"O'zapft is" – 190. Oktoberfest in München eröffnet

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Weiß-blauer Himmel, hochsommerliche Temperaturen, strahlende Menschen in Dirndl und Lederhosen: In München hat das 190. Oktoberfest begonnen. Bei rund 30 Grad draußen fließt zum Anstich nicht nur das Bier in Strömen, sondern auch der Schweiß - da wäre der Anstich beinahe schiefgegangen. 

Er habe so geschwitzt an seinen Händen, dass er gedacht habe, der Schlegel falle ihm aus der Hand, sagt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dem Bayerischen Rundfunk, nachdem er trotz aller Widrigkeiten routiniert mit zwei Schlägen das erste Fass angezapft hat. «Es war echt anstrengend heute, viel mehr als in den vergangenen Jahren.» 

Bier zum Abkühlen

 «Puh, ist das warm», entfährt es auch dem bierzelterprobten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), als er die Anzapfboxe im Schottenhamel-Zelt betritt.

Doch Abkühlung naht schnell: Wie es seit Jahrzehnten Tradition ist, bekommt der bayerische Ministerpräsident auch 2025 die erste Maß. «Die Wiesn ist die beste Form, gegen die Krisen der Welt anzukämpfen. Einfach Auszeit, ein bisschen Lebensfreude, Kraft tanken», sagt Söder, spricht von einem «Moment der Friedlichkeit».

Reiter: «Glück gehabt»

Reiter ist vor allem erleichtert: «Glück gehabt, es ist gut gegangen», sagt er. «Es war aber heute tatsächlich viel schwieriger als in den vergangenen Jahren, weil es so heiß war.» Er habe tatsächlich Befürchtungen gehabt: «Aber nur weil es so heiß war, nicht wegen der Schulter. Die hat das schon ausgehalten.» Reiter war im Mai an der Schulter operiert worden und hat nach eigenen Angaben immer noch Probleme damit. 

Söder zeigt Verständnis - auch dafür, dass Reiter etwas spritziger anzapfte als üblich: «Der runde Schlegel ist fies – da kann man leicht abrutschen», sagt er, der zum zweiten Mal in Lederhose zum Anzapfen gekommen ist. Aber: «Was kann es heute schöneres Parfum geben auf der Haut als Bier.»

16 Tage lang, bis zum 5. Oktober, werden Besucher aus München, dem Umland, Deutschland und der ganzen Welt erwartet, um in den großen Bierzelten zu feiern, Riesenrad oder Wilde Maus zu fahren. Mehr als sechs Millionen sind es üblicherweise pro Jahr. Der Rekord liegt bei über sieben Millionen. 

Über drei Stunden warten auf das erste Bier

Die Ersten hatten schon in den frühen Morgenstunden, noch im Dunkeln, an den Zäunen rund um die Wiesn ausgeharrt und auf den Einlass um 9.00 Uhr gewartet, um einen Tisch in einem der Bierzelte zu ergattern. Dort warteten sie dann drei weitere Stunden auf die erste Maß Bier. Nach dem Anzapfen sind die ersten Zelte schon am frühen Nachmittag wegen Überfüllung geschlossen. 

Laut DWD wurden am Nachmittag an der Messstelle Theresienwiese rekordverdächtige 31 Grad registriert - viele Wiesngäste fächerten sich Luft zu oder schützten sich mit Schirmen gegen die Sonnenstrahlen.

Doch nicht alle sind wegen des Alkohols auf der Wiesn. Schlagerstar Jürgen Drews (80) verschmäht das klassische Bier zur Eröffnung. Er sei «Anti-Alkoholiker», sagt er dem Bayerischen Rundfunk (BR) im Schottenhamel-Festzelt. Er wollte das Bier an Moderator Florian Silbereisen weiterreichen, der neben ihm stand. Silbereisen hat aber eine Lösung parat: «Es gibt auch alkoholfreies Bier, das holen wir dir gleich!»

Für Beni Hafner alias Oimara steht bei dieser Wiesn eher die Musik im Vordergrund. Sein Hit «Wackelkontakt» hat gute Chancen, der Wiesn-Hit des Jahres 2025 zu werden. Das ist ihm aber gar nicht so wichtig: «Der Song wird sicher gespielt, ob es jetzt der Wiesn-Hit ist, ist auch schon wurscht. Hauptsache, ich höre es einmal im Zelt, dann hat sich mein Traum schon erfüllt», sagt der Sänger der Deutschen Presse-Agentur beim Anstich im Schottenhamel-Festzelt. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Er selbst wird viermal auf dem Oktoberfest sein.

Todesfall überschattet Wiesn-Start

Damit es fröhlich und friedlich bleibt, haben die Behörden das Sicherheitskonzept für die Wiesn in diesem Jahr noch einmal etwas verschärft, das Messerverbot wurde vom Festgelände auf das Umfeld ausgeweitet. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Es gibt Einlasskontrollen, große Taschen sind verboten - und das Kiffen ohnehin. 

Doch der Start des Oktoberfestes wird von einem tragischen Todesfall überschattet: Noch vor der Eröffnung starb eine 70 Jahre alte Frau im Bereich der Schausteller-Wohnwagen. 

Am Morgen ging ein Notruf bei den Einsatzkräften ein, wie der Wiesn-Sanitätsdienst der Aicher Ambulanz mitteilte. Ein Einsatzteam war schnell vor Ort und begann mit der Reanimation. Diese blieb den Angaben zufolge erfolglos – die Frau starb noch vor Ort. Ein Kriseninterventionsteam übernahm die Betreuung der Angehörigen.

Gesundheitliche Probleme - wegen der Hitze und des Alkohols

Vielen Wiesn-Besuchern machte zudem die Hitze zu schaffen. Bis zum Nachmittag meldete die für den Rettungsdienst verantwortliche Aicher Ambulanz mehr als 280 Behandlungen - vor allem infolge der Hitze. Die jüngste Patientin war den Angaben zufolge erst 11 Jahre alt und klagte über Kreislaufprobleme.

Am späten Nachmittag dann der erste Fall von zuviel Alkohol: Ein 18-jähriger Mann aus Arizona (USA) sei von einem Trageteam zur Sanitätswache gebracht worden, teilte die Ambulanz mit. 2,9 Promille habe die Messung ergeben. (dpa)


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