Aus für Dinner by Heston: Blumenthal schließt Londoner Zwei-Sterne-Restaurant

| Gastronomie Gastronomie

Der britische Gastronom Heston Blumenthal wird sein mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnetes Restaurant Dinner by Heston im Januar kommenden Jahres dauerhaft schließen. Wie die Tageszeitung The Times berichtet, endet damit nach genau 16 Jahren die Betriebsdauer des im Jahr 2011 eröffneten Hauses in London. Der Küchenchef bezeichnete diesen Schritt gegenüber dem Medium als eine bittersüße Entscheidung, da das Konzept seinen natürlichen Lauf genommen habe. Da das Unternehmen lediglich als Mieter in dem Gebäude fungiere und der Mietvertrag auslaufe, sei die Schließung die logische Konsequenz. Ursprünglich hätte das Pachtverhältnis bereits im Sommer enden sollen, wurde jedoch laut Blumenthal um sechs Monate verlängert, um das 16-jährige Jubiläum zu erreichen.

Wirtschaftlicher Druck und betriebliche Hintergründe

Hinter der Entscheidung stehen auch ökonomische Faktoren. Blumenthal erklärte gegenüber der Presse, dass die meisten Gastronomiebetriebe derzeit unter den steigenden Lebensmittelpreisen leiden würden. Im Fall des im Hotel Mandarin Oriental angesiedelten Restaurants hätten zudem die Budgetvorstellungen des Partners nicht immer mit den betrieblichen Notwendigkeiten übereingestimmt. Laut Informationen der Zeitung Daily Mail stand das Firmengeflecht des Kochs zudem kürzlich unter Beobachtung, da die Muttergesellschaft SL6 Ltd von einem Insolvenzantrag durch die britische Steuerbehörde betroffen war. Ein Sprecher des Gastronomen gab dazu an, dass es sich um ein administratives Versäumnis während einer Systemumstellung gehandelt habe und die Forderungen mittlerweile beglichen seien. Die Bilanzen des Unternehmens wiesen für das Jahr 2024 Verluste in Höhe von mehr als zwei Millionen Britischen Pfund aus.
 

Gesundheitliche Aspekte und persönliche Veränderungen

Neben den geschäftlichen Rahmenbedingungen thematisierte Blumenthal seine gesundheitliche Situation. Im November 2023 wurde bei dem Koch eine bipolare Störung diagnostiziert, nachdem er zuvor Phasen manischen Verhaltens durchlebt hatte und zeitweise in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden musste. Blumenthal gab an, dass die Erkrankung seine Arbeitsabläufe verlangsamt habe, er jedoch inzwischen seine Kreativität zurückgewonnen habe.

Er zog zudem Parallelen zu seiner im Jahr 2021 verstorbenen Schwester, die ebenfalls an dieser Diagnose litt. Statistisch gesehen stellt die Schließung eine Zäsur für die Londoner gehobene Gastronomie dar, da das Restaurant kurz nach der Eröffnung internationale Bekanntheit durch Gerichte wie das Geflügelleber-Parfait in Mandarinenform erlangte, von dem wöchentlich rund 900 Portionen serviert wurden.

Fokus auf das Stammhaus in Bray

Trotz der Aufgabe des Standortes in der britischen Hauptstadt bleibt das Hauptrestaurant von Blumenthal bestehen. Der Gastronom wird seine Zeit künftig zwischen seinem Wohnsitz in der Provence und seinem mit drei Michelin-Sternen prämierten Betrieb The Fat Duck in Bray aufteilen. Im Hinblick auf die regionale Verteilung der Sternegastronomie in Großbritannien bleibt das Umland von London somit ein zentraler Ankerpunkt für Blumenthals kulinarische Aktivitäten, während der Kostendruck in der Metropole zu einer Konsolidierung seines Portfolios führt. Der Koch betonte, dass seine anfängliche Traurigkeit über das Ende des Londoner Projekts mittlerweile einer gewissen Vorfreude auf kommende Aufgaben gewichen sei.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten beim "Burger Dialog" in einem Berliner McDonald's Restaurant über die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement von rund 27 Millionen Menschen in Deutschland.

60 Seconds to Napoli eröffnet im Juli ihren zweiten Standort in München. Wie die Gustoso Gruppe mitteilt, entsteht das neue Restaurant in der Hohenzollernstraße 11 in Schwabing, wo zuvor ein Betrieb der Marke Cotidiano ansässig war. 

Die Unternehmensgruppe Lerch Genusswelten hat das Restaurant und die Eventlocation „Die Villa“ in Biberach eröffnet. Das Gebäude aus dem Jahr 1915 wurde in den vergangenen Monaten saniert und für die gastronomische Nutzung umgebaut.

«In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh'n, in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh'n.» So lautet der Refrain eines DDR-Schlagers von 1969. Für das legendäre Lokal gibt es nun ein Comeback.

Die niederländische Gastronomiemarke Zusje plant einen zweiten Standort in Deutschland. Wie das Unternehmen mitteilt, soll das neue Restaurant Ende Juli 2026 im Andreas Quartier in Düsseldorf eröffnen. Der Standort befindet sich an der Mühlenstraße 32 in der Düsseldorfer Altstadt.

Der Gründer der Bewegung Slow Food, Carlo Petrini, ist tot. Wie die Organisation Slow Food mitteilte, starb Petrini am 22. Mai 2026 im italienischen Bra im Alter von 76 Jahren.

Der französische Sternekoch Guy Savoy ist als erstes Mitglied aus der Gastronomie in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen worden. Mit der Aufnahme des 72-Jährigen gehört erstmals ein Koch der traditionsreichen französischen Kunstakademie an.

Balthasar Ress und die Kuffler Gruppe betreiben jetzt gemeinsam die Ress & Rosso Weinlounge am Opernplatz in Frankfurt am Main. Das Angebot befindet sich direkt vor der Fassade der Alten Oper, gegenüber dem Eingang des Café Rosso.

Fahrdienstleister Uber ist an einer Komplettübernahme des Essenslieferdienstes Delivery Hero interessiert. Das Unternehmen bestätigte ein Interesse durch den US-Konzern, der bereits ein Fünftel der Anteile hält und Zugriff auf weitere Aktien hat.

Musik vom Plattenteller, wohlige Atmosphäre, entspannter Hörgenuss. Immer mehr Listening-Bars öffnen, scheinen einen Nerv zu treffen. Draußen «ballert der Alltag», drinnen kommt man gemeinsam runter.