„Menüs ohne Konzepte“ - Jürgen Dollase benennt Schwachstellen in der deutschen Spitzenküche

| Gastronomie Gastronomie

Der Restaurantkritiker Jürgen Dollase hat auf seinem Portal „Eat Drink Think“ eine kritische Bestandsaufnahme der deutschen Spitzengastronomie veröffentlicht. In dem Beitrag vom 9. März 2026 beschreibt er nach eigenen Angaben strukturelle Schwächen, die sich „bis in die absolute Spitze hinein“ zeigten.

Der vollständige Beitrag ist abrufbar unter: https://www.eat-drink-think.de/schwachstellenanalyse-der-avancierten-deutschen-kueche/

Handwerk und Aufbau von Gerichten im Fokus

Dollase sieht laut eigener Darstellung insbesondere Defizite bei der handwerklichen Umsetzung und der sogenannten sensorischen Struktur von Gerichten. Dazu zählen für ihn unter anderem Proportionen, Texturen, Temperaturen und Abläufe der Geschmackswahrnehmung. Häufig fehle eine klare Komposition, stattdessen entstünden Kombinationen ohne erkennbare Struktur.

Kritik an Aromendichte und Menügestaltung

Als weiteres Problem nennt er eine zunehmende „aromatische Verdichtung“ mit starker Ausrichtung auf intensive Geschmäcker. Dies könne laut Dollase zu einer als schwer empfundenen Gesamtwirkung führen.

Auch die Gestaltung von Menüs bewertet er kritisch. Nach seiner Darstellung seien viele Abfolgen nicht als Gesamtkonzept angelegt, wodurch sich einzelne Schwächen im Verlauf verstärken könnten.

Produkte, Spezialisierung und Bewertungssysteme

Beim Umgang mit Produkten, etwa bei Krustentieren, beschreibt Dollase Unterschiede zu anderen Ländern. Zudem gebe es nach seiner Einschätzung nur wenige klar erkennbare Spezialisierungen innerhalb der Spitzengastronomie.

Kritisch äußert er sich auch zu Restaurantführern. Er plädiert dafür, handwerkliche Kriterien stärker zu gewichten. Nach seiner Darstellung gebe es selbst in hoch bewerteten Betrieben wiederkehrende handwerkliche Schwächen.

Weitere Kritikpunkte

Darüber hinaus nennt Dollase unter anderem ein aus seiner Sicht eingeschränktes Dessertangebot, standardisierte Gartechniken sowie stilistische Ähnlichkeiten zwischen Restaurants. Auch der Umgang mit Produktqualität und kulinarischen Traditionen wird von ihm thematisiert.

Dollase weist darauf hin, dass seine Analyse pauschalisierend sei und Ausnahmen existierten.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ausnahmezustand in München: Bei weiß-blauem Himmel hat das Oktoberfest begonnen. Der neue Oberbürgermeister wuppt seine Anzapfpremiere mit Bravour. Für einige Gäste gab es einen Schreckmoment.

Beim traditionellen Mittagsempfang des Bundesverbands der Systemgastronomie trafen sich in München rund zweihundert Gäste. Im Mittelpunkt standen die Verleihung des Branchenpreises sowie die Forderung nach politischen Reformen. Zusätzlich zeichnete der Verband Ingrid Hartges mit dem Ehrenpreis aus.

Das 191. Münchner Oktoberfest ist eröffnet. Neu-Oberbürgermeister Dominik Krause zapfte bei seiner Anstich-Premiere mit zwei Schlägen das erste Fass Bier an und startete mit dem «O'zapft is» das weltberühmte Volksfest.

Das deutsche Gastgewerbe setzte im Juli 2026 real 4,0 Prozent weniger um als im Vorjahresmonat. In der Gastronomie sank der reale Umsatz um 4,7 Prozent, bei den Hotels und sonstigen Beherbergungsunternehmen um 2,0 Prozent.

Das Café an der Spanischen Treppe gehört zu den ältesten Kaffeehäusern in Italien. Schon Goethe war hier zu Gast. Jetzt steht es seit bald einem Jahr leer. Und kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.

Der Europa-Park hat das Mitarbeiterrestaurant „Coasteria“ mit integrierter Zentralküche eröffnet. In den 4.500 Quadratmeter großen Neubau investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Anteil der Befragten, nach deren Ansicht bargeldloses Bezahlen in gastronomischen Betrieben möglich sein sollte, ist gestiegen. YouGov weist gegenüber März 2025 bei allen abgefragten Orten höhere Werte aus.

Bei den ersten Chef:in Awards in Hamburg sind neun Frauen in sieben Kategorien ausgezeichnet worden. Sarah Hallmann und Julia A. Leitner teilen sich den Titel Köchin des Jahres 2026.

DoorDash hat mit Wonder die Übernahme von Grubhub Campus Dining für 300 Millionen US-Dollar vereinbart. Die Technologie soll künftig auch in Hotels eingesetzt werden.

Für die Tasty Planet GmbH, die Betreibergesellschaft des Hamburger Restaurants TamTam, ist keine Investorenlösung möglich. Kein Interessent wollte den Betrieb übernehmen, wie nun der Insolvenzverwalter mitteilte.