsum über einen längeren Zeitraum drohen Herz-Kreislauf-Probleme. Bis es so weit kommt, muss ein Mensch aber beispielsweise 25 Tassen Kaffee am Tag trinken. Anders ist das Risiko bei hochkonzentrierten Koffeinpulvern, bei denen Nutzer die Menge meist selbst abmessen. 0,2 Gramm Pulver, also grob eine Messerspitze, entsprechen 0,2 Gramm Koffein. Wer dann irrtümlicherweise ein oder zwei Teelöffel Pulver einnimmt, riskiert eine lebensbedrohliche Vergiftung. 

Kann Kaffee gegen Krebs helfen? 

Die aktuelle Datenlage spricht nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums dafür, dass Kaffee - entgegen vieler Behauptungen - keinen Krebs verursacht. Kann das Getränk davor schützen? Forschende wissen bislang nur, dass Kaffee nachweislich das Risiko für Leberkrebs und Gebärmutterkrebs senkt. Dieser schützende Effekt hängt allerdings von der täglichen Kaffeemenge ab. Bei Leberkrebs sind das beispielsweise mindestens drei Tassen Kaffee pro Tag. Ob Kaffee generell das Krebsrisiko senkt, ist unklar. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Sächsische Landesbibliothek hat den Nachlass der DDR-Kochbuchautorin Ursula Winnington übernommen. Die Sammlung der DDR-Kochbuchikone soll künftig im Deutschen Archiv der Kulinarik für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sein.

Wenn die Kita zu ist, muss das Kind zu Hause betreut werden. Aber wie, wenn die Eltern doch eigentlich arbeiten müssen? Eine mögliche Lösung: Urlaub beantragen. Aber muss der Arbeitgeber den auch zwingend genehmigen?

Der Personalmangel in der deutschen Wirtschaft zwingt Unternehmen zunehmend zum Umdenken bei der Arbeitsplatzgestaltung. Eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom liefert dazu nun Zahlen aus der Industrie, die als Blaupause für andere Branchen dienen könnten.

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, Loyalität und Fachwissen: Solche Eigenschaften galten früher im Job als unabdingbar. Und heute? Was verbirgt sich hinter den «Future Skills» - und wer braucht sie?

Seit Mitte März gibt es in Deutschland frischen Spargel. Die Lust auf das Stangengemüse ist 2025 aber etwas gesunken, wie neue Daten zeigen. Besonders eine Gruppe kann mit Spargel wenig anfangen.

Der reale Umsatz im deutschen Gastgewerbe blieb im Februar 2026 gegenüber dem Vormonat unverändert, während er im Vorjahresvergleich preisbereinigt deutlich sank. Besonders die Gastronomie verzeichnete im Vergleich zum Februar 2025 spürbare reale Einbußen.

Die Umsätze im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe liegen 2025 weiterhin unter dem Niveau von 2016. Das zeigen vorläufige Zahlen des Landesamts IT.NRW.

Auch im Schreiben wächst die Nachfrage nach intensiveren, persönlich ausgerichteten Formaten, fernab vom Alltag. Die Autorin Sylvia Deloy veranstaltet gemeinsam mit der Coachin Anja Eigen das Schreibretreat „Zeit für Geschichten“. Es findet vom 7. bis 10. Juni 2026 im Wellnesshotel Bayerwaldhof im Bayerischen Wald statt.

Im Jahr 2025 haben in Deutschland rund 461.800 Personen eine duale Berufsausbildung aufgenommen. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, entspricht dies einem Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Steigende Lebenshaltungskosten sind laut einer aktuellen Umfrage die größte finanzielle Sorge in der deutschen Bevölkerung. Auffällig: Besorgter als Niedrigverdiener sind demnach diejenigen mit mittleren oder hohen Einkommen.