Was vor einem Sabbatical wichtig ist

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Den Arbeitsalltag hinter sich lassen und mit dem Rucksack durch ferne Länder reisen, endlich mit dem Hausbau vorankommen oder einfach mal wieder Kraft tanken. Eine Auszeit vom Job wünschen sich viele Beschäftigte. Ein Sabbatical zu planen und umzusetzen, ist aber oft gar nicht so einfach. Experten erklären, worauf es bei der Planung ankommt.

Was genau ist ein Sabbatical?

Nina Kuhlmann, die sich als Coachin unter anderem auf Sabbaticals spezialisiert hat, beschreibt es als «bewusste berufliche Auszeit». Mit einem Sabbatical ist in der Regel eine berufliche Pause gemeint, die sowohl der Erholung als auch der persönlichen Reflexion oder Weiterbildung dienen könne. «Das Bewusste ist dabei wichtig. Im besten Fall beantwortet man sich folgende Frage vor der Auszeit: Was soll nach dem Sabbatical anders oder besser sein als vorher?», sagt Kuhlmann. Wie lange ein Sabbatical dauert, ist übrigens nicht definiert. «Für mich startet es ab zwei Monaten aufwärts», so Kuhlmann.

Wie finde ich den Mut dazu?

Den Mut zu finden, seine Wünsche auszusprechen und anzugehen ist laut Nina Kuhlmann eine der größten Herausforderungen bei der Planung des Sabbaticals. Sie rät dazu, vorab darüber nachzudenken, mit wem man sich austauscht und die Pläne eher mit wohlgesinnten Menschen zu teilen. «Gerade in Deutschland ist Sicherheit ein großes Thema. Die Angst vor dem Unbekannten oder einer möglichen Veränderung darf da sein, aber sie darf auch beruhigt werden», sagt Kuhlmann. 

Dabei könne es helfen, Erfahrungsberichte zu lesen oder sich ganz aktiv in das Traum-Sabbatical hineinzudenken und hineinzufühlen. Eine Idee wäre, sich mit dem bevorzugten Reiseland, dessen Kultur, Musik oder Kulinarik zu beschäftigen. «Das hilft dem Kopf auf die Sprünge und man entwickelt eher eine intrinsische Motivation», so die Coachin.

Welche Modelle gibt es?

Manche Unternehmen verstehen Sabbaticals bereits als Teil ihrer Unternehmensphilosophie und bieten entsprechende betriebliche Auszeitprogramme an. Das komfortabelste Modell, wie Nina Kuhlmann findet, denn hier ist genau festgelegt, wie die finanziellen und versicherungstechnischen Rahmenbedingungen aussehen.

Wer in einem großen oder mittelständischen Unternehmen arbeitet, kann sich möglicherweise ein Lebenszeitkonto zunutze machen. «Dabei kann man Überstunden aufbauen oder auch Urlaubs- sowie Weihnachtsgeld einzahlen, das in Zeit umgerechnet wird», sagt Kuhlmann. Der Vorteil: Man kann jederzeit nachvollziehen, wie viel Freizeit bereits angespart wurde und das Sabbatical entsprechend planen.

Eine weitere Variante ist das Teilzeitmodell. Dabei wird beispielsweise eine vierjährige Vollzeitstelle nur zu 75 Prozent ausgezahlt. Drei Jahre lang wird gearbeitet, ein Jahr hat man frei.

Diese Modelle haben einen entscheidenden Vorteil: Die Sozialversicherungen laufen auch während des Sabbaticals weiterhin über den Arbeitgeber.

Anders sieht das bei einer unbezahlten Freistellung - etwa während eines unbezahlten Urlaubs - aus. Zwar ist diese oft kurzfristiger möglich, aber dadurch fehle oft auch die Zeit, Geld anzusparen, gibt Nina Kuhlmann zu bedenken. Wer sich für dieses Modell entscheidet, sollte genügend Geld für die Lebensunterhaltung und für Krankenversicherung und Co. beiseitegelegt haben.

Wie spreche ich mit meinem Arbeitgeber über ein Sabbatical?

«Zuerst sollte man sich in die Führungskraft hineinversetzten und sich selbst die Frage stellen, welche Vorteile es haben kann, wenn man eine Weile nicht da ist», sagt Nina Kuhlmann. Klingt absurd, aber tatsächlich kann die eigene Auszeit auch dem Unternehmen etwas bringen. Dabei geht es nicht nur um klassische Weiterbildungen, sondern auch um die Vertiefung einer Sprache, neue Impulse oder gesteigerte Energie nach der Auszeit. Diese Vorteile gelte es, aufzuzeigen.

Die eigene Haltung ist entscheidend: Gehe ich in Bittstellung oder trete ich wertschätzend aber bestimmt auf? «Gerade, wenn wir selbstbewusst sind, sitzen wir am längeren Hebel», sagt Kuhlmann. Damit zu drohen, im Zweifel den Job zu kündigen, empfiehlt sie aber höchstens zwischen den Zeilen: «Niemand mag es, unter Druck gesetzt zu werden.»

Wie finanziere ich das Sabbatical?

Die Finanzierung eines Sabbaticals ist oft es eine der größten Herausforderungen bei der bewussten Auszeit. Wie viel Geld man braucht, hängt stark vom gewählten Modell und den eigenen Plänen während der Auszeit ab. 

Grundsätzlich rät Nina Kuhlmann aber, vorab ein Finanzbewusstsein für die eigenen Einnahmen und Ausgaben zu entwickeln. Helfen könnten dabei ein klassisches Haushaltsbuch oder entsprechende Apps.

Um Sparziele zu erreichen, ist es zudem hilfreich, ein Blick auf Kosten wie Streamingdienste oder Versicherungen zu werfen. Lassen die sich unter Umständen reduzieren? Möglicherweise kann man sogar die eigene Wohnung während einer Auszeit im Ausland untervermieten.

Welche rechtlichen Rahmenbedingungen muss ich kennen?

Arbeitnehmer haben in der Regel keinen Anspruch auf eine Freistellung, die über den normalen Erholungsurlaub hinaus geht, sagt Bernhard Kinold, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist also eine Grundvoraussetzung. Zu klären sei dann, für welche Dauer der Job pausiert werde. Kürzere Zeiträume von unter drei Monaten erforderten andere Gestaltungen als das klassische Sabbatjahr. 

Wichtig: «Wegen der Komplexität der Regelungsgegenstände scheidet eine Vereinbarung per Handschlag per se aus», so Kinold. Er rät dringend dazu, alle Regelungen in einem schriftlichen Vertrag festzuhalten. Mitunter lohnt es sich sogar, einen Fachanwalt hinzuziehen. «Die Methode 'Da ziehe ich mir mal was aus dem Internet' ist zur Regelung eines Sabbaticals denkbar ungeeignet», so der Arbeitsrechtler.

Worauf sollte man besonders achten?

Ein großes Thema ist der Versicherungsschutz. Je nach gewähltem Modell, kann der Krankenversicherungsschutz während der Auszeit erlöschen, merkt Kinold an. Wer für das Sabbatical einen Antrag auf unbezahlten Urlaub stellt, muss die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung in dieser Zeit in der Regel selbst bezahlen. Hier sollten sich Beschäftigte vorab informieren und gegebenenfalls beraten lassen. 

«Auch ist zu bedenken, wie ein angespartes Arbeitszeitguthaben, welches für die Auszeit eingesetzt werden soll, gegen das Risiko der Insolvenz des Arbeitgebers abgesichert werden kann oder muss», so der Fachanwalt.

Egal, welches Modell gewählt wird, auch sogenannte «Störfälle» wie eine Langzeiterkrankung oder vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses sollten bei der Planung immer mitgedacht werden, sagt Kinold. (dpa)


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