Personalmangel und Kostenexplosion: UK-Gastgewerbe kämpft mit Insolvenzen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Die wirtschaftliche Lage im britischen Beherbergungs- und Gaststättengewerbe bleibt angespannt. Laut aktuellen Regierungsdaten wurden im Jahr 2025 insgesamt 3.353 Insolvenzfälle in diesem Sektor registriert. Damit belegt das Gastgewerbe im branchenübergreifenden Vergleich den dritten Platz der am stärksten betroffenen Wirtschaftszweige im Vereinigten Königreich, hinter dem Baugewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel.

Insolvenzgeschehen und wirtschaftliche Einflussfaktoren

Obwohl die Zahl der Insolvenzen im vierten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorquartal um 2,4 Prozent sank, verharrt das Gesamtniveau auf einem hohen Stand. Branchenexperten führen die anhaltende Belastung auf eine Kombination aus hohen Schuldenständen, steigenden Lohnkosten und einen begrenzten Spielraum bei der Weitergabe von Kostensteigerungen an die Verbraucher zurück.

Personalsituation und betriebliche Anpassungen

Die Branche unterstützte im September 2025 rund 2,6 Millionen Arbeitsplätze. Dennoch war im November 2025 ein Rückgang der lohnsteuerpflichtigen Beschäftigten um circa 59.000 im Vergleich zum Vorjahresmonat zu verzeichnen. Die Vakanzrate bleibt mit 77.000 offenen Stellen, was drei Stellen pro 100 Arbeiter entspricht, deutlich über dem Durchschnitt aller Industrien von 2,3.

Um den steigenden Betriebskosten und dem Arbeitskräftemangel zu begegnen, haben viele Betriebe ihre Geschäftsmodelle angepasst. So verkürzten 47 Prozent der Pub-Besitzer zwischen April und Oktober 2025 ihre täglichen Öffnungszeiten. Zudem blieb jeder siebte Betrieb an einzelnen Tagen komplett geschlossen, während fast zwei Drittel der Unternehmer die Arbeitsstunden ihres Personals reduzierten.

Rahmenbedingungen und Kritik

Für das Frühjahr 2026 steht das Gastgewerbe vor weiteren finanziellen Herausforderungen durch Änderungen bei der Alkoholsteuer sowie eine anstehende Neubewertung der Gewerbesteuer (Business Rates). Das Schatzamt plant zwar eine Senkung der Multiplikatoren für den Sektor, die durch höhere Sätze für wertvolle Immobilien gegenfinanziert werden soll, doch die Verteilung der Entlastungen sorgt für Diskussionen.

Marvin Rust, MD bei Alvarez & Marsal, kritisiert die einseitige Fokussierung auf Pubs: „Gezielte Unterstützung für Pubs ist verständlich, aber die steuerliche Logik endet dort nicht. Hotels, Restaurants und Cafés sind demselben Revaluierungsschock und derselben Rücknahme von Erleichterungen aus der Covid-Ära ausgesetzt.“ Angesichts der verschwimmenden Grenzen zwischen Gastropubs und Restaurants fordert die Branche Entlastungen, die das gesamte Ökosystem der Gastfreundschaft berücksichtigen.

Langfristiger Strukturwandel

Der langfristige Trend verdeutlicht den Schrumpfungsprozess der Branche. Während im Jahr 2000 noch 60.800 Pubs im Vereinigten Königreich existierten, sank dieser Bestand bis zum Jahr 2024 kontinuierlich auf 45.000 Betriebe herab.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Vergütungen für angehende Fachkräfte im Gastgewerbe steigen: Mit durchschnittlich 1.229 Euro liegen die dreijährigen Ausbildungsberufe der Branche über dem Gesamtschnitt aller dualen Berufe von 1.209 Euro. Eine Auswertung des DEHOGA beleuchtet zudem die Unterschiede zwischen Handwerk, öffentlichem Dienst und tarifgebundenen Betrieben.

Warnstreiks im öffentlichen Dienst können berufstätige Eltern und Pendler vor Probleme stellen. Wer zu spät kommt, riskiert mehr als nur Ärger. Warum frühzeitige Absprachen wichtig sind.

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken in Deutschland. Nur mit Blick auf die Gesundheit ist sein Ruf nicht immer der Beste. Was stimmt im Hinblick auf Koffein - und was nicht?

Aktuelle Daten des YouGov Shopper Panels belegen ein deutliches Wachstum im Bio-Sektor für das Jahr 2025. Trotz allgemeiner Preissensibilität steigen Umsatz und Absatz, wobei die Kaufmotive je nach sozialem Milieu stark variieren.

Während in vielen deutschen Großstädten die Ausgaben für Alkohol im Januar deutlich zurückgehen, zeigt München eine andere Tendenz: In der bayerischen Landeshauptstadt stiegen die Warenkorbwerte im Alkoholfachhandel um über 15 Prozent an. In der Gastronomie sank der Durst nur minimal.

Immer weniger Menschen in Deutschland können sich vorstellen, ihren Job zu wechseln. Gerade in den jüngeren Generationen hat die Bereitschaft zum Jobwechsel in den vergangenen Jahren abgenommen.

Immer weniger Menschen in Deutschland können sich vorstellen, ihren Job zu wechseln. Das hat eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag des Karrierenetzwerks Xing ergeben. Zwei Drittel der Befragten gaben demnach an, offen dafür zu sein, den aktuellen Arbeitgeber zu verlassen. Das seien so wenig wie seit fünf Jahren nicht mehr. 

Deutschland verzeichnet im EU-Vergleich den höchsten Anteil an Erwerbstätigen in der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen den demografischen Wandel am Arbeitsmarkt.

Per WhatsApp oder Signal lässt sich viel erledigen - eine Kündigung gehört nicht dazu. Die Kündigung eines Arbeitsvertrags per Nachricht einer Messenger-App ist rechtlich nicht wirksam. Darauf weist die Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer hin. 

Der DEHOGA Baden-Württemberg hat eine dringende Warnung an seine Mitgliedsbetriebe herausgegeben. Hintergrund ist eine aktuelle Betrugsmasche, bei der digitale Rechnungen gezielt abgefangen und manipuliert werden. Die Täter verändern dabei die hinterlegten Bankdaten, um Zahlungen auf ausländische Konten umzuleiten.