Viele Beschäftigte mit Depressions-Erfahrung

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland hat laut einer Umfrage schon einmal die Diagnose Depression bekommen. Weitere 19 Prozent glauben, schon einmal im Leben ohne entsprechenden Arztbefund daran erkrankt gewesen zu sein. Das geht aus dem Deutschland-Barometer Depression 2021 hervor, das am Dienstag in Berlin veröffentlicht worden ist. An der repräsentativen Befragung der Deutschen Stiftung Depressionshilfe nahmen im September rund 5300 Erwachsene bis 69 Jahre teil, darunter über 3800 Beschäftigte.

Es handle sich um hohe Zahlen, sagte der Vorstandschef der Stiftung, Ulrich Hegerl. «In der Gesamtbevölkerung ist es so, dass jedes Jahr in Deutschland etwa 8 Prozent der Erwachsenen unter einer behandlungsbedürftigen Depression leiden.» Die Diagnose wird nach Stiftungsangaben gestellt, wenn über zwei Wochen hinweg oder länger mindestens zwei der drei Hauptsymptome (Verlust von Interesse und Freude, depressive Stimmung, Antriebsmangel) und zusätzlich mindestens zwei Nebensymptome vorliegen (darunter zum Beispiel Schlafstörungen, Suizidgedanken, Appetitminderung).

Wegen der Häufigkeit der Erkrankung sollten Unternehmen «dringend Basiswissen und auch Handlungskompetenz zu Depression und Suizidprävention aufbauen», appellierte Hegerl. Es sei wichtig, dass Menschen rascher professionelle Hilfe bekommen, die sich noch zur Arbeit schleppten, aber ihre Leistung bei weitem nicht mehr erbringen könnten. Depression sei gut behandelbar, dies bleibe jedoch oft aus. Ein Großteil der Befragten gab an, am Arbeitsplatz nicht über die Depression zu sprechen. «Das ist etwas, was man in jedem einzelnen Fall sich gut überlegen muss», sagte Hegerl.

Wie der AOK Bundesverband auf Anfrage mitteilte, haben vergangenes Jahr 2,2 Prozent der rund 14 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder die Diagnosen «Depressive Episode» und «Rezidivierende depressive Störung» bekommen. Verzeichnet sind für 2020 17,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage in dem Kontext.

Die Corona-Maßnahmen der vergangenen sechs Monate hatten laut der Befragung der Stiftung insbesondere für Menschen in einer depressiven Phase negative Folgen, beispielsweise verschlechterten sich die Symptome - bis hin zu Suizidversuchen.

Zu den Homeoffice-Auswirkungen berichtete ein Drittel der 1123 Umfrageteilnehmer, die während der Pandemie überwiegend zu Hause waren, dass der Verzicht auf den Arbeitsplatz und den Umgang mit Kollegen sich negativ auf das psychische Befinden ausgewirkt habe. Jeder Zehnte berichtete, dies treffe sogar «sehr zu».

Viele Befragte halten zwar die Belastung durch Arbeit oder Konflikte im Arbeitsumfeld für wichtige Ursachen von Depression. Die Bedeutung dieser Faktoren werde jedoch überschätzt, entscheidend sei die Veranlagung, machte Hegerl deutlich. Die Erkrankung habe nichts mit persönlichem Versagen zu tun oder damit, ob sich jemand gehen lässt.

Seit 2017 geht es im Deutschland-Barometer Depression regelmäßig um die psychische Verfassung im Land. Die Befragung wird von der Deutsche Bahn Stiftung gefördert.

Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos stellt im Vorjahresvergleich einen Anstieg der Sorge um psychische Gesundheit fest, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag zu einer Umfrage in 30 Ländern mit über 20 000 Befragten hieß. Knapp ein Drittel der deutschen Teilnehmer halte psychische Probleme für eines der beunruhigendsten gesundheitlichen Probleme im eigenen Land - diese kommen damit auf Rang zwei hinter Corona und vor Krebs. Die Ergebnisse legten nahe, dass das gesellschaftliche Bewusstsein für psychische Gesundheit zusehends wachse und vor allem unter jüngeren Generationen nicht mehr so stark stigmatisiert werde wie noch vor einigen Jahren, hieß es. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Im Jahr 2025 haben in Deutschland rund 461.800 Personen eine duale Berufsausbildung aufgenommen. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, entspricht dies einem Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Steigende Lebenshaltungskosten sind laut einer aktuellen Umfrage die größte finanzielle Sorge in der deutschen Bevölkerung. Auffällig: Besorgter als Niedrigverdiener sind demnach diejenigen mit mittleren oder hohen Einkommen.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Januar 2026 laut Destatis gestiegen. Besonders häufig betroffen war das Gastgewerbe, während die Forderungssummen deutlich zurückgingen.

Mitarbeitende, die zur Zigarette greifen, kosten Arbeitgeber bares Geld. Die durch Raucherpausen verlorene Arbeitszeit summiert sich im Jahr schnell auf mehrere Arbeitstage pro Person. Hinzu kommen häufigere gesundheitsbedingte Ausfälle. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es daher sinnvoll, Angestellte bei der Tabakentwöhnung aktiv zu unterstützen.

Wie lang erhalten Beschäftigte bei Krankheit weiter Lohn? Darüber wird in der Politik immer wieder diskutiert. Was die aktuellen Regeln besagen und was bei mehreren Krankheiten gilt. Ein Überblick.

Der Vorgesetzte nervt, die Kunden sowieso: Doch was davon darf ich nach außen tragen? Und wann handelt es sich eigentlich um ein Geschäftsgeheimnis? Ein Arbeitsrechtler klärt auf.

Auch wer gekündigt wurde, kann noch bei einer Betriebsratswahl kandidieren – und muss dafür Kontakt zur Belegschaft aufnehmen können. Wird der Zugang zum Betrieb komplett verwehrt, kann es sich um eine unzulässige Wahlbehinderung handeln.

Reisebüros und Reiseveranstalter stellen sich aufgrund des Nahost-Konflikts auf deutlich schlechtere Geschäfte und steigende Preise ein. Im März hat sich das Geschäftsklima in der Branche deutlich abgekühlt, wie das Ifo Institut in München mitteilt.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe hat Anfang 2026 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Gleichzeitig bleiben offene Stellen deutlich unter den Werten von 2019, während sich die Arbeitslosigkeit unterschiedlich entwickelt.

Eine Umfrage von Evaneos und YouGov unter 1.551 Personen zeigt laut Mitteilung, dass KI-Chatbots bei der Reiseplanung bislang nur begrenzt genutzt werden. Demnach geben 75 Prozent der Befragten an, noch nie einen KI-Chatbot für die Planung einer Reise eingesetzt zu haben.