Regionale Gastronomen gehen neue Wege - Ideen aus der Heide

| Gastronomie Gastronomie

Hochzeiten werden auf Gut Thansen nur noch sehr vereinzelt gefeiert. Anfragen gibt es genug, aber die aufwendigen Events am Wochenende benötigen viel Servicepersonal - und das ist für das abgelegene Landhotel in Sodersdorf in der Lüneburger Heide nicht so einfach zu bekommen. Stattdessen setzen Geschäftsführer Philipp von Stumm und seine Frau Christine auf Seminare in der Woche und zahlen gute Löhne über Tarif. Genügend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sie trotzdem nie. 

Die ganze Branche horchte auf, als das Gut vor einem Jahr mit Lockangeboten - bis zu 11.000 Euro Prämie gezahlt bei Verbleib von drei Jahren - für Köche und Hotelpersonal warb. Das Konzept habe zwar einige angelockt, sagt von Stumm, der seit 21 Jahren das Seminarhotel führt. Geblieben sei aber lediglich ein Koch. «Es war nicht nachhaltig.»

Mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt das Gut und versucht mit Rücksicht auf den Personalmangel, die Wochenenden freizuhalten. Besondere Bauchschmerzen bereitete von Stumm zuletzt die Absage einer Geburtstagsfeier mit 200 Leuten, weil Personal kurzfristig ausfiel. «Früher konnte ich noch jemanden anrufen, wenn zwei absagen, heute kriegen Sie keinen mehr», berichtet er. 

Man schule quer aus anderen Berufen und habe gute Erfahrungen mit Auszubildenden im Gastro-Bereich aus Indonesien gemacht. Aber das reiche nicht aus: «Es nervt, ich verspüre eine gewisse Ohnmacht», sagt von Stumm. 

Koch wird im Restaurant beteiligt

Das Naturhotel Schäferhof in Schneverdingen geht einen innovativen Weg: Es hat den Restaurantbetrieb 2020 ausgegliedert und Koch, Bäckerin sowie die Buchhaltung als Gesellschafter beteiligt. «Das ist ein Erfolgskonzept, um die Mitarbeiter zu binden», erzählt Geschäftsführer Christian Glet. Seitdem würden die Drei unternehmerisch denken: Wie kann man den Ertrag steigern, wie Mitarbeiter binden? Das habe schon in der Corona-Zeit neue Ideen gebracht. 

Der Schäferhof werde zu 70 Prozent von Stammgästen besucht, das Budget für den Restaurant-Besuch sei aber bei vielen schmaler geworden. Preissteigerungen nach der Mehrwertsteuererhöhung seien deshalb nicht möglich gewesen: «Da bleiben die Gäste weg», meint Glet. Und weil die Wirtschaftsbedingungen sich verändert hätten, vieles teuer geworden ist und auch die Personalkosten durch den Mindestlohn gestiegen sind, will Glet demnächst den ein oder anderen Ruhetag mehr einplanen. 

Viele Quereinsteiger 

Auch auf dem Stimbekhof in Oberhaverbeck stehen die Servicekräfte nicht Schlange. Und dennoch läuft es gut. «Wenn sich jemand initiativ bewirbt, lassen wir den nicht auf der Straße stehen», sagt Geschäftsführer Björn Bohlen. Das Personal komme in der Regel aus der Region, es gebe viele Extraleistungen. 

Fachkräfte mit klassischer Hotelfachausbildung bewerben sich kaum noch, aber Quereinsteiger sind Bohlen ebenso lieb: «Ich bin überzeugt, dass wir andere Wege gehen müssen. Alles steht und fällt damit, wie man an die Aufgaben herangeführt wird.» Der Mehraufwand lohne sich: «Auch Quereinsteiger sind hervorragende Gastgeber. Und man kann sehr glücklich werden in der Branche.»

Umdenken ist auch für Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, das Stichwort. So seien inzwischen die Arbeitszeiten ein großes Thema. Beschäftigte würden viel schneller wechseln als früher. «Man muss mit der Zeit gehen, auch die Vier-Tage-Woche kann interessant sein», sagt der Tourismus-Experte: «Die jungen Leute denken anders. Wenn man darauf eingeht, machen sie einen tollen Job.»


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Frans Zimmer, bekannt unter dem Künstlernamen Alle Farben, tritt beim Festival Chefs in Town 2026 in Düsseldorf mit zwei kulinarischen Formaten an. Gemeinsam mit Florian Conzen und Mike Süsser gestaltet der Musiker ein Restaurant-Takeover sowie ein Angebot am Foodtruck.

Beim Auswärts-Essen kommt am Ende die Rechnung, und viele geben netten Bedienungen dann auch etwas mehr. Das geht nicht nur bar. Verbraucherschützer kritisieren «Design-Tricks» bei digitalen Optionen.

Die Eat Happy Group führt mit Mrs. Yumami eine neue Marke für koreanische Lebensmittel ein. Zum Start kommt Korean Style Fried Chicken in den Sorten Sweet & Spicy und Soy & Garlic in deutsche Supermärkte.

Lufthansa nimmt ab September fünf warme Speisen in das Onboard-Delights-Angebot auf. In der Economy Class können Passagiere unter anderem Currywurst von Dönninghaus und einen Cheeseburger von Hans im Glück vorbestellen.

​​​​​​​Der Kochberuf scheint bei jungen Menschen wieder stärker gefragt zu sein. In Dresden beginnen in diesem Sommer 186 Nachwuchskräfte eine Ausbildung zum Koch oder zur Köchin. Der Beruf gewinnt nach Einschätzung des Tourismusverbandes wieder an Attraktivität.

Feinkost Käfer baut seine Aktivitäten in Japan aus. In Fukuoka hat die erste Käfer Alps Kitchen eröffnet. Das Engagement des Münchner Unternehmens in Japan reicht bis 1992 zurück – und bereits 2016 gab es Pläne für eine eigene Coffee-Shop-Kette.

Bei den Uber Eats Awards 2026 wurden durch ein öffentliches Online-Voting 16 Betriebe als Bundesland-Gewinner für das Halbfinale ermittelt. Eine Jury um Sternekoch Tim Raue kürt im Finale in Berlin den Sieger des mit 40.000 Euro dotierten Titels.

Das Gastronomiekonzept The Dawn eröffnet einen neuen Standort mit 250 Sitzplätzen auf dem Dach des Kalle Neukölln in Berlin. Neben ganztägigem Frühstück setzt der Betrieb auch auf kulturelle Veranstaltungen.

Das Berlin Food Network ist mit rund 100 Gästen in der Hauptstadt gestartet. Der neue Verein will Akteure der gesamten Food-Branche vernetzen, ihre Sichtbarkeit erhöhen und sie auch bei politischen Terminen vertreten. Eine GRW-Förderung für den weiteren Aufbau ist bereits bewilligt.

Das britische Gastronomieunternehmen Loungers expandiert erstmals nach Deutschland und eröffnet im Oktober einen Standort in Essen-Rüttenscheid. Unter dem Markennamen Southville wird das Konzept für den deutschen Markt angepasst.