Patriarch alter Schule – Steakhaus-König Eugen Block wird 85

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Als Unternehmer kann der Hamburger Gastronom Eugen Block auf ein erfolgreiches Lebenswerk zurückblicken – doch als Familienoberhaupt hat ihn das Glück verlassen. Seine Restaurantkette «Block-House» hat ihn deutschlandweit bekannt gemacht. In der Öffentlichkeit taucht sein Name in jüngster Zeit häufig aus einem anderen Grund auf: Um zwei seiner Enkel führen seine Tochter Christina und ihr Ex-Mann Stephan Hensel seit Jahren einen erbitterten Sorgerechtsstreit.

Seit dem 11. Juli steht die 52-Jährige als Angeklagte vor dem Landgericht Hamburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus der Obhut ihres in Dänemark lebenden Ex-Mannes in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet das. Eugen Block steht fest an ihrer Seite. Zeitweise ermittelte die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn, klagte ihn dann aber nicht an, weil es an hinreichendem Tatverdacht fehlte. An diesem Samstag wird er 85 Jahre alt.

47 «Block House»-Standorte

Der in Harkebrügge in der Nähe von Oldenburg (Niedersachsen) geborene Katholik ist gelernter Hotel- und Gaststättenkaufmann. Im September 1968 gründete er sein erstes «Block House» in Hamburg-Winterhude. Die Idee dazu kam ihm nach eigenen Worten in den USA. Heute gibt es nach Angaben einer Unternehmenssprecherin in Deutschland 47 «Block House»-Filialen und elf «Jim Block»-Burgerrestaurants, die nach dem Prinzip der Systemgastronomie arbeiten. Auch in Spanien, Portugal und der Schweiz ist die Kette vertreten. Zur Eugen Block Holding GmbH gehören 18 Unternehmen mit rund 2.800 Mitarbeitern. Der Umsatz betrug im Jahr 2023 laut einem Geschäftsbericht 493 Millionen Euro.

Neben Betrieben zur Fleisch- und Lebensmittelverarbeitung (Block House Fleischerei GmbH und Block Menü GmbH) betreibt die Gruppe das Fünf-Sterne-Hotel Grand Elysée in Hamburg sowie das Seehotel und das Fischhaus in Zarrentin am Schaalsee (Mecklenburg-Vorpommern). An den St.-Pauli-Landungsbrücken gibt es seit 2012 das Gast- und Brauhaus «Blockbräu». Das Elysée-Hotel feierte in diesem Sommer sein 40-jähriges Bestehen.

«Patriarch alter Schule»

Als Unternehmer ist Eugen Block mehrfach ausgezeichnet worden. Sein Familienimperium engagiert sich für soziale Projekte, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und für das Tierwohl. Die Stiftung Block fördert Schulen in mehreren afrikanischen Ländern. Die Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer verlieh Eugen Block und seiner Frau Christa den Preis als «Hamburgs Unternehmer des Jahres 2004». Das seit 1970 verheiratete Paar bekam drei Kinder und sieben Enkelkinder. Christa Block starb im Juli 2023.

In einer Erklärung vor Gericht bezeichnete Christina Block ihren Vater als «Patriarch alter Schule». Ihre Mutter habe eine «Seele aus Gold» gehabt und die Familie zusammengehalten. Sie sei an Kummer über die Trennung von den Enkelkindern gestorben. Dem Scheitern der Ehe von Christina Block ging nach ihrer Darstellung ein Konflikt zwischen ihrem Ex-Mann und dem Unternehmen voraus. Stephan Hensel, seit 2005 Geschäftsführer der Fleischerei, war demnach 2009 entlassen worden.

«Ich weine oft um meine Enkel»

Eugen Block stellte sich vorbehaltlos hinter seine Tochter. Wenige Tage nach der Entführung seiner Enkelkinder und deren Rückgabe an den Vater sagte er dem «Hamburger Abendblatt»: «Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel.»

In einem offenen Brief schrieb er im Mai 2025, er habe sich sein Leben lang für Werte wie Verantwortung, Verlässlichkeit und Gerechtigkeit eingesetzt und wisse, dass familiäre Konflikte oft komplex seien. «Aber eines darf nie passieren: Dass Kinder von einem Elternteil vollständig entfremdet und der Familie entzogen werden – ohne Rücksicht auf die emotionalen Folgen für die Kinder, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben.» Der Großvater fügte hinzu: «Ich schreibe, weil ich oft um meine Enkel weine – und weil ich darauf hoffe, dass sie bald erfahren, wie sehr sie vermisst werden. Und wie sehr sie geliebt sind.»

Zeugenaussage vor Gericht?

Im Prozess bestätigte Christina Block, dass ihr Vater Privatdetektive beauftragte, um etwas über die beiden Kinder in Dänemark herauszufinden. Sie sollten einen «Background-Check» machen und in Erfahrung bringen, wie es den Kindern geht, ob sie zur Schule gehen und was der Vater macht. Sie berichtete auch, dass sie vor der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 überlegte, wie sie Kontakt zu ihrem damals zehnjährigen Sohn und ihrer 13 Jahre alten Tochter bekommen und sie zurückholen könnte. Eine Idee sei gewesen, mit einem Boot über die Flensburger Förde zum Haus ihres Ex-Mannes in Süddänemark zu fahren. Ihr Vater habe an der Förde ein Boot gekauft.

Möglicherweise wird Eugen Block vor Gericht dazu aussagen müssen. Die Staatsanwaltschaft hat ihn als Zeugen benannt. Trotz des Konflikts um seine Enkelkinder kümmert er sich weiter intensiv um seine Unternehmen, obwohl er bereits 2016 seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft verkündet hatte. Bis heute sei er «Kopf und Herz der Block Gruppe», heißt es auf der Firmen-Website. Sein Detailwissen über Küche und Gastronomie möchte er nicht für sich behalten. In diesem Sommer ist ein kleines Buch von ihm erschienen. Titel: «Blocks Gastro-Bibel». (dpa)


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