Digitalisierung in der Gastronomie: „Nur wer den Anforderungen der Gäste Rechnung trägt, wird wettbewerbsfähig bleiben“

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Philipp Hahn ist Chef von Bookatable in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unter seiner Leitung soll der Online-Reservierungsdienst einiges anders machen als die Konkurrenz. Hahn will Partnerschaften mit den Gastronomen und die Restaurants unterstützen, zum Beispiel kein Geld mehr mit „No Shows“ zu verschenken. Wie das geht, erklärt der Manager im Tageskarte Interview.

Lieber Herr Hahn, seit über 15 Jahren gibt es Online-Tischreservierungsdienste. Von einer deutschlandweiten Abdeckung sind wir dennoch weit entfernt. Haben Gastronomen auf dem Land keine Lust auf Digitalisierung.

Philipp Hahn: In der Tat, 15 Jahre sind im Zeitalter der Digitalisierung eine Ewigkeit. Wie immer spielen hier verschiedene Faktoren eine Rolle. Splitten wir die Frage in B2B & B2C auf, lässt sich sicherlich feststellen das Gastronomen im B2B Bereich zum Teil gut aufgestellt sind. Im B2C Bereich fehlt es Ihnen jedoch an flächendeckenden alternativen und Distributionskanälen. Die Distribution in der Hotellerie z.B. ermöglicht es heutzutage einem Hotel über Channelmanager, PMS-Systeme und deren Schnittstellen eine globale Reichweite zu verschaffen. Ein Hotel steuert demnach seine Verfügbarkeiten und Content über ein Tool welches die Distribution global sicherstellt.

Hier greife ich Ihre Frage nun gerne auf, die Gastronomie hat diese Distributionsmöglichkeit noch nicht. Trotz 15 Jahren ist es einem Gastronomen heute noch nicht möglich sein Restaurant global über eine digitalisierte Anwendung/ Plattform zu vermarkten. Dies hat sich Bookatable by Michelin zur Aufgabe gesetzt und ermöglicht einem Gastronomen schon heute Reichweite durch unterschiedliche Distributionskanäle (Google Dining) zu generieren und neue Gäste anzusprechen.

Hierbei wird es mitunter nicht zwingend notwendig sein in Zukunft die B2B Plattform von Bookatable by Michelin zu nutzen, vielmehr wollen wir durch Partnerschaften mit anderen Anbietern Verfügbarkeiten von Restaurants dem B2C Markt zugänglich machen.  Wie dies bei Seven Rooms der Fall ist.

Digitalisierung bedeutet jedoch nicht nur Reichweite schaffen, mit der Übernahme von EasyPreOrders und deren Integration in unser Professional-System ermöglichen wir der Gastronomie und der Hotellerie Zeit und personalaufwendige Veranstaltungsanfragen und Reservierungen digital in die Hände des Gastes zu übergeben. Das Tool ermöglicht es dem Kunden seine Veranstaltung komplett selber aufzusetzen, Freunde, Kunden oder Kollegen einzuladen und die Auswahl der Dienstleistungen wie F&B oder z.B. einen Limousinenservice selber vorab zu bestellen. Des Weiteren kann der Gastronom ein Ticketing oder sein außer Haus Geschäft entsprechend steuern. Bezahlfunktionen regeln dabei Stornofristen oder die Möglichkeit Verfügbarkeiten nicht genutzter Kapazitäten dem Markt wieder zugänglich zu machen. Neben Upsell-Möglichkeiten oder sonstigen Dienstleistungen kann der Gastronom von der Bankettabteilung bis zur Küche den Prozess beobachten und entsprechend steuern.

Das Außer-Haus-Geschäfts wächst zwar, aber eben nicht in der klassischen Gastronomie. Wann versteht endlich die Mehrheit der Wirte das Gastfreundschaft schon bei der Reservierung beginnt?

Philipp Hahn: Grundsätzlich verändert der Kunde den Markt und nicht der Anbieter. Wenn gestern noch über ein Anfrageformular, Anzeige oder dem Telefon die Reservierung getätigt wurde, erwartet der Gast im Zeitalter der Digitalisierung schnelle und unkomplizierte Möglichkeiten der Reservierung. Integrierte Reservierungs-Widgets auf der eigenen Homepage, Facebook oder Instagram ermöglichen die direkte Steuerung der Verfügbarkeiten über eigene Kanäle, Bookatable.com, Mobile Lösungen oder Netzwerke mit lokalen sowie globalen Partnern (Google Dining) sorgen über die B2C Plattformen von Bookatable by Michelin für neue Gäste. Das Verhalten der Gäste wandelt sich und nur wer dem Rechnung trägt bleibt auf lange Sicht wettbewerbsfähig. Der Gastronom kann sich, anstatt eine telefonische Reservierung anzunehmen, auf den Gast im Restaurant konzentrieren, guten Service bieten und Upselling betreiben.

Grundsätzlich aber würde ich das Außer-Haus-Geschäft hier nicht in Konkurrenz setzen, außer Haus Geschäft bietet eine andere Qualität zu einem anderen Zweck ohne das Erlebnis der Gastronomie. Wenn Gastronomen jedoch auch am Außer-Haus-Geschäft teilhaben möchten bieten wir mit EasyPreOrders eine perfekte Lösung.

In den großen Städten ist die Abdeckung natürlich gegeben. Die Wachstumsraten der Anbieter halten sich trotzdem in Grenzen. Kannibalisieren Sie sich da gegenseitig?

Philipp Hahn: Mit der Übernahme von Michelin hat Bookatable by Michelin sein Profil geschärft. Die B2B sowie B2C Ausrichtung spielt im Gleichklang. Restaurants finden optimale Lösungen fürs Restaurant Management und können gleichzeitig neue Kundengruppen erschließen. Dabei spielt bei Bookatable by Michelin die Qualität der Restaurants eine herausragende Rolle, wir wollen unseren Kunden Erlebnisse vermitteln, herausragende Erlebnisse in Restaurants mit hochwertiger Qualität schaffen. Uns kommt es nicht nur darauf an, dass der Kunde einen DEAL zu günstigen Preisen findet. Bookatable by Michelin will einen Mehrwert in Symbiose zwischen Gastronomen und Kunden schaffen und das Erlebnis des Restaurantbesuchs in den Mittelpunkt stellen. Dieser Mehrwert ist ein tolles Menü, verbunden mit einem Erlebnis im Restaurant.  Nebenbei bleibt das Restaurant „Herr“ seiner Daten und kann im Nachgang gezielt Marketing betreiben. Prinzipiell ist hiermit schon die Differenzierung zu unseren Mitbewerbern zum Ausdruck gebracht. Diesem Anspruch wird auch unsere neue Website gerecht, die wir zum Herbst 2019 launchen.

Auf der anderen Seite drängen immer neue Angebote auf den Markt. Die kommen inzwischen sogar kostenfrei daher. Wann kapitulieren die ersten Marktteilnehmer?

Philipp Hahn: Qualität hat ihren Preis, die Digitalisierung und Entwicklung neuer Produkte wie z.B. EasyPreOrders kosten Geld und schaffen einen Mehrwert. Kostenfreie Produkte werden an irgendeinem Ende immer bezahlt werden müssen. Uns ist hier Tranzparenz und Gradlinigkeit wichtig. Wobei wir die Vergütung unserer Leistung dem Gastronomen in verschiedenen Optionen anbieten. Konservativ ist die Auswahl einer Saas Leistung mit einer monatlichen Gebühr, dynamisch ist das leistungsorientierte Paket, welches sich an der Anzahl der vermittelten Gäste wiederspiegelt. Gerade das dynamische Modell wird heue bereits primär von der Hotellerie gewählt.

Anders als in der Hotellerie gibt es in der Gastronomie keine großen Vermittlungsportale, die fasst die ganze Branche abbilden. Wie erklären Sie sich diese unterschiedliche Entwicklung? Für den Gast, der immer nur einen Ausschnitt sieht, ist das ja nicht besonders komfortabel?

Philipp Hahn: Wie bereits eingangs erwähnt hinkt das Gastgewerbe der Hospitality Industry hinterher, es fehlen die Plattformen, die hier eine Konsolidierung vornehmen und Globalität schaffen. Sicherlich ist das auch geschuldet dadurch, dass die Gastronomie weitaus fragmentierter ist mit ca. 165.997 Restaurants vs 45.774 Beherbergungsbetriebe. Dies aber haben wir uns als Aufgabe gemacht und werden über eigene Kanäle sowie Partner die Reichweite versuchen zu erhöhen, die benötigt wird. Ein erster Schritt ist hier mit dem Partner Seven Rooms in UK und Skandinavien gemacht. 

Was sollte ein Reservierungstool noch leisten, um sich vom Wettbewerb abzugrenzen?

Philipp Hahn: Die Leistung muss immer in Symbiose zwischen dem Management des Restaurants und der Vermarktung stehen. Zusätzlich muss der Digitalisierung und den Anforderungen der Branche Rechnung getragen werden. Die stetige Weiterentwicklung sowie die Implementierung neuer digitaler Funktionalitäten wie z.B. EsayPreOrders stellt hier bereits ein Alleinstellungsmerkmal da und macht uns nicht ausschließlich abhängig von der Vermittlung von Gästen.

Hotels sind in vielen Fällen nicht mehr Herr der Gästedaten, weil der Umgang mit Online-Plattformen in der Vergangenheit zu achtlos war. Nutzen Sie die Gästedaten zur eigenen Vermarktung oder gestatten Sie den Gastronomen Zugriff?

Philipp Hahn: Bookatabel by Michelin hat bewusst keinen geschlossenen User-Bereich oder Kundenbindungsprogramm. Kunden der Restaurants und Bookatable können in einfachen wenigen Schritten einen Tisch reservieren. Im Reservierungsprozess entscheidet der Gast dann ob er weitere Informationen vom Restaurant oder von Bookatable by Michelin erhalten möchte. Herr der Gastdaten beleibt das Restaurant unter Berücksichtigung der DSGVO.


Philipp Hahn verantwortet ab den strategischen und operativen Bereich von Bookatable by Michelin in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) und soll maßgeblich dazu beitragen, die Distributionsstrategie von Restaurants über Bookatable weiter zu entwickeln. Hierzu greife der 46-Jährige laut Unternehmen auf ein umfangreiches Wissen im Bereich Online-Distribution von Hotels und alternativen Unterkünften bei TrustYou, HRS Hotel Reservation Service und OPODO Limited zurück.


 

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