Katastrophe in Crans-Montana: U-Haft für Schweizer Barbetreiber beantragt

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Im Zuge der Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana ist Bewegung in die Justiz-Ermittlungen gekommen. Für den französischen Betreiber der Bar, die in der Silvesternacht gebrannt hatte, wurde Untersuchungshaft beantragt, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mitteilte.

«Aufgrund seiner Aussagen, seines bisherigen Lebenslaufes sowie seiner persönlichen Situation in der Schweiz und im Ausland erachtete die Staatsanwaltschaft die Fluchtgefahr als konkret», teilte die Behörde weiter zu dem Gastronomen Jacques Moretti mit. Diese Gefahr gelte nicht für seine Frau, mit der er gemeinsam die Bar betrieben hatte.

Bei dem Inferno waren 40 meist junge Menschen ums Leben gekommen, fast 120 wurden zum Teil schwer verletzt. Laut Ermittlern hatte eine funkensprühende Partyfontäne die Schaumstoffverkleidung der Decke der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana in Brand gesetzt.

Schweizer Bundespräsident über Inferno: «Undenkbar»

Zuvor gedachten die Schweiz und andere Nationen in einer bewegenden Trauerfeier im nahe gelegenen Martigny der Toten. Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin. Zugleich forderte er eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien «ohne Verzögerung und ohne Nachsicht» aufzudecken.

«Undenkbar» - mit diesem Wort beschrieb Parmelin in seiner Rede das Inferno. «Undenkbar, weil ein Land, dass sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt», sagte der Politiker. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.

Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung. Aus Deutschland war Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angereist. Elf Überlebende werden in deutschen Kliniken behandelt - unter anderem in Hospitälern in Baden-Württemberg.

Auch junge Fußballer unter den Opfern

Fast alle Todesopfer waren Teenager und junge Erwachsene - die jüngsten waren erst 14 Jahre alt. Unter den Toten sind auch neun junge Schweizer Fußballer aus Regionalvereinen. Das gab der Schweizer Fußball-Verband (SFV) am nationalen Trauertag für die Tragödie in einem Post auf der Plattform X bekannt.

Augenzeugen: «Bilder waren unerträglich»

Bei der Trauerfeier mit rund 1.000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. «Es war eine apokalyptische Szene», sagte eine junge Frau. «Die Bilder, die sich uns boten, waren unerträglich.» Die drei gehörten zu den Menschen, die in einer Bar gegenüber vom Brandort gefeiert hatten.

Bei dem Feuer, bei dem laut Ermittlern eine funkensprühende Partyfontäne eine Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar in Brand gesetzt hatte, wurden neben vielen Schweizern auch Dutzende Menschen aus den Nachbarländern Frankreich und Italien getötet und verletzt. Die Brandverletzten werden in mehreren europäischen Ländern behandelt, darunter auch elf in Deutschland, wie es von der deutschen Botschaft in Bern hieß. 

Umfangreiche Ermittlungen

Unterdessen laufen die Ermittlungen, in deren Mittelpunkt Jessica und Jacques Moretti, die Betreiber der Bar «Le Constellation», stehen. Die Justiz untersucht, ob Sicherheitsbestimmungen in dem Lokal missachtet wurden. Das französische Gastronomen-Paar steht laut der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst.

Am Freitag wurden die Morettis erstmals mehrere Stunden lang offiziell als Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft befragt. Danach entschuldigte sich Jessica Moretti unter Schluchzen. «Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können», sagte sie nach einer Befragung bei der Staatsanwaltschaft in Sion vor Medien. «Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen.»

Meloni thematisiert schwere Verdachtsmomente 

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sprach bei einer Pressekonferenz in Rom einen von Medien verbreiteten Verdacht an: «Ich lese, dass es Videos geben soll, auf denen die Verantwortliche dieses Lokals zu sehen ist, wie sie mit der Kasse flieht.» Wenn das stimme, müssten die Konsequenzen schonungslos sein. Die Staatsanwaltschaft wollte bisher auf Anfrage der dpa keine Stellung dazu nehmen.

«Was in Crans-Montana passiert ist, ist kein Unglück. Was in Crans-Montana passiert ist, ist das Ergebnis davon, dass zu viele Menschen ihre Arbeit nicht gemacht oder geglaubt haben, sie könnten leichtes Geld machen», sagte Meloni weiter. Es gebe viele «Warum»-Fragen: «Warum wurde die Musik nicht gestoppt? Warum wurde diesen Jugendlichen nicht gesagt, dass sie rausgehen sollen? Warum hat die Gemeinde keine Kontrollen durchgeführt?», sagte Meloni.

Sechs italienische Teenager sind im Feuer ums Leben gekommen. Elf Menschen werden wegen schwerer Brandwunden in Mailand behandelt.

Auch die Behörden sind mit Vorwürfen konfrontiert. Denn die Gemeinde Crans-Montana hat eingeräumt, dass der Brandschutz der Bar jahrelang nicht kontrolliert worden war, obwohl jährliche Überprüfungen vorgeschrieben sind.

Appell der Jugend: Mehr Leben ins Leben 

Die Tragödie nahmen die drei Augenzeugen zum Anlass für einen Appell speziell an die jungen Menschen. «Wir sind eine Generation, die in einer fragilen, manchmal harten, oft ungerechten Welt aufwächst», sagte einer der Jugendlichen. Aber trotz aller Zweifel und Ängste kämpfe die Generation um das, woran sie glaube. Und: «Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag.» Denn wichtig sei, nicht unbedingt dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen. (dpa)


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