Letzte Runde: Anzahl der Pubs in England so gering wie nie

| Gastronomie Gastronomie

Wer im Londoner Stadtzentrum an einem Donnerstagnachmittag ein Feierabendbier trinken will, braucht lange, um durch die Menschenmengen zur Theke durchzudringen. Eher gibt es in einem englischen Dorf eine Kneipe als eine Kirche oder einen Laden - so jedenfalls der Eindruck vieler Touristen. Auch für viele Besucher gehört ein Besuch im Pub zum Programm.

Doch die Zahlen zeichnen ein anderes Bild, ein ziemlich dramatisches. Das Pub-Sterben begann bereits vor langer Zeit, die Corona-Pandemie hat den Trend nur verstärkt. Die Gründe sind vielfältig: Das Rauchverbot, günstiger Alkohol im Supermarkt oder auch geändertes Trinkverhalten. Zudem klagen Wirte über die Biersteuern, die zu den höchsten der Welt gehörten.

Zuletzt wurden die Pubs auch von Streiks bei den britischen Bahnen getroffen, es waren weniger Pendler unterwegs, niemand bummelte durch die Innenstädte. Das habe ihn um 25 Prozent seiner Erlöse gebracht, sagte Clive Watson, Gründer der Londoner Kneipenkette City Pub Group.

Vor allem aber wird die von der Pandemie von der gewaltigen Inflation behindert, die auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen ist. Die Kosten für Energie und Waren sind explodiert. Wie die Branchenverbände British Beer and Pub Association (BBPA), British Institute of Innkeeping und UK Hospitality ermittelten, arbeitet nur gut ein Drittel (37 Prozent) der Betriebe profitabel.

«Als Branche haben wir gerade die härtesten zwei Jahre seit Menschengedenken überstanden und stehen nun vor der Herausforderung extrem steigender Kosten», sagte BBPA-Chefin Emma McClarkin.

Statt Pubs zu verpachten, lassen die Eigentümer sie zu Wohnungen oder Büroräumen umbauen. Die Flächen sind oft zentral gelegen und damit äußerst attraktiv. Allein seit Jahresende 2021 verschwanden nach Altus-Zahlen rund 200 Pubs in England und Wales.

Die Branche fordert nun erneut staatliche Hilfe - auch weil Corona-Unterstützung wie niedrigere Mehrwertsteuersätze und eingefrorene Gewerbeimmobiliensteuern endeten. «Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir Erleichterungen erhalten, um diesen Druck zu verringern, oder wir riskieren, Jahr für Jahr noch mehr Pubs zu verlieren», sagte sie.

«Wenn Pubs gezwungen werden zu schließen, bedeutet dies einen enormen Verlust für die lokalen Gemeinden», sagte McClarkin. Auch die Denkfabrik Localis verwies bereits im Frühling 2021 auf die zentrale Rolle der Pubs für die Gemeinden.

Für viele Menschen sei der Pub-Besuch eine Möglichkeit, ihre Wohnung zu verlassen und sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen. Sprich: Einsamkeit und soziale Isolation würden vermieden. Gingen die Pubs vor allem auf dem Land verloren, könne dies den sozialen Kitt gefährden, warnte Localis. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die kroatische Restaurantkette Koykan treibt ihre Expansion in Europa voran. Nach Angaben des Unternehmens sollen bis Ende 2026 insgesamt 15 neue Restaurants in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien eröffnet werden. Bereits im Juni ist die Eröffnung eines Standorts in München vorgesehen.

Eine Analyse belegt signifikante Umsatzsprünge in Bars und Clubs während des ersten WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft. Klassische Restaurants und Cafés verzeichneten hingegen im gleichen Zeitraum rückläufige bargeldlose Umsätze.

Unter der kreativen Leitung von Culinary Director Peter Hagen-Wiest präsentiert das Eatrenalin ein neues Menü, das Kulinarik und multisensorische Unterhaltung verbindet. Mit dabei: Dieter Koschina und Hans Neuner.

Der Michelin Guide Deutschland hat zehn neue Bib-Gourmand-Restaurants für das Jahr 2026 bekanntgegeben. Damit umfasst die Auswahl bundesweit 147 Betriebe mit besonderem Fokus auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Droht der Wiesn ein Zelt-Chaos? Ein Wirt klagt gegen die Vergabe zweier Bierburgen – und trifft damit auch ein Herzstück des Oktoberfests. Was das für Gäste und Tradition bedeutet.

Yum Brands trennt sich von Pizza Hut und verkauft die Kette für insgesamt 2,7 Milliarden Dollar. Während das China-Geschäft an Yum China geht, übernimmt der Finanzinvestor LongRange Capital die restlichen Marktanteile.

Das Hotel Schlossgut Gross Schwansee arbeitet künftig mit Hendrik Otto an der langfristigen gastronomischen Ausrichtung. Der ehemalige Küchenchef des Lorenz Adlon Esszimmer unterstützt beratend die kulinarische Strategie und die Konzepte des Fünf-Sterne-Hauses nahe Lübeck.

Der Leaders Club Deutschland hat bei den Gastro Sessions in München die aktuellen Herausforderungen der Gastronomiebranche debattiert. Rund 200 internationale Teilnehmer diskutierten über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Digitalisierung und die Ansprüche der neuen Generation.

Das Frauennetzwerk Foodservice hat seine Aktivitäten auf die Schweiz ausgeweitet. Erste Veranstaltungen in mehreren Städten verzeichneten nach Angaben der Organisation eine hohe Beteiligung.

Ciao Bella von der Gustoso Gruppe wird neuer Gastronomiebetreiber in den Drei Höfen in Amberg. Ab August 2026 soll zunächst ein Frühstücksangebot starten, bevor im September der vollständige Restaurantbetrieb folgt.