Gastronomie in Corona-Zeiten: „Als ob wir ein neues Restaurant eröffnen“

| Gastronomie Gastronomie

Bayrische Küche, ein eingespieltes Team. Dafür wurde das Klosterbräustüberl am Reutberg oft ausgezeichnet. Dann kam Corona. Und alles ist anders. Wie funktioniert Gastronomie in Zeiten der Pandemie? Und wie werden Hygienekonzepte im Alltag umgesetzt?

Noch vor kurzem war das bei Touristen und Wanderern beliebte Wirtshaus Klosterbräustüberl auch auf diese Tatsache stolz: Im Sommer wie im Winter für seine Gäste bis auf ganz wenige Ausnahmen im Jahr geöffnet zu sein. Damit war im März 2020 Schluss. Das Restaurant musste auf Grund der Corona Pandemie wie alle gastronomischen Betriebe in Deutschland wochenlang schließen – und durfte erst Mitte Mai wieder öffnen. Und das unter strikten Hygieneauflagen. Was heißt das konkret? Nachgefragt bei Bernhard Haindl, einer der Geschäftsführer und zuständig für die Küche.

Herr Haindl, wie sieht der gastronomische Alltag aktuell aus?

Sehr verändert. Zunächst sind wir froh, wieder beschäftigt zu sein, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen. Aber es ist gerade eine Herausforderung für alle Beteiligten. Angefangen beim reduzierten Platz. So gibt es nun zwei Drittel weniger Sitzplätze, um den gewünschten Abstand zwischen unseren Gästen zu gewährleisten. Konkret: in der Außengastronomie, also in unserem schönen Biergarten, haben wir nun statt 600 nur 200 Plätze. Im Innenraum bieten wir statt der gewohnten 180 Sitzplätze nur noch 10 Tische im vorgeschriebenen Abstand. Sitzen hier an jedem Tisch dann nur zwei Personen, ist das Restaurant bereits voll – und das mit nur 20 Gästen...

Sparen Sie beim Personal ein?

Nein. Wir hatten auch sonst immer Stammpersonal, das wir im Sommer und Winter einsetzen, es ist ja schwierig, wirklich gutes Personal zu finden. Und auch jetzt, wo wir nur deutlich weniger Gäste bewirten können, ist es aufgrund der strikten Hygieneauflagen ein immenser Mehraufwand, den wir bewältigen. Deshalb können wir aktuell trotz eklatant geringerer Gästezahl kein Personal einsparen. Beispiel: Wir brauchen einen Mitarbeiter allein schon, um die Gäste einzeln zu empfangen. Zudem einen Kellner/Kellnerin zusätzlich, die Kapazität und Zeit haben, die Gäste zu ihrem Tisch zu geleiten. Wir benötigen einen festen Schankkellner, damit wir hier Rotation möglichst vermeiden und so maximale Hygiene gewährleistet ist. Und natürlich immer einen Mitarbeiter, der die Tische sorgfältig säubert und desinfiziert. Das Hygienekonzept, das wir sehr ernst nehmen, ist einfach zeitaufwendig und kostenintensiv. Hinzu kommt natürlich auch finanzieller Mehraufwand für Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmittel.

Was ist mit der Berufskleidung für das Personal, insbesondere in der Küche – gibt es auch hier Mehraufwand durch mehr Waschen etc.?

In lebensmittelverarbeitenden Betrieben, wie wir es als Restaurant sind, galten auch bereits vor der Corona Pandemie strikte Hygienerichtlinien. Auch die Kleidung für die Mitarbeiter steht hier im Fokus der Lebensmittelkontrolleure. Damit unsere Kleidung einheitlich, gepflegt und hygienisch ist, arbeiten wir mit einem textilen Mietdienstleister, DBL Stangelmayer, zusammen, der uns ausstattet, die komplette Logistik übernimmt. Und ich bin wirklich froh, dass wir dies schon vor der Pandemie in die Wege geleitet haben. Eine Sorge weniger. So haben wir bei der Kleidung nicht auch noch Mehraufwand und zusätzliche Arbeit. Denn die DBL gewährleistet uns ja die hygienisch einwandfreie Aufbereitung, die Kleidung wird fachgerecht eingesammelt und ausgetauscht. Das läuft routiniert und verlässlich weiter, der textile Partner ist hier in der Region. So haben wir für die Mitarbeiter, insbesondere in der Küche, immer frische Kleidung zur Verfügung.

Was ist ihr Fazit seit der Wiedereröffnung?

Unsere Logistik, die wir in den vergangenen 10 Jahren aufgebaut haben, ist aktuell kaum umsetzbar. Jeden Tag müssen wir aufs Neue überlegen: Wieviel Personal haben wir? Welche Speisen bieten wir den Gästen aufgrund der eingeschränkten Speisekarte? Wie erreichen wir, dass die Gäste sich bei uns wohl und sicher fühlen? Denn das ist uns wichtig. Es ist fast so, als ob wir ein neues Restaurant eröffnen. Es gibt natürlich auch Lichtblicke, und da ist viel Hoffnung. So freuen wir uns aktuell immer über schönes Wetter. Dann steigen die Umsätze, auch in Zeiten von Corona. Die Menschen gehen eben gerne essen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Döner ist in den vergangenen Jahren überall deutlich teurer geworden. Die Kunden hat das nicht abgeschreckt. Und insbesondere in Berlin zeichnet sich mancherorts bei den Preisen eine Trendwende ab.

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent führt zu stabilen Preisen in der Gastronomie. Aktuelle Daten zeigen, dass Betriebe die Entlastung vor allem nutzen, um gestiegene Kosten abzufedern. Knapp Dreiviertel der untersuchten Gastronomiebetriebe haben, laut einer Studie, ihre Preise, nach der Steueränderung, unverändert gelassen.

In einer Branche, die sich aktuell zwischen regulatorischen „Knüppeln in den Speichen“ und einer schleichenden „Dienstleistungs-Apathie“ aufreibt, ist eine klare Stimme seltener denn je. Wer den Newsletter der Frankfurter Mook Group abonniert, bekommt jedoch genau das: Eine regelmäßige Dosis intellektuelles Gastro-Adrenalin, serviert auf einem Bett aus radikaler Transparenz und kompromissloser Ästhetik.

In den Räumen des ehemaligen Restaurants Schwanen eröffnet am 7. März 2026 eine neue Wilma Wunder Filiale. Mit 180 Sitzplätzen und Fokus auf regionale Partner erweitert die Marke ihre Präsenz im Schwarzwald auf nunmehr 14 Standorte.

Wer Gast in einem Restaurant oder einer Gaststätte ist, muss dort auch kostenfrei die Toilette nutzen können. Etwas anderes gilt nur für Menschen, die ausschließlich zum Erleichtern eintreten.

Anzeige

Die moderne Gastronomie ist ein hochkompetitiver Markt, in dem Effizienz und ein herausragendes Gästeerlebnis über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Digitale Werkzeuge haben sich von einer optionalen Ergänzung zu einem unverzichtbaren Fundament für den reibungslosen Ablauf und nachhaltiges Wachstum entwickelt.

Die Globus Markthallen kooperieren mit dem südkoreanischen Marktführer TheBorn und eröffnen in Eschborn eine authentische Korean Kitchen. Damit erweitert das Unternehmen sein gastronomisches Profil um internationale Spezialitäten und setzt auf die hohe Nachfrage im Rhein-Main-Gebiet.

Mit der Eröffnung in der Düsseldorfer Kämmerei setzt La Maison du Pain sein neues Designkonzept um. Trotz hoher Nachfrage zum Start fokussiert sich das Unternehmen bereits auf die nächste Expansion in Hamburg.

Die Partnerschaft zwischen der Alten Oper Frankfurt und Kuffler bleibt langfristig bestehen: Nach einer Ausschreibung wurde der Gastronomie-Vertrag vorzeitig bis zum Jahr 2037 verlängert.

In Sachsen-Anhalts Kleinstädten hat mehr als jede dritte Kneipe seit 2010 dicht gemacht. Das das soziale Leben vor Ort leide darunter, kritisiert die Linken-Fraktion im Landtag.