Schwere Rezession: Wirtschaftseinbruch durch Corona

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Der wirtschaftliche Einbruch in der Corona-Krise hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und bei Einkommen - viele Bürger müssen sich auf schwierigere Zeiten einstellen. Führende Wirtschaftsforscher erwarten eine tiefe Rezession in Deutschland. Dies werde auch zu Einkommensverlusten führen, die Zahl der Arbeitslosen werde steigen. In ihrem am Mittwoch vorgelegten Frühjahrsgutachten sehen die Institute Deutschland aber als gut gerüstet an, um den wirtschaftlichen Einbruch zu verkraften.

Die günstige Finanzlage ermögliche es dem Staat, weitgehende Maßnahmen zur Abfederung der kurzfristigen negativen Folgen für Unternehmen und private Haushalte zu ergreifen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Die Dauer der Krise hängt allerdings davon ab, wie lange der «Lockdown» anhält - wann also das öffentliche Leben und die Wirtschaft schrittweise wieder hochgefahren werden können. Bund und Länder wollen nach Ostern dazu entscheiden. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte, die Firmen bräuchten rechtzeitig Informationen, unter welchen Bedingungen und mit welchen Vorgaben sie am «Tag X» ihre wirtschaftlichen Aktivitäten wieder schrittweise beginnen könnten.

Die kurzfristigen Folgen der Krise jedenfalls sind massiv: Bereits im ersten Quartal 2020 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut Gutachten um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft sein. Im zweiten Quartal dann folgt der Höhepunkt: Die Wirtschaftsleistung bricht wohl um 9,8 Prozent ein.

Dann aber soll es langsam wieder aufwärts gehen - die Forscher unterstellen dabei als Szenario ein «V»: auf einen steilen Absturz folgt ein rascher Aufstieg. Im Gesamtjahr schrumpft laut Prognose das Bruttoinlandsprodukt um 4,2 Prozent. Dies wäre nicht ganz so schlimm wie in der Finanzkrise 2009, als das BIP um 5,7 Prozent nach unten rauschte. Für 2021 erwarten die Institute dann ein Wachstum von 5,8 Prozent. Das hört sich viel an, allerdings kommt die Wirtschaft aus einem tiefen Tal.

Die Institute weisen darauf hin, dass mit der aktuellen Prognose erhebliche Abwärtsrisiken verbunden sind - etwa wenn sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen lasse. Die Krise werde deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. In der Spitze werde die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen und die Arbeitslosenquote auf 5,9 Prozent steigen. Die Arbeitslosenzahlen würden sich im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Millionen erhöhen.

Folgen hat die Krise auch für die Geldbeutel vieler Bürger: Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte werden nach der Prognose im laufenden Jahr nicht wie in den vergangenen Jahren zunehmen - sondern erstmals seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor mehr als zehn Jahren sinken.

Zwar steuert der Staat mit verschiedenen Maßnahmen gegen. Unterm Strich aber erwarten die Forscher, dass die verfügbaren Einkommen 2020 im Schnitt wohl um 0,9 Prozent zurückgehen - nachdem sie im Vorjahr noch um 2,9 Prozent gestiegen waren.

Das hat Auswirkungen auf den privaten Konsum, eine zentrale Stütze der Wirtschaftsleistung: «Anders als in früheren Konjunkturkrisen wirkt der private Konsum diesmal nicht stabilisierend, sondern bricht aufgrund des Shutdown sogar noch stärker ein als die gesamtwirtschaftliche Produktion.» Dazu kommt, das viele Verbraucher mit der Anschaffung großer Käufe warten dürften - weil Unsicherheit herrscht, wie es weitergeht. Immerhin wird laut Gutachten die Kaufkraft der privaten Haushalte durch eine geringere Inflation gestützt, das liegt vor allem am Absturz der Rohölpreise.

Die Verbraucher aber halten ihr Geld zusammen: Angesichts der eingeschränkten Ausgabemöglichkeiten werde die Sparquote im laufenden Jahr wohl auf 15 Prozent steigen, heißt es im Gutachten. Im kommenden Jahr dann dürfte sie auf das Vorkrisenniveau von 11 Prozent sinken - die Verbraucher geben also wieder mehr aus.

Was aber könnte der Staat tun, um die Konjunktur anzukurbeln? Bisher geht es der Bundesregierung bei ihren beispiellosen Hilfspaketen vor allem darum, kurzfristig die Liquidität von Firmen und damit Jobs und Wirtschaftsstrukturen zu sichern. Längst aber laufen hinter den Kulissen Vorbereitungen für ein milliardenschweres Konjunkturpaket.

Die große Frage ist: Wann soll es kommen? Denn solange der «Shutdown» anhält, bringen Konjunkturmaßnahmen wenig, so die vorherrschende Meinung. Viel hänge vom Timing eines solchen Programms ab, heißt es im Gutachten. Sinnvoll wären dann Anreize für Haushalte, ihre Konsumausgaben zu steigern - dies könne durch eine zeitweise Absenkung der Mehrwertsteuer erfolgen oder durch Entlastungen bei der Einkommensteuer.

Anderer Meinung ist DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen: Die Politik müsse jetzt schon ein Konjunkturprogramm zur Stärkung der Nachfrage ankündigen. «Dies stabilisiert die Erwartungen von Haushalten und Unternehmen und gibt eine Perspektive, dass produzierte Waren und Dienstleistungen auch eine Nachfrage erfahren.» SPD-Fraktionsvize Sören Bartol sagte: «Nach milliardenschweren Sofortmaßnahmen zur ersten Stabilisierung der Wirtschaft braucht es in jedem Fall auch nachhaltige Konjunkturimpulse. Vor allem kleinere und mittlere Einkommen müssen entlastet werden.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Rheinland-Pfalz senkt das Mindestinvestitionsvolumen für die Tourismusförderung auf 50.000 Euro. Beherbergungs-, Camping- und Gastronomiebetriebe können unter den genannten Voraussetzungen Zuschüsse erhalten, die bei bestimmten Investitionen bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten betragen.

BWH-Geschäftsführerin Carmen Dücker spricht sich dafür aus, unterschiedliche Stärken und Arbeitsweisen der Generationen im Team zu berücksichtigen. Flexibilität und Austausch dürften dabei nicht nur von einer Seite erwartet werden.

Eine aktuelle DATEV-Analyse zeigt, dass vor allem langjährig Beschäftigte und qualifizierte Fachkräfte von der Inflationsausgleichsprämie profitierten. Zudem zahlten kleine und mittlere Unternehmen häufiger als Kleinstbetriebe.

Die Nachfrage bleibt vergleichsweise stabil, doch höhere Kosten belasten die Margen in Reise, Freizeit und Gastgewerbe. Wie unterschiedlich sich Hotelbetriebsergebnisse entwickeln, zeigt ein europäischer Städtevergleich: Berlin verzeichnet ein Minus von zwölf Prozent, Mailand ein Plus von 34 Prozent.

Der Kreditschutzverband zählt in Österreich 640 Insolvenzen in Beherbergung und Gastronomie von Januar bis September 2026 – acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In 245 Fällen seien die Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet worden.

Auch nach der Inkassoübergabe bleibt das Geld oft aus: Forderungen von Hotels, Gastronomen und Imbissen werden innerhalb eines Jahres nur halb so häufig vollständig bezahlt wie im Branchendurchschnitt. Bei vollständig beglichenen Forderungen vergehen im Median 106 Tage.

Die schleppende Digitalisierung der Verwaltung belastet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Für drei Viertel der Unternehmen ist die digitale Rückständigkeit ein internationaler Standortnachteil, so eine aktuelle Bitkom-Umfrage.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im Gastgewerbe zeigt sich von Januar bis Juli eine überdurchschnittlich hohe Insolvenzhäufigkeit.

Psychische Erkrankungen entwickeln sich nach einer Auswertung der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zusehends zu einem Treiber für Fehlzeiten im Job - und das mit langen Ausfallzeiten.

Ab dem 15. Oktober ist das Trinken von Alkohol auf allen Bahnhöfen verboten. Das Anstoßen auf dem Bahnsteig etwa hat dann Konsequenzen. Aber was gilt für Gepäck - und in der Gastronomie?