Kneipenwirt am Hamburger Hansaplatz: Alkoholverbot wirkt

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Die Ausweitung des Alkoholkonsumverbots am Hamburger Hauptbahnhof auf Teile des angrenzenden Stadtteils St. Georg im August zeigt Wirkung. «Also wir haben schon ein ganz anderes Bild hier. Wir haben hier früher regelmäßig auch größere Gruppen von alkoholisierten, Alkohol trinkenden Menschen gehabt, mit all den Auswirkungen, die das gehabt hat. Völlig andere Lage jetzt. Es ist ruhiger. Es ist sauberer», sagte Innensenator Andy Grote (SPD), der am Montagabend einen Kontrollgang der Polizei begleitete. 

An typischen Brennpunkten, etwa dem Penny-Markt am Steindamm oder dem Hansabrunnen, hielten sich demnach weniger Personen auf, sagte ein Sprecher der Polizei der Deutschen Presse-Agentur. Diesen Eindruck bestätigt auch Mehmet Simsit, Betreiber des «Hansa-Treff», einer Kneipe direkt am Hansaplatz: «Von den Trinkergruppen her ist das schon besser geworden. Die Polizei kontrolliert auch immer.» Vor den Kiosken sammelten sich kaum noch Leute. «Weil die dann kaufen und nicht trinken dürfen», sagt Simsit. Generell sei es auf den Straßen ruhiger geworden.

Simsit: Habe fast mein Auge verloren

Der 60-Jährige wurde vergangenes Jahr vor seinem Laden von einem betrunkenen Mann mit einer Glasflasche im Gesicht verletzt und musste operiert werden. «Zwei Millimeter höher hätte ich mein Auge verloren, sagen die Ärzte», erklärt Simsit und fasst sich an die Narbe in seinem Gesicht. «Daraufhin haben wir diese Initiative gestartet.»

Der Gastronom fing an, Unterschriften für das Alkoholverbot auf dem Hansaplatz zu sammeln, «damit nicht noch mehr passiert». Auch die Scheibe seines Ladens sei von Betrunkenen zerschlagen worden. Der Hansatreff-Betreiber ist Vater von fünf Kindern. Vor allem für das jüngste Kind, seinen zweijährigen Sohn, «muss ich noch ein bisschen länger leben. Deswegen muss ich aufpassen», sagt er.

Dass sich sein Engagement auszahlen würde, kam für Simsit überraschend. «Ich dachte, die Politik hat was anderes zu tun und hat das irgendwie unter den Tisch gekehrt, aber dem war nicht so.» Dass die Stadt sein Anliegen ernst genommen hat, habe ihn gefreut. 

Verlagerung bleibe bislang aus 

In dem Gebiet darf man zwar weiterhin alkoholische Getränke bei sich tragen, aber nicht trinken. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Geldbuße von bis zu 200 Euro rechnen. Damit will der Senat «die alkoholkonsumbedingten Belastungen für die Menschen im Stadtteil spürbar reduzieren und damit die Lebensqualität nachhaltig verbessern», hieß es. Eine Verlagerung der Treffs an andere Orte könne die Polizei derzeit nicht feststellen, erklärte der Sprecher. 

Das Verbot werde laut Polizei konsequent durchgesetzt. Seit Jahresbeginn wurden demnach mehr als 250 Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsumverbot am und um den Hauptbahnhof angezeigt. Rund 200 dieser angezeigten Verstöße entfielen dabei laut Polizeiangaben allein auf die ersten drei Wochen im August. 

Mit Blick auf die Trinkergruppen fühlt sich Simsit seit dem Konsumverbot sicherer. «Da wird dann nicht mehr mit Flaschen geschmissen oder jemand angegriffen», sagt der Gastronom. Drogen würden vor Simsits Laden und im Viertel trotzdem weiterhin gedealt. «Wir haben die Drogendealer, die auf den Toiletten ihre Drogen abpacken oder verkaufen wollen. Oder draußen die Passanten ansprechen», sagt der 60-Jährige.

Sicherheit rund um den Hauptbahnhof verbessert

Die Erweiterung der Alkoholkonsumverbotszone ist zunächst auf ein Jahr befristet, um «Entlastung in den besonders belasteten Wohnquartieren rund um den Bahnhof zu schaffen», sagte Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, Ralf Neubauer. «Wichtig ist uns: Wir helfen suchtkranken Menschen, auch mit Angeboten vor Ort, schulden aber auch den Anwohnenden unsere Unterstützung.» 

Ziel sei eine frühzeitige gesundheitliche und soziale Stabilisierung Betroffener und die konsequente Vermittlung in Beratung, Therapie, Unterbringung, sagte ein Sprecher der Innenbehörde. Begleitend seien Befragungen von Anwohnenden, Gewerbetreibenden, Institutionen und Einrichtungen vorgesehen.

Die Sicherheitslage am Hamburger Hauptbahnhof hat sich der Innenbehörde zufolge in den vergangenen zwei Jahren spürbar verbessert. Dazu hätten auch das Waffenverbot, die Einführung der Videoüberwachung und die Einführung der sogenannten «Quattro Streifen» beigetragen. Mit der schrittweisen Ausweitung dieser Maßnahmen auf den angrenzenden Stadtteil St. Georg wolle die Stadt potenzielle Straftäter und Störer abschrecken und das Sicherheitsgefühl der Menschen vor Ort stärken.

Simsit engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich

Alkohol- und Drogenkonsum seien im Bahnhofsviertel an der Tagesordnung. Damit gehe auch viel Gewalt einher. Passanten und Passantinnen, auch Mütter mit Kinderwägen, seien regelmäßig von betrunkenen Personen mit Flaschen beworfen worden. Damit werde dank des Alkoholkonsumverbots auf dem Platz jetzt Schluss sein, hofft Simsit. 

Seit seinem achten Lebensjahr lebt der 60-Jährige in Deutschland. «Und seit 20 Jahren lebe ich hier in St. Georg. Ich bin ein Hamburger.» Für sein Viertel engagiert er sich auch ehrenamtlich. Donnerstags helfe er bei der Lebensmittelausgabe in der St. Georg Kirche, freitags arbeite er in der Suppenküche. Die meisten Gäste kenne er seit Jahren. «Wir haben von A bis Z Menschen da. Viele Ukrainer im Moment und Araber, Türken und Deutsche, alles komplett gemischt.» 

«Es wird immer Sorgenkinder geben hier. Weil jeder, der in anderen Bezirken nicht willkommen ist, trifft sich hier. Jeder Topf findet seinen Deckel hier am Hauptbahnhof in Sankt Georg», sagt Simsit versöhnlich. Und hält an dem Viertel, das längst sein Zuhause ist, fest: «Ich bleibe hier.» (dpa)


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