Kündigung in Probezeit: Betriebsrat muss einbezogen werden

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Auch bei Kündigungen in der Probezeit muss der Betriebsrat eines Unternehmens vorher ins Boot geholt werden. Darauf weist Volker Görzel vom Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte (VDAA) hin. 

Zwar müssen Arbeitgeber in den ersten sechs Monaten eines Arbeitsverhältnisses grundsätzlich keine speziellen Kündigungsgründe haben, die das Kündigungsschutzgesetz sonst vorsieht. Doch gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat und wird er vor Ausspruch der Kündigung nicht angehört, sei die Kündigung unwirksam, so der Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Der Arbeitgeber muss dem Betriebsrat kurz erklären, welche Überlegungen hinter der Entscheidung stehen. Schlagwörter allein, wie «Probezeitkündigung» oder «Probezeit nicht bestanden», ohne eine weitere Erläuterung können dabei laut Görzel problematisch sein.

Wie detailliert muss die Kündigung begründet werden?

Wie ausführlich die Begründung sein muss, lässt sich aber nicht pauschal sagen. Hat der Mitarbeiter in seiner Probezeit nicht überzeugt oder nicht den Erwartungen entsprochen, dann ist das eine zulässige, subjektive Einschätzung des Arbeitgebers. In so einem Fall könne die Anforderung an die Detailtiefe der Informationen jedenfalls vergleichsweise gering sein, so Görzel.

Anders sei das, wenn der Arbeitgeber die Kündigung auf einen konkreten Sachverhalt stütze. Etwa, wenn der Mitarbeiter mehrfach unentschuldigt nicht zur Arbeit gekommen ist. Sind solche Vorfälle ausschlaggebend, müssten diese dem Betriebsrat konkret dargelegt werden. Der Arbeitnehmer habe sich nicht bewährt, sei dann keine ausreichende Erklärung.

Anhörung ist keine «bloße Formalität»

Letztlich sollte die Anhörung den tatsächlichen Entscheidungsprozess «korrekt wiedergeben», bringt Volker Görzel es auf den Punkt. Wer Vorfälle verschweige, die für die Kündigungsentscheidung ausschlaggebend waren, riskiere eine fehlerhafte Betriebsratsanhörung. Und damit, dass die Kündigung unwirksam ist.

«Die Tatsache, dass sich ein Beschäftigter noch in der Probezeit befindet, reduziert die Beteiligung des Betriebsrats also nicht auf eine bloße Formalität», so der Arbeitsrechtler. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Überstunden gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Doch Arbeitgeber dürfen Mehrarbeit nur unter bestimmten Voraussetzungen verlangen. Was bei Anordnung, Vergütung, Dokumentation und Arbeitszeit gilt.

Wer im Job neues Wissen oder neue Fähigkeiten benötigt, bekommt oft eine Fortbildung dafür. Findet diese auch während der Arbeitszeit statt, liegt es nahe, dass der Arbeitgeber die Kosten dafür trägt. Doch ist das wirklich so?

Fast jeder zweite Selbstständige in Europa verzichtet auf Lohn, um unabhängig zu bleiben. Was steckt hinter dem Stolz, auf Kredite zu verzichten – und welche Ängste spielen eine Rolle?

Ein Krankenschein hat einen hohen Beweiswert. Um den zu erschüttern, braucht ein Arbeitgeber deutliche Indizien. Das zeigt einmal mehr ein Urteil des Arbeitsgerichts Nordhausen, auf den die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinweist.

So viele Insolvenzen gab es im ersten Halbjahr seit mehr als zehn Jahren nicht. Creditreform warnt: Noch hat die Pleitewelle ihren Scheitelpunkt nicht erreicht. Die Liste der Probleme ist lang.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass bargeldloses Bezahlen im Urlaub einen neuen Höchststand erreicht hat. Vor allem jüngere Reisende nutzen Kreditkarten und Smartphones, während bei der Generation über 50 Jahre Bargeld weiterhin knapp dominiert.

Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass sich 21 Prozent der deutschen Bevölkerung im Jahr 2025 keinen einwöchigen Urlaub leisten konnten. Besonders betroffen waren einkommensschwache Haushalte sowie Alleinerziehende.

Das Gastgewerbe hat sich im Mai 2026 besser entwickelt als andere Branchen des deutschen Mittelstands. Der DATEV-Mittelstandsindex weist sowohl bei den Umsätzen als auch bei den Löhnen die stärksten Zuwächse unter den untersuchten Wirtschaftszweigen aus.

Eine Umfrage zeigt, dass 73 Prozent der Arbeitnehmer in Österreich im Urlaub erreichbar bleiben. Besonders Führungskräfte sind während der freien Tage häufig digital oder telefonisch für den Betrieb verfügbar, was von vielen als Belastung empfunden wird.

Viele Menschen in Deutschland sparen – vor allem bei Kleidung sowie beim Besuch von Restaurants, Cafés und Bars. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag des Preisvergleichsportals Idealo.