Was an heißen Tagen im Job gilt

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Bei Hitze arbeiten? Das kann für Beschäftigte nachlassende Konzentration, Kopfschmerzen oder Übelkeit bedeuten - egal, ob im Büro, in einer Produktionshalle oder auf der Baustelle. Arbeitgeber müssen bei hohen Temperaturen dafür sorgen, dass der Joballtag für ihre Beschäftigten erträglich ist. Wozu sind sie verpflichtet? Fragen und Antworten zu heißen Sommertagen in der Arbeitswelt.

Bekommen Beschäftigte Hitzefrei? 

Einen Anspruch auf Hitzefrei gibt es für Beschäftigte in Deutschland nicht. Auch eine Arbeitsumgebung mit Klimaanlagen können sie nicht einfordern. Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber allerdings verpflichtet, für Arbeitsbedingungen zu sorgen, bei denen es zu keiner Gefährdung für Leben und Gesundheit der Beschäftigten kommt.

Die Arbeitsstättenverordnung regelt, dass Arbeitgeber dafür sorgen müssen, dass die Temperaturen in Arbeitsräumen «gesundheitlich zuträgliche» Bedingungen aufweisen. Konkreter wird es dann in der technischen Regel für Arbeitsstätten zum Thema Raumtemperatur. Die gibt beispielhaft Maßnahmen vor, aus denen Arbeitgeber auswählen können, wenn es zu heiß wird.

Wie heiß darf es am Arbeitsplatz maximal sein?

«In Arbeits- und Sozialräumen sollte die Temperatur plus 26 Grad nicht überschreiten», sagt Lea Deimel von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua).

Eine Raumtemperatur von über 26 Grad ist nur erlaubt, wenn es in Büros und Produktionshallen einen wirksamen Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung gibt – etwa einen Sonnenschutz für Fenster und Glaswände sowie eine gute Isolierung des Gebäudes – und die Außentemperatur 26 Grad übersteigt.

Wie genau muss der Arbeitgeber Beschäftigte vor zu hohen Temperaturen schützen?

Geregelt sind drei Temperaturschwellen für Büros und Produktionshallen – über 26 Grad, über 30 Grad und über 35 Grad, auf die Arbeitgeber mit bestimmten Maßnahmen reagieren sollten. Es gilt das TOP-Prinzip: Technische Maßnahmen (T) sollten Vorrang vor organisatorischen (O) und personenbezogenen Maßnahmen (P) haben. Geeignete Maßnahmen müsse der Arbeitgeber bei einer Gefährdungsbeurteilung ermitteln, so Deimel. 

  • Über 26 Grad: Bei über 26 Grad Außen- und Innenlufttemperatur sind Schutz-Maßnahmen ein Soll. «Dazu zählt beispielsweise die Nutzung von Ventilatoren oder eine Lüftung in den frühen Morgenstunden, wenn die Luft draußen noch nicht erwärmt ist», sagt Andreas Stephan von der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). Weitere denkbare Maßnahmen: Arbeitgeber können Gleitzeit anbieten, die Kleiderordnung lockern oder Getränke bereitstellen.
  • Über 30 Grad: Steigen die Temperaturen auf über 30 Grad, muss der Arbeitgeber zum Schutz der Gesundheit von Beschäftigten weitere Maßnahmen ergreifen. Der Arbeitgeber kann etwa Jalousien anbringen lassen und mit Klimaanlagen oder Ventilatoren für Abkühlung sorgen.
  • Über 35 Grad: Bei Temperaturen von über 35 Grad im Raum ist er ohne weitere Maßnahmen nicht als Arbeitsraum geeignet. Unter Umständen kommt die Arbeit dort aber infrage, wenn zum Beispiel Luftduschen, Wasserschleier oder Hitzeschutzkleidung zum Einsatz kommen. «Allerdings sind solche Maßnahmen in der Regel auf Produktionshallen beschränkt und kommen im Büro eher selten vor», so Stephan.

Darf ich selbst tätig werden, wenn mir am Arbeitsplatz zu heiß ist? 

Ventilator aufstellen und um 6 Uhr mit der Arbeit beginnen: An heißen Tagen einfach selbstständig Maßnahmen zu ergreifen, ist keine gute Idee. «Besser ist es immer, das Gespräch mit der Führungskraft und anderen Teammitgliedern zu suchen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen», sagt Stephan.

Auch die Kleiderordnung dürfen Beschäftigte in der Regel nicht einfach wegen hochsommerlicher Temperaturen missachten. Die Entscheidung, die Vorschriften zu lockern, liegt beim Arbeitgeber. Beschäftigte können im Gespräch aber auf die Situation hinweisen.

Nicht zuletzt sollten Beschäftigte Büro oder Lagerhalle nicht einfach verlassen, wenn ihnen der Raum zu heiß erscheint. Das kann sogar eine Abmahnung nach sich ziehen. Wer sich so großer Hitze ausgesetzt sieht, dass dadurch die Gesundheit gefährdet ist, ohne dass der Arbeitgeber einschreitet, darf in allerletzter Konsequenz aber die Arbeit einstellen.

Gibt es zusätzliche Regeln für Arbeit im Freien?

Bei der Arbeit im Freien können neben hohen Temperaturen auch UV-Strahlen und die Ozonbelastung gefährlich werden. Hier müssen Arbeitgeber eine sogenannte Gefährdungsbeurteilung durchführen, um langfristig Maßnahmen festzulegen.

Bei Hitze auf Baustellen sind Arbeitgeber zum Beispiel verpflichtet, zusätzliche Pausen zu gewähren. «Zudem müssen sie durch technische Maßnahmen wie Sonnenschutzvorrichtungen in Form von Baustellenzelten oder anderen Schattenspender dafür sorgen, dass das Arbeiten an heißen Sommertagen erträglicher wird», so Stephan. Ebenfalls denkbar sind mobile Klimaanlagen oder Ventilatoren.

Bei extremen Temperaturen sollte nicht zuletzt auf schwere Arbeiten verzichtet oder diese in die frühen Morgenstunden verlegt werden. Arbeitgeber sollten Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen mit UV-Filter und Sonnenschutzcreme zur Verfügung stellen.

Was tun, wenn der Arbeitgeber keine Schutzmaßnahmen trifft?

Trifft der Arbeitgeber keine Schutzmaßnahmen, sollte man das Gespräch mit ihm suchen – oder sich an die Fachkraft für Arbeitssicherheit im Unternehmen, der Betriebsärztin oder dem Betriebsrat wenden. Auch die zuständige Arbeitsschutzbehörde oder der Unfallversicherungsträger kann weiterhelfen. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Frankfurter Mook Group kritisiert in einem Newsletter die wachsende Bürokratiebelastung in der Gastronomie. Das Unternehmen verweist auf Zahlen des DEHOGA und fordert einen Abbau regulatorischer Vorgaben.

Laut der aktuellen ifo Konjunkturumfrage sieht sich fast jedes fünfte Unternehmen aus Beherbergung und Gastronomie wirtschaftlich bedroht. Als Belastungen nennen die Betriebe unter anderem schwache Nachfrage, steigende Kosten und Bürokratie.

Trotz Firmenwagen das Privatauto genutzt? Wer so Dienstreisen macht, riskiert den Verlust des möglichen Steuervorteils. Warum Finanzämter künftig noch genauer hinschauen dürften.

Ein neuer Bewertungsreport von HolidayCheck untersucht Unterschiede im Umgang mit Online-Bewertungen zwischen den Generationen. Besonders die Generation Z bewertet laut Umfrage spontaner und stärker emotional geprägt.

Wenn der Chef die Urlaubswünsche für das ganze Jahr haben möchte, fängt das große Grübeln an. Denn nicht immer ist alles schon durchgeplant. Darf er das überhaupt verlangen?

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat entschieden: Wer für Unternehmen schlechte Google-Bewertungen entfernen oder beanstanden will, benötigt dafür unter Umständen eine rechtliche Zulassung. Hotelverband und DEHOGA sagen, was dies für das Gastgewerbe bedeutet.

Für einen Liter Benzin musste ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im April fünf Minuten arbeiten. Der Ölpreisanstieg durch den Iran-Krieg ist aber weniger heftig als nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

Bei den Firmenpleiten in Deutschland zeichnet sich aktuell keine Entspannung ab: Neue Höchstwerte gab es im April in den Bereichen Hotel und Gastronomie sowie Grundstücks- und Wohnungswesen.

Nur noch dies und das erledigen, immer ansprechbar sein und dann auch noch Meetings: Viele Menschen leiden unter zermürbendem Stress im Job. Leider lässt sich der nicht immer vermeiden. Aber: Mit ein paar einfachen Strategien lässt er sich besser managen.

Meta nutzt öffentliche Beiträge auf Facebook und Instagram, um seine KI zu schulen. Was Sie verhindern können, was dabei wichtig ist - und wie es mit WhatsApp aussieht.