Kein Cannstatter Volksfest wegen Coronavirus

| Gastronomie Gastronomie

«Auf zum Wasen», heißt es am Mittwochnachmittag noch auf der Internetseite der Stuttgarter Vermarktungsgesellschaft. «Das traditionsreiche Cannstatter Volksfest erwartet Sie.» Leider nein, das ist ein alter Stand. Denn in diesem Jahr dreht sich kein Sky Lounge Wheel, es wird keine Alpina Bahn durch die Höhe rauschen und in den Bierzelten des Wasens am Neckarufer wird nicht geschunkelt.

Nach der Absage des Münchner Oktoberfests wegen des Coronavirus findet auch das Cannstatter Volksfest nicht statt. Die Stadt Stuttgart zog am Mittwoch die Reißleine. «Es ist eine harte Entscheidung», bedauert Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) das Aus für die Stuttgarter Massen-Gaudi. Eine überraschende Entscheidung ist es nicht: Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte bereits in der vergangenen Woche eine Absage angedeutet. «So schwer es uns fällt, aber wir müssen davon ausgehen, dass bis auf Weiteres alle Veranstaltungen, wo viele Menschen zusammenkommen und es feucht und fröhlich zugeht, nicht stattfinden können», sagt er nun und lobt, es sei konsequent von der Stadt Stuttgart gewesen, den Wasen abzusagen.

Betriebe vor dem Abgrund

Das zweitgrößte Volksfest in Deutschland sollte eigentlich vom 25. September bis zum 11. Oktober rund 3,5 Millionen Menschen anziehen. Nun gehen sie ebenso leer aus wie die rund 300 Schausteller, Krämer und Festwirte. «Für uns ist das der Super-Gau», sagt der Präsident des Landesverbands Schausteller und Marktkaufleute, Werner Burgmeier. Die Saison sei nun bereits zu 80 Prozent gelaufen, ohne dass sie überhaupt begonnen habe. «Die Betriebe stehen vor dem Abgrund - und einige mit den Zehen schon etwas weiter», sagt Burgmeier.

Auch Wasen-Wirt Karl Maier steht mit leeren Händen da: «Mein kompletter Jahresumsatz ist hiermit auf null», sagt er. «Wir machen ein halbes Dutzend große Veranstaltungen und Feste im Jahr und alle sind abgesagt worden.» Nun versucht Maier, seinen Betrieb rund um das beliebte Göckelesmaier-Zelt «in einen Winterschlaf zu versetzen» und auf das kommende Jahr zu hoffen. Bis dahin müsse er die Ausgaben soweit es geht einschränken und sicherlich auch über Darlehen und Kredite nachdenken. Die Soforthilfen? «Noch nicht mal ein Tröpfchen», sagt Maier. Allerdings habe er auch mit der Absage gerechnet: «Da war fast nichts anderes denkbar.»

"Entscheidung im Dienste der Gesundheit"

Ein kleineres Fest als Alternative? Hilfen für die Schausteller durch Bund und Land? Oder vielleicht doch noch eine kleine Chance für das Volksfest, wenn die Stadt die Entscheidung, wie es die FDP formuliert, «bis zum letztmöglichen Zeitpunkt an die Realität der Pandemieentwicklung» anpasst? Alles eher unwahrscheinlich oder nicht ausreichend. Die Absage selbst wird im Gemeinderat aber nicht in Frage gestellt. «Diese Entscheidung ist im Dienste der Gesundheit der Menschen unumgänglich, ja leider absolut notwendig», sagt Stuttgarts SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Körner. Er fordert, das ebenfalls ausgefallene Frühlingsfest und das Volksfest im kommenden Jahr zu verlängern.

Das könnte auch ganz im Sinne der Stuttgarter Gastronomie und Hotelbranche, der Taxifahrer und Einzelhändler sein. Denn im Rathaus wird die wirtschaftliche Bedeutung des Fests für Stadt und Region auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bars und Clubs für schwule Männer gibt es zuhauf - und mit dem «Gay Sunday» auch ein eigenes Wiesn-Event. Nun wollen sich auch lesbische Frauen ihren Platz auf dem Oktoberfest erobern.

Das Cannstatter Volksfest lockt mit Achterbahnen und Karussellen – doch wie viel müssen Besucher für den Bierkrug wirklich zahlen? Es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Zelten.

Ausnahmezustand in München: Bei weiß-blauem Himmel hat das Oktoberfest begonnen. Der neue Oberbürgermeister wuppt seine Anzapfpremiere mit Bravour. Für einige Gäste gab es einen Schreckmoment.

Beim traditionellen Mittagsempfang des Bundesverbands der Systemgastronomie trafen sich in München rund zweihundert Gäste. Im Mittelpunkt standen die Verleihung des Branchenpreises sowie die Forderung nach politischen Reformen. Zusätzlich zeichnete der Verband Ingrid Hartges mit dem Ehrenpreis aus.

Das 191. Münchner Oktoberfest ist eröffnet. Neu-Oberbürgermeister Dominik Krause zapfte bei seiner Anstich-Premiere mit zwei Schlägen das erste Fass Bier an und startete mit dem «O'zapft is» das weltberühmte Volksfest.

Das deutsche Gastgewerbe setzte im Juli 2026 real 4,0 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. In der Gastronomie sank der reale Umsatz um 4,7 Prozent, bei den Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen um 2,0 Prozent.

Das Café an der Spanischen Treppe gehört zu den ältesten Kaffeehäusern in Italien. Schon Goethe war hier zu Gast. Jetzt steht es seit bald einem Jahr leer. Und kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Der Europa-Park hat das Mitarbeiterrestaurant „Coasteria“ mit integrierter Zentralküche eröffnet. In den 4.500 Quadratmeter großen Neubau investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Anteil der Befragten, nach deren Ansicht bargeldloses Bezahlen in gastronomischen Betrieben möglich sein sollte, ist gestiegen. YouGov weist gegenüber März 2025 bei allen abgefragten Orten höhere Werte aus.

Bei den ersten Chef:in Awards in Hamburg sind neun Frauen in sieben Kategorien ausgezeichnet worden. Sarah Hallmann und Julia A. Leitner teilen sich den Titel Köchin des Jahres 2026.