Guide Michelin Frankreich 2020: Drei neue Drei-Sterne-Restaurants

| Gastronomie Gastronomie

Der Gastronomieführer Guide Michelin hat im Stammland Frankreich drei Toprestaurants mit einem dritten Stern ausgezeichnet. Unter anderen stieg der für Fisch- und Meeresspezialitäten bekannte Christopher Coutanceau aus der Hafenstadt La Rochelle in die Spitzenliga der französischen Gastronomie auf. Das teilte der Chef der Feinschmecker-Bibel, Gwendal Poullennec, am Montag in Paris mit.

Drei Sterne sind seit Jahrzehnten die Bestnote von Michelin und der Traum zahlreicher Spitzenköche. Die Topauszeichnung erhielten auch Kei Kobayashi aus Paris und Glenn Viel vom «L'Oustau de Baumanière» in der südfranzösischen Provence.

Kobayashi bezeichnete sich einmal als einen «Japaner, der französische Küche macht». Laut Michelin ist er der erste Japaner, der die Spitzenauszeichnung in Frankreich erhalten hat. 29 Spitzenlokale tragen in Frankreich die Topnote, in Deutschland sind es 10. Insgesamt tragen in Frankreich 628 Restaurants entweder einen, zwei oder drei Sterne.

Michelin hatte bereits vor dem Branchenspektakel mitgeteilt, dass die «Auberge du Pont de Collonges» des 2018 gestorbenen Küchenpapstes Paul Bocuse ihren dritten Stern verliert und künftig nur noch zwei Sterne hat  (Tageskarte berichtete). Das hat zu großen Debatten geführt, denn das Stammhaus von Bocuse in der Nähe von Lyon trug seit 1965 ununterbrochen die Bestnote, zudem galt Bocuse lange als Inkarnation der französischen Spitzenküche.

In der Debatte um das Erbe der Küchenlegende plädierte Starkoch Yannick Alléno für mehr Gelassenheit. «Paul Bocuse hätte erneut die Ärmel hochgekrempelt und gekämpft. Paul war ein Kämpfer», sagte der 51 Jahre alte Alléno der Deutschen Presse-Agentur. «Es kann passieren, dass wir eines Tages weniger in Form sind als an einem anderen Tag. Das ist nur menschlich.»

Die Spitzenküche sei wie Spitzensport. «Jeden Tag gibt es Wettbewerber, jeden Tag muss man Weltmeister sein», sagte Alléno. Er führt in seinem Heimatland zwei Drei-Sterne-Häuser: eines im Pavillon Ledoyen in Paris nahe den Champs-Elysées («Alléno Paris - Pavillon Ledoyen») und das «1947» im Wintersportort Courchevel.

«Michelin-Sterne werden nicht vererbt, man muss sie sich verdienen», lautet ein oft wiederholtes Motto vom Guide-Michelin-Chef Poullennec. Er leitet den «Guide rouge», wie der Führer in Frankreich auch genannt wird, seit September 2018. Michelin entzog schon im vergangenen Jahr drei Edelrestaurants die Topnote. Der Restaurantführer blickt auf eine 120-jährige Tradition zurück.

Bocuse starb vor zwei Jahren im Alter von 91 Jahren. Er gehörte zu den Vertretern der «Nouvelle Cuisine», einer Bewegung damals junger Köche, die die französische Küche entstauben wollten. Sein Kollege Marc Haeberlin berichtete einmal, dass auch Bocuse vor dem Erscheinen des Gourmetführers bis ins hohe Alter hinein stets unruhig gewesen sei.

Michelin zeichnete zum ersten Mal «Chefs», wie Spitzenköche in Frankreich heißen, für ihre Anstrengungen für eine nachhaltige Gastronomie aus.

 

Neue Drei-Sterne-Restaurants:

L'Oustau de Baumanière, Les Baux-de-Provence (13)
Kei, Paris 1er
Christopher Coutanceau, La Rochelle (17) 

 

Neue Zwei-Sterne-Restaurants:

Le Skiff Club, Bassin d'Arcachon / Le Pyla-sur-Mer (33)
Sarkara, Courchevel / Courchevel 1850 (73)
La Table de l'Alpaga, Megève (74)
La Table de Saint-Crescent, Narbonne (11)
L'Abysse au Pavillon Ledoyen, Paris 8e
L'Atelier de Joël Robuchon - Étoile, Paris 8e
La Scène, Paris 8e
Le Taillevent, Paris 8e
La Voile, Ramatuelle (83)
Racine, Reims (51)
Py-r, Toulouse (31)

 

Neue Ein-Stern-Restaurants:

Château de la Gaude, Aix-en-Provence (13)
La Vieille Fontaine, Avignon (84)
Le Charlemagne, Beaune / Pernand-Vergelesses (21)
L'Atelier Alexandre Bousquet, Biarritz (64)
Moulin d'Alotz, Biarritz / Arcangues (64)
L'Oiseau Bleu, Bordeaux (33)
Soléna, Bordeaux (33)
Tentazioni, Bordeaux (33)
Origines, Le Broc / Issoire (63)
L'Empreinte, Buxy (71)
Nicolas Carro, Carantec (29)
La Table du Boisniard, Chambretaud (85)
Azimut, Courchevel / Le Praz (73)
Choko Ona, Espelette (64)
Maison Hache, Eygalières (13)
La Magdeleine - Mathias Dandine, Gémenos (13)
La Table d'Hôte, Gevrey-Chambertin (21)
Château de Locguénolé, Kervignac (56)
Claude Darroze, Langon (33)
L'Arbre au Soleil, Le Lavandou (83)
A Casa di Ma, Lumio (2B)
Les Apothicaires, Lyon (69)
Saisons, Lyon / Ecully (69)
Moulin de la Tardoire, Montbron (16)
La Chapelle, Montluçon (03)
Pure & V, Nice (06)
Fleur de Pavé, Paris 2e
Marcore, Paris 2e
Anne, Paris 3e
Le Sergent Recruteur, Paris 4e
Solstice, Paris 5e
Le Jules Verne, Paris 7e
Pavyllon, Paris 8e
Aspic, Paris 9e
L'Innocence, Paris 9e
Le Rigmarole, Paris 11e
L'Oiseau Blanc, Paris 16e
Le Faham by Kelly Rangama, Paris 17e
Jacques Faussat, Paris 17e
Holen, Rennes (35)
La Huchette, Replonges (01)
Grand Hôtel du Lion d'Or, Romorantin-Lanthenay (41)
Le Mas Bottero, Saint-Cannat (13)
Le Dallaison, Saintes (17)
La Meynardie, Salignac-Eyvigues (24)
L'Auberge de Montmin, Talloires (74)
Hedone, Toulouse (31)
Manoir de Lan-Kerellec, Trébeurden (22)
La Flibuste-Martin's, Villeneuve-Loubet / Villeneuve-Loubet-Plage (06)

 

(Mit Material der dpa)


 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Eine Umfrage von Lightspeed zeigt: Viele Restaurantgäste wünschen sich nachhaltige Angebote, akzeptieren dafür aber nur begrenzte Preisaufschläge. Besonders gefragt sind regionale Produkte und Maßnahmen zur Müllvermeidung.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Thüringen hat an Verbraucher appelliert, beim Besuch im Restaurant oder Biergarten mit Trinkgeld nicht zu knausern. Mit Blick auf den «Welttrinkgeldtag» an diesem Donnerstag solle man nicht in den Sparmodus schalten.

Eine aktuelle Analyse zeigt deutliche regionale Preisunterschiede bei Aperol Spritz in der deutschen Gastronomie. Während der bundesweite Durchschnittspreis im Vergleich zu 2025 um knapp fünf Prozent stieg, zahlen Gäste im Norden und in Essen am meisten.

Die Jeunes Restaurateurs veranstalten eine Benefizveranstaltung auf der Terrasse über dem Kurhaus Baden-Baden. Der Erlös fließt in die JRE-Deutschland Foundation, um Projekte zur Ernährungsbildung von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg zu finanzieren.

Ein US-Franchisenehmer von Pizza Hut fordert mehr als 100 Millionen US-Dollar Schadensersatz. Hintergrund sind Vorwürfe gegen das KI-System Dragontail, das laut Klage zu Problemen bei Lieferzeiten und Kundenzufriedenheit geführt haben soll.

Das geplante Restaurant von Spitzenkoch Thomas Bühner im Westfield Hamburg-Überseequartier wird nicht eröffnet. Nach Angaben des Kochs zog sich ein wichtiger Investor kurzfristig aus dem Projekt zurück.

Im Münchner Innenstadtgebäude Herzog Max hat das neue Gastronomiekonzept Super* eröffnet und vervollständigt damit die fünfjährige Transformation des ehemaligen Karstadt Sports. Das Konzept kombiniert Restaurant, Bar und Ladenflächen.

Das Sternerestaurant bi:braud von Alina Meissner-Bebrout zieht im Sommer 2026 aus der Ulmer Büchsengasse in das neue Maison Meissner direkt am Ulmer Münster um. Gemeinsam mit ihrem Mann Steffen Meissner entwickelt die Köchin das historische Gebäude „Bäumle“ zu einem Hotel mit 15 Zimmern sowie Restaurant- und Barkonzept.

Die Zeltvergabe auf dem Oktoberfest ist jetzt auch ein Fall für die Justiz. Gastronom Alexander Egger wehrt sich per Eilantrag gegen die Ablehnung seiner Bewerbung für das Volkssängerzelt «Schützenlisl» auf der Oidn Wiesn.

Die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn bekommt zur Wiesn 2026 neue Betreiber. Der Münchner Stadtrat hat dem Wirte-Trio Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel den Zuschlag für das Volkssängerzelt erteilt.