Mit Heizstrahlern und Decken: Außengastronomie im Norden geöffnet

| Gastronomie Gastronomie

Cappuccino am Morgen, Spargel zum Mittag und später ein Glas Wein: In Schleswig-Holstein haben viele Cafés und Restaurants am Montag nach monatelanger Corona-Unterbrechung ihre ersten Gäste begrüßt. Allerdings nur im Freien und unter strengen Auflagen. Nicht alle Kreise und Städte durften sich beteiligen.

Im «Café Wichtig» in Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) warteten zur Öffnung um 9.00 Uhr bereits die ersten Frühstücksgäste. Bei zaghaftem Sonnenschein und nur wenigen Graden über Null genossen sie unter Heizstrahlern und in Decken gehüllt heiße Getränke und frische Brötchen. Zum Mittag füllte sich die Terrasse mit 200 luftig gestellten Plätzen zusehends. Zur Wiedereröffnung stand frischer deutscher Stangenspargel auf der Speisekarte.

Die Kunden seien vorsichtig, achteten auf Abstände und seien erleichtert über das Stück Normalität, das zurückkehre, sagte Geschäftsführer Jan Schumann. «Das sieht man an den Gesichtern.» Dem Personal gehe es ebenso, es sei ein Tag guter Stimmung.

Die Landesregierung hatte die Öffnung in der vergangenen Woche unter strengen Auflagen erlaubt. Möglich ist die Bewirtung, wo die Zahl der Infektionen innerhalb von sieben Tagen je 100 000 Einwohner stabil unter 100 liegt. Es gelten die aktuellen Kontaktbeschränkungen, die Gastronomen müssen eine Nachverfolgung sicherstellen. Auf Abstände wird geachtet. Medizinische Schutzmasken sind Pflicht, nur am Tisch dürfen Gäste sie abnehmen.

Das «Luzifer» in Westerland auf Sylt wird frühestens am Dienstagnachmittag seine Terrasse öffnen. «Wir freuen uns, dass wir starten können», sagte Store Manager Bernd Felke. Allerdings seien die Informationen so kurzfristig gekommen, dass man noch ein bisschen Vorbereitungszeit brauche. Am Montag sei die Terrasse noch hergerichtet worden und Ware sei geliefert worden.

Etwas weiter südlich auf der Insel Pellworm standen vor der Bäckerei und dem Café Cornilsen erstmal nur vier Tische auf der Terrasse. Gäste hätten an diesem sehr frischen Vormittag von der neuen Freiheit noch keinen Gebrauch gemacht, sagte Inhaber Georg Cornilsen. Das Café ist ein beliebtes Ziel für Fahrradfahrer nach einer Inselrunde. Doch noch fehlen dazu die Urlaubsgäste.

«Haben Sie noch einen Tisch für uns frei?», fragte in der Kieler Innenstadt eine junge Frau am Eingang zum Burger Grill «Hans im Glück». Von 13 kleinen Außentischen besetzte sie dann mit ihrer Begleiterin den neunten. Inhaber Christopher Schmidt freute sich über regen Zulauf. «Wir hatten das gehofft», sagte er am Mittag. «Wir freuen uns, dass wir wieder Gäste begrüßen dürfen.» Bei «Hans im Glück» sitzen die Gäste ziemlich geschützt. Woanders waren vor Bäckereien, Imbissläden und Gaststätten viele Tische unbesetzt, was auch dem kühlfeuchten Wetter bei Temperaturen um acht Grad geschuldet war.

Kam die Sonne durch, nahmen auch dort Gäste Platz, um einen Kaffee zu trinken, eine Pizza zu essen oder sich auch ein frühes Bier zu gönnen. Dies hielt sich aber noch stark in Grenzen, zumal die Fähren aus Skandinavien noch keine Touristen herbringen dürfen. Recht rege ging es auch bei «dean&david» am Kieler Bootshafen zu, das mit «gesundem Fast Food» wirbt. «Für den heutigen Start ist das absolut okay», sagte Inhaber Lars Lenßen. «Man sieht, die Leute lechzen nach frischer Luft und etwas zu Essen draußen.»

Auch über die Terrasse der «Bar Celona» in Lübeck wehte am Montag ein kühler Wind. In dicken Winterjacken genossen Gunda und Fritz Rahlfs am Montagvormittag bei heißen Getränken den Blick über die Trave. «Wir wollten einfach mal wieder raus und draußen einen Kaffee trinken», sagte das Ehepaar aus Berkenthin im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Antonio Conteduca und seine Partnerin Brigitte ließen sich ihr Frühstück schmecken. «Diesem Tag haben wir entgegengefiebert. Ich hatte offen gesagt die Nase voll vom Drinnensitzen», sagte Conteduca. «Endlich wieder unter Leute kommen, das wird einfach Zeit.»

Für den Geschäftsführer des Restaurants, Egon Krautmann, bedeutet die Öffnung des Außenbereichs einen ersten Hoffnungsschimmer nach fünf Monaten im Lockdown. Von den 420 Plätzen im Außenbereich darf er gerade mal 50 öffnen. «Aber dadurch können wir unseren Gästen zeigen, dass wir noch da sind», sagte er. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die kroatische Restaurantkette Koykan treibt ihre Expansion in Europa voran. Nach Angaben des Unternehmens sollen bis Ende 2026 insgesamt 15 neue Restaurants in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien eröffnet werden. Bereits im Juni ist die Eröffnung eines Standorts in München vorgesehen.

Eine Analyse belegt signifikante Umsatzsprünge in Bars und Clubs während des ersten WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft. Klassische Restaurants und Cafés verzeichneten hingegen im gleichen Zeitraum rückläufige bargeldlose Umsätze.

Unter der kreativen Leitung von Culinary Director Peter Hagen-Wiest präsentiert das Eatrenalin ein neues Menü, das Kulinarik und multisensorische Unterhaltung verbindet. Mit dabei: Dieter Koschina und Hans Neuner.

Der Michelin Guide Deutschland hat zehn neue Bib-Gourmand-Restaurants für das Jahr 2026 bekanntgegeben. Damit umfasst die Auswahl bundesweit 147 Betriebe mit besonderem Fokus auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Droht der Wiesn ein Zelt-Chaos? Ein Wirt klagt gegen die Vergabe zweier Bierburgen – und trifft damit auch ein Herzstück des Oktoberfests. Was das für Gäste und Tradition bedeutet.

Yum Brands trennt sich von Pizza Hut und verkauft die Kette für insgesamt 2,7 Milliarden Dollar. Während das China-Geschäft an Yum China geht, übernimmt der Finanzinvestor LongRange Capital die restlichen Marktanteile.

Das Hotel Schlossgut Gross Schwansee arbeitet künftig mit Hendrik Otto an der langfristigen gastronomischen Ausrichtung. Der ehemalige Küchenchef des Lorenz Adlon Esszimmer unterstützt beratend die kulinarische Strategie und die Konzepte des Fünf-Sterne-Hauses nahe Lübeck.

Der Leaders Club Deutschland hat bei den Gastro Sessions in München die aktuellen Herausforderungen der Gastronomiebranche debattiert. Rund 200 internationale Teilnehmer diskutierten über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Digitalisierung und die Ansprüche der neuen Generation.

Das Frauennetzwerk Foodservice hat seine Aktivitäten auf die Schweiz ausgeweitet. Erste Veranstaltungen in mehreren Städten verzeichneten nach Angaben der Organisation eine hohe Beteiligung.

Ciao Bella von der Gustoso Gruppe wird neuer Gastronomiebetreiber in den Drei Höfen in Amberg. Ab August 2026 soll zunächst ein Frühstücksangebot starten, bevor im September der vollständige Restaurantbetrieb folgt.