Pizza in der Plastikbox? Tübingen testet Mehrwegsystem

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Rebowls und Recups gibt es in der Universitätsstadt Tübingen schon seit einiger Zeit. Nun kann man beim Kauf einer Pizza zum Mitnehmen eine Mehrwegbox für 5 Euro Pfand wählen. Bisher sechs Betriebe haben sie laut Stadt im Einsatz. Pizza im Karton gibt es jedoch weiter, dafür müssen 50 Cent Verpackungssteuer gezahlt werden. 

Kaffeebecher, Plastikbesteck - nun auch Pizzaboxen

Die Verpackungssteuer gilt in Tübingen seit dem 1. Januar 2022. Sie wird auf Einwegverpackungen, -geschirr und -besteck beim Verkauf von Speisen und Getränken zum Mitnehmen oder für den sofortigen Verzehr erhoben. Dabei ist egal, aus welchem Material die Artikel sind. Der Steuerbetrag beträgt 50 Cent für Einwegverpackungen wie Kaffeebecher. Tübingen ist mit einer solchen Steuer Vorreiter. In Konstanz wurde Anfang des Jahres eine Verpackungssteuer eingeführt. Die Stadt Freiburg führt sie zum 1. Januar kommenden Jahres ein. 

Werden die Menschen in Tübingen die Pizza-Boxen annehmen?

Die Bereitschaft ein Pfand für Mehrwegboxen zu bezahlen, sei in einer Stadt wie Tübingen sehr, sehr gut, sagt Herbert Rösch, Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle in Tübingen. «Da wir ein sehr junges umweltbewusstes Publikum und Gäste haben. Die Akzeptanz mit einer jungen Bevölkerung ist sicherlich größer als in Städten, in denen keine Universität ist und wo die Bevölkerung vielleicht vom Durchschnittsalter älter ist.» Die Pizza-Bäcker, die man befragt habe, sagen, die Pizza schmecke wie im herkömmlichen Karton. Und die Wärme werde in der Box viel besser gespeichert. 

Das sagen die Tübinger

Die Tübingerin Beate Marz sagt: «Ich habe ungefähr vor einer Woche das erste Mal von den Pizzaboxen gehört. Also die Idee finde ich gut. Ich würde gerne Pfand dafür bezahlen, weil ich es ja wieder zurückbringen kann. Ich würde es aber auch gerne testen vorher, weil mir die Qualität der Pizza doch auch wichtig wäre.»

Sven Jooß aus Tübingen findet es gut, wenn man Verpackungen vermeidet. Er wäre bereit, die fünf Euro für die Box zu bezahlen. «Ich meine, das Geld kriegt man auch wieder zurück. Also bin ich auf jeden Fall bereit, das zu zahlen.» Durch die Verpackungssteuer würden Menschen zumindest mehr sensibilisiert dafür, dass Müll produziert werde, wenn man sich Essen mitnehme. «Ob es jetzt bei den meisten oder bei vielen Menschen das Verhalten auch ändert, ist die große Frage.»

Yüksek Yilik hält davon nichts: «Also ich halte grundsätzlich von Kunststoffbehältern nichts. Es ist erstens sehr umweltschädlich, zweitens - wie schmeckt das nachher?» Wenn er Pizza esse, dann dort, wo die Pizza gebacken werde. «Ich nehme das nicht mit, grundsätzlich. Aber ich würde auch nicht fünf Euro dafür bezahlen.»

Nach Auskunft der Eigentümerin der Pizzeria Giglio, Alida Shehaj, freuen sich die Kunden über das neue Angebot. «Wow, das finden wir toll» hätten viele gesagt. Nicht alle hätten die Boxen gleich zurückgebracht. Manche hätten sie auch behalten. 

Was hält der Dehoga von den Mehrwegpizza-Boxen?

Die Einführung der Mehrwegboxen für Pizza sei ein wichtiger Meilenstein für ein Mehrwegsystem in Tübingen, sagt Rösch. Die Einführung sei ein wichtiger Faktor für die Umwelt. «Der Dehoga sieht die Belastung für die Betriebe, aber auf der anderen Seite ist der Umweltgedanke auch bei uns Gastronomen ein wichtiger Faktor. Unabhängig davon ist die Müllvermeidung im heutigen Zeitalter sehr wichtig.» Die Akzeptanz durch die Kunden sei recht groß. «Wobei ich mir natürlich wünschen würde, dass sie größer wäre.» 

Die Umsetzung sei für die Betriebe nicht ganz einfach, weil es ein finanzieller Kraftakt sei. «Man muss sich vorstellen: Bestellung, Lagerung, Nachbestellung bis natürlich dem Handling im Alltag vom Reinigen, Spülen etc. und dann natürlich noch die Abrechnung mit der Steuerbehörde. Das alles ist Mehraufwand, der für viele kleine Betriebe schon zu einem Kostenfaktor wird.»

Palmer sieht Verpackungssteuer als Treiber von Mehrweg 

Mit der Verpackungssteuer habe man alle Ziele erreicht, sagt OB Boris Palmer. «Der Mehrweganteil ist drastisch gestiegen, wahrscheinlich um den Faktor 10. Wir haben deutlich weniger Müll auf den Straßen. Die Verursacher zahlen für die Beseitigung des Mülls.» Und eine Million Euro mehr lande in der Stadtkasse. 

Die Ausweitung der Verpackungssteuer auf Pizzas sei bisher ein Problem gewesen, sagt Palmer. «Dafür gab es keine Mehrwegverpackung. Und jetzt gibt es eine Mehrwegpizzabox, die alle Qualitätskriterien erfüllt und damit kann die Verpackungssteuer ihr Ziel auch bei Pizza erreichen, nämlich Umstieg auf Mehrweg.» Die Boxen seien von einem württembergischen Hersteller. «Es ist eine spezielle harte Plastikform (Polypropylen). Man kann die Pizza darin auch schneiden, ohne dass die Box kaputtgeht. Die Pizza-Bäcker, die wir gefragt haben, sagen, gleiche Qualität beim Essen wie im herkömmlichen Karton.» 

Die Boxen könne man selbstverständlich deutschlandweit anbieten. «Nur wo keine Verpackungssteuer ist, wird sie keiner benutzen, weil die Erfahrung zeigt, der finanzielle Anreiz ist das, was die Leute an Mehrweg interessiert. Für die Umwelt tun es nur sehr wenige, sagt Palmer. (dpa)


 

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