Kot und Schimmel – unterwegs mit einem Lebensmittelkontrolleur

| Gastronomie Gastronomie

Mit Taschenlampe und feiner Nase prüft Axel Bornemann Restaurants, Bäckereien, Metzgereien in Stuttgart – und stößt dabei regelmäßig auf Zustände, die vielen den Appetit verderben würden. Bei seiner Kontrolle im Lagerraum einer neu eröffneten Pizzeria lässt Bornemann keine Ecke aus. Und siehe da, auf dem Fensterbrett deutlich sichtbar: Mäusekot. «Sehen Sie das?», fragt er den Besitzer, der sich beim Anblick der schwarzen Köttel schnell entschuldigt. «Das haben wir übersehen», sagt er. Man habe nach der Übernahme des Betriebs wohl nicht gründlich genug geputzt. 

Bornemann lächelt milde. «Wir sehen so viele eklige Sachen», sagt er. Ihm fällt eine Gaststätte ein, an die er sich eindrücklich erinnert. «Die Maus lief während einer Küchenkontrolle erst gegen meinen Schuh und verschwand unter einem Arbeitstisch in der Küche. Aus dem Augenwinkel sah ich eine Bewegung auf dem Arbeitstisch und das Nagetier unter einer Aufschnittmaschine verschwinden.»

So unaufgeregt wie in der Pizzeria gehe es nicht immer zu. Einmal sei ein aufgebrachter Gastronom so nah auf ihn zugekommen, dass sich die Nasen der beiden fast berührt hätten. Dünnhäutigkeit und Aggressivität hätten massiv zugenommen. «Tief verankert im Kopf ist, dass es jederzeit eskalieren kann», erzählt Bornemann. 

Traumberuf Lebensmittelkontrolleur

Der 64-Jährige ist Küchenmeister, staatlich geprüfter Techniker in der Fachrichtung Lebensmittelverarbeitung und Lebensmittelkontrolleur. Sein Beruf ist seit 20 Jahren seine Berufung. «Es ist mein Traumberuf. Ich lebe das», sagt er. 

Wenn er in einen Betrieb gehe, treibe ihn vor allem eine Frage um: «Wenn der Verbraucher wüsste, wie es hinten aussieht, würde er dann noch etwas kaufen wollen?» Leider ist das laut Bornemann nicht immer der Fall. 40 Prozent seien «zu beanstanden», Sorgenkinder also. Bei 40 Prozent werde nichts «Dramatisches» gefunden und 20 Prozent der Betriebe seien top. «Das ist für uns wie eine Erholung, wenn wir in so einen Betrieb gehen.» Als wichtiges Hilfsmittel erwähnt Bornemann seine Nase. Denn üble Gerüche trügen nicht. «Auch die Nase sagt es einem.» 

Weiter geht's mit der Inspektion der Pizzeria. Kühleinrichtung auf, Kühleinrichtung zu, Schublade auf, Schublade zu. Und immer wieder zückt Bornemann seine Taschenlampe. Ist die Salami frisch geschnitten? Ja. Wie ist die Temperatur der aufgeschnittenen Salami? Ok. Gibt es warmes Wasser? Sind Seife und Papiertücher griffbereit? Dreimal ja. «So weit alles okay hier», sagt der Experte.

Blumenerde hat in Nähe von Nahrung nichts zu suchen

Bornemann bemerkt jedoch einen Plastiktopf mit einer Basilikumpflanze auf der Theke vor der Eingangstür, neben Lebensmitteln. «Die Erde muss richtig abgedeckt werden, damit sich die Keime nicht verteilen können.» Denn ein leichter Windstoß kann schon dafür sorgen. Weil das ein Mitarbeiter nicht richtig macht, mahnt Bornemann sofort Nachbesserung an und warnt vor der Gefahr, die von den Keimen für Gäste ausgeht. 

«Beim Bacillus cereus handelt es sich um ein Bakterium, das weltweit zu finden ist. Und zwar insbesondere in Erde», sagt Bornemann. Er erinnere sich an einen Vorfall in Stuttgart vor 17 Jahren, bei dem 120 Menschen nach einem Essen in einem Restaurant an dem Toxin erkrankten. «Der Keim schmeckt nicht, er riecht nicht, verursacht Erbrechen und Kreislaufprobleme und ist bei höherer Dosis auch tödlich.» 

Am Ende des Besuchs in der Pizzeria erhält der Besitzer wie viele vor ihm eine To-do-Liste. Bis zur Nachkontrolle muss er alle Mängel beheben. Wenn Betriebe dem nicht nachkämen, folge eine Anordnung, darin aufgelistet Punkte, die verbessert werden müssten. Geschehe dann immer noch nichts, drohe ein Zwangsgeld, bei dem sich für jeden Mangelpunkt die Gebühren im weiteren Verlauf verdoppeln könnten, sagt Bornemann. Auch eine Zwangshaft sei möglich. Dies komme aber sehr selten vor.

Möglich: Vom Ölwechsel zum Sushi-Koch

Auf dem Weg zu einem nahe gelegenen Imbiss erzählt Bornemann, dass heutzutage jeder eine Gastronomie eröffnen dürfe. «Sie können heute in einer Autowerkstatt Öl wechseln und übermorgen machen Sie einen Sushi-Laden auf.» Das findet er nicht richtig. «Eine grundlegende qualifizierte Grundausbildung halten wir für notwendig.» 

Nimmt er seinen Beruf mit nach Hause? «Bei mir zu Hause geht es nicht zu wie in einer Klinik. Aber eine gewisse Hygiene muss sein», erzählt Bornemann. Für den Haushalt empfiehlt er, auch mal einen Essigreiniger zu benutzen. Und daran zu denken, dass nicht nur die Toilette gesäubert werden wolle, sondern auch der Kühlschrank. 

Die Stimmung beim Kontrollgang durch den Imbiss ist zwar nicht ganz so entspannt wie zuvor in der Pizzeria. Aggressiv wird der Imbissbetreiber aber nicht. Und das, obwohl Bornemann hier einiges zu beanstanden hat. Die Oberflächen eines Hängeschranks seien verschmutzt und müssten geputzt werden. An den Wänden fehle waschbeständige Farbe, es fehlten Spender für Seife und Papier. Der Dunstabzug sei verfettet, die Schrauben an einem Türgriff locker. Ferner liegt Brot in einer simplen Plastiktüte. Bornemann gibt freundlich Anweisung, was zu tun ist. Und schließlich findet sich doch noch ein besserer Behälter für das Brot. Dieser Betrieb hat laut Mängelliste am Ende eine Menge nachzubessern. Alltag für die Lebensmittelkontrolleure. (dpa)



Zurück

Vielleicht auch interessant

ATLANTIC Hotels hat Details zur 20 High Skyline Bar im neuen Atlantic Hotel Frankfurt vorgestellt. Die Bar soll mit der Hoteleröffnung im September 2026 den Betrieb aufnehmen und wird von Mo Kaba geleitet.

Tim Raue eröffnet gemeinsam mit der Heidelberger Bliss-Group ein zeitlich begrenztes Restaurant im ehemaligen Commissary des Patrick-Henry-Village. Das Konzept mit dem Titel Taste of the Dragon umfasst ein Fünf-Gänge-Menü.

Der Aufbau des Oktoberfests läuft auf Hochtouren, der berühmte Paulaner-Turm steht - aber die Kellnerinnen-Parade des Künstlers Emil Kneiß ist kopflos geworden: Eine schwarze Folie verhüllt die Gesichter. Über den Hintergrund herrscht Rätselraten.

Burger King will die in den vergangenen Jahren wegen Pandemie und Inflation aufgeschobene Expansion in Deutschland nun nachholen. «Alle Zeichen stehen auf Wachstum», sagte Deutschland-Chef Andreas Bork zum 50. Jahrestag der Eröffnung des ersten deutschen Burger-King-Restaurants.

Die Landeshauptstadt Hannover zieht nach dem Abschluss des 497. Schützenfestes eine positive Bilanz der zehntägigen Veranstaltung. Nach Angaben der Stadtverwaltung kamen rund 900.000 Besucher auf den Schützenplatz.

Die peruanische Hauptstadt Lima richtet am 4. November erstmals die Verleihung der The World’s 50 Best Restaurants aus. Wie der Veranstalter mitteilt, finde die Preisverleihung damit zum ersten Mal in Südamerika statt.

Für die insolvente Hamburger Gastronomie TamTam hat der vorläufige Insolvenzverwalter die Investorensuche gestartet. Ob und wann der Betrieb wieder aufgenommen wird, hängt nach seinen Angaben von einer erfolgreichen Übernahme ab.

Der frühere Profifußballer Lukas Podolski betreibt schon eine ganze Dönerkette. Auch Schauspieler Frederick Lau plant nun in Berlin einen Dönerladen. Allerdings ganz ohne Fleisch.

Der Betreiber des TamTam im Hamburger Hanseviertel hat Insolvenz beantragt. Der aktuelle Betrieb war erst im Oktober 2025 gestartet. Zuvor hatte das frühere Le Big TamTam im September 2025 geschlossen.

Der Koch Markus Stöckle will im Herbst 2026 ein neues Restaurant in der Zürcher Altstadt eröffnen. Das Lokal entsteht an der Glockengasse 7 im Kreis 1, wo früher das Restaurant Kaiser’s Reblaube ansässig war. Stöckle gehe das Projekt gemeinsam mit seiner Partnerin Elif Oskan an, berichtet der Gastroführer GaultMillau.