Potsdam beschließt Verpackungssteuer ab Juli 2026

| Gastronomie Gastronomie

Potsdam beschließt Verpackungssteuer ab Juli 2026

Die Stadtverordnetenversammlung von Potsdam hat am 25. März 2026 die Einführung einer Verpackungssteuer beschlossen. Wie die Landeshauptstadt mitteilt, soll die Abgabe auf Einwegverpackungen zum 1. Juli 2026 in Kraft treten und richtet sich an Endverkäufer von Speisen und Getränken, insbesondere im To-go- und Imbissbereich.

Steuer auf Einwegverpackungen und -besteck

Nach Angaben der Stadt werden Einwegverpackungen erfasst, die typischerweise für den unmittelbaren Verzehr im Stadtgebiet bestimmt sind. Klassische Einkäufe zum späteren Konsum sind von der Regelung ausgenommen.

Für nicht wiederverwendbare Verpackungen sind differenzierte Steuersätze vorgesehen. Einwegverpackungen wie Becher, Teller oder Schalen sollen mit 0,50 Euro je Einheit besteuert werden, für Einwegbesteck sind 0,20 Euro je Einheit vorgesehen. Verpackungen, die einem gesetzlichen Einwegpfand unterliegen, sind ebenso ausgenommen wie Betriebe, die vollständig auf Mehrweg setzen oder auf Einweg verzichten.

Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner erklärte laut Mitteilung: „Uns ist bewusst, dass die Einführung der Verpackungssteuer für viele Betriebe zunächst mit Anpassungen verbunden ist. Gleichzeitig eröffnet sie die Chance, Verpackungslösungen nachhaltiger zu gestalten und den Einsatz von Einwegmaterialien deutlich zu verringern.“

Ziel: Sauberkeit im öffentlichen Raum

Wie die Stadt weiter mitteilt, verfolgt die Maßnahme das Ziel, die Sauberkeit im öffentlichen Raum zu verbessern und die Nutzung von Einwegverpackungen zu reduzieren. Die Einführung geht auf einen Beschluss der Stadtverordneten vom November 2024 zurück und ist Teil eines Konsolidierungsprogramms für den Haushalt 2025. Ab dem Jahr 2027 rechnet die Verwaltung mit jährlichen Einnahmen von rund einer Million Euro.

Bei der Ausarbeitung der Satzung wurden nach Angaben der Stadt unter anderem die Industrie- und Handelskammer Potsdam, die Handwerkskammer Potsdam, der Handelsverband Berlin-Brandenburg, der Dehoga Brandenburg, die Verbraucherzentrale Brandenburg sowie der Bundesverband der Systemgastronomie beteiligt.

Als Orientierung dienten Erfahrungen anderer Städte. So erhebt Tübingen seit 2022 eine Verpackungssteuer, weitere Kommunen wie Konstanz und Freiburg im Breisgau führten ähnliche Regelungen in den Jahren 2025 und 2026 ein.

Verbände äußern Kritik

Ein Bündnis aus Branchenverbänden, darunter der Bundesverband der Systemgastronomie, die Industrie- und Handelskammer Potsdam, der Handelsverband Berlin-Brandenburg sowie der Dehoga Brandenburg, kritisiert die Entscheidung. Nach Angaben des Bündnisses führe die Steuer zu zusätzlichen Belastungen für Betriebe, Verbraucher und Verwaltung.

Das Bündnis erklärt, eine kommunale Verpackungssteuer könne Investitionen erschweren und zu Preissteigerungen führen. Als Beispiel wird ein Kaffee genannt, der sich durch zusätzliche Abgaben von 1,50 Euro auf 2,33 Euro verteuern könne. Auch für Speisen zum Mitnehmen seien Preissteigerungen von bis zu vierzig Prozent möglich.

Zudem verweisen die Verbände auf einen erhöhten Verwaltungsaufwand. Betriebe müssten neue Abrechnungssysteme einführen und zusätzliche Dokumentationspflichten erfüllen. Gleichzeitig entstehe auch für die Kommune ein erhöhter Aufwand bei Erhebung und Kontrolle der Steuer.

Nach Einschätzung des Bündnisses könnten zusätzliche Abgaben in einer wirtschaftlich angespannten Lage erfolgen. Es verweist dabei auf eine Analyse von Creditreform, wonach die Zahl der Insolvenzen im Gastgewerbe zuletzt überdurchschnittlich gestiegen sei.

Weitere Informationen geplant

Die Stadt kündigt an, Gewerbetreibende mit Informationsangeboten zu unterstützen. Geplant ist unter anderem eine Informationsveranstaltung im Mai. Ergänzende Hinweise und Auslegungshilfen zur Verpackungssteuer sollen in einem Katalog bereitgestellt werden. Weitere Informationen zu Mehrwegangeboten stellt die Stadt auf ihrer Internetseite bereit.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der frühere Profifußballer Lukas Podolski betreibt schon eine ganze Dönerkette. Auch Schauspieler Frederick Lau plant nun in Berlin einen Dönerladen. Allerdings ganz ohne Fleisch.

Der Betreiber des TamTam im Hamburger Hanseviertel hat Insolvenz beantragt. Der aktuelle Betrieb war erst im Oktober 2025 gestartet. Zuvor hatte das frühere Le Big TamTam im September 2025 geschlossen.

Der Koch Markus Stöckle will im Herbst 2026 ein neues Restaurant in der Zürcher Altstadt eröffnen. Das Lokal entsteht an der Glockengasse 7 im Kreis 1, wo früher das Restaurant Kaiser’s Reblaube ansässig war. Stöckle gehe das Projekt gemeinsam mit seiner Partnerin Elif Oskan an, berichtet der Gastroführer GaultMillau.

Nach fünf Jahren Planung und Sanierung ist der Berggasthof Streichen im Chiemgau wieder geöffnet. Das Haus bietet 90 Plätze im Gasthof, 140 Sitzplätze im Biergarten und elf Gästezimmer; neuer gastronomischer Partner ist Augustiner-Bräu.

Nach wochenlangem Hickhack ist nun auch die Vergabe für ein letztes Wiesnzelt geklärt: Der Gastronom Klaus Bartl bekommt doch noch sein Wiesnzelt – und muss jetzt im Rekordtempo aufbauen. Der Grundsatzstreit um die Zeltvergabe ist dennoch nicht beigelegt.

Das Berliner Hotel Luc ersetzt sein bisheriges Gastronomiekonzept Heritage durch das neue Angebot You. Das Restaurant und Bar-Konzept soll künftig flexibler auf urbane Gästeanforderungen reagieren.

YouLend und Just Eat Takeaway.com haben eine Zwischenbilanz ihrer Kooperation vorgelegt. Seit dem Start der Partnerschaft im Jahr 2022 wurden demnach europaweit Finanzierungen in einer Gesamthöhe von mehr als 150 Millionen Euro an Gastronomiebetriebe vermittelt.

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet Adults-only-Gastronomie – und würde lieber ihren Vierbeiner mitnehmen als den Nachwuchs des Tischnachbarn zu tolerieren. Die Zustimmung zu Angeboten nur für Erwachsene unterscheidet sich der Umfrage zufolge deutlich nach Altersgruppen.

Klagen, Rücktritte, geplatzte Träume: Ein Münchner Wirt sorgt für Wirbel auf dem Oktoberfest. Was steckt hinter dem überraschenden Rückzug – und wer könnte profitieren?

Der Dehoga Bayern hat die Sieger des Wettbewerbs zum Lieblingsbiergarten 2026 bekannt gegeben. Mehr als 16.300 Gäste stimmten über insgesamt 72 teilnehmende Betriebe in drei Größenkategorien ab.