Restaurants starten im Südwesten mit Existenzängsten

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Nach wochenlanger Corona-Zwangspause darf die Gastronomie im Südwesten ab Montag jedenfalls teilweise wieder den Betrieb aufnehmen. Doch die Unsicherheit ist groß. «Wir begrüßen, dass zumindest Teile der Gastronomie wieder öffnen dürfen», heißt es beim baden-württembergischen Ableger des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. «Allerdings werden die Auflagen dazu führen, dass die Betriebe keine normalen Umsätze erwirtschaften können - das ergibt sich allein schon aus den Abstandsregelungen.»

Einiges dazu zu sagen hat beispielsweise Arnulf Schmidt, Inhaber des Campingplatzes Wagenburg, Oberes Donautal. Ihn scheinen sehr viele Anfragen zu erreichen, weshalb er die Informationen der Einfachheit halber direkt auf den Anrufbeantworter spricht. Ja, Camping sei ab dem 18. Mai erlaubt - aber nur für Wohnmobile und Wohnwagen, die sich selbst versorgen könnten, denn der Sanitärbereich müsse geschlossen bleiben. Auch dürften nicht unbegrenzt Gäste aufgenommen werden, der Abstand müsse gewahrt werden. Schmutzwasser könne außerhalb geleert werden, auch Wasser stehe zur Verfügung. Man freue sich auf die Gäste, heißt es in der mehr als zweiminütigen Info.

Dehoga: Tausende Südwest-Betriebe stehen vor dem Aus

Das Sterben in der Gastronomie wegen der Corona-Krise hat laut Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bereits begonnen. «Die Notlage in unserer Branche spitzt sich zu, uns erreichen täglich neue Nachrichten von Betriebsaufgaben und Insolvenzen», sagte der Dehoga-Landesvorsitzende Fritz Engelhardt am Freitag in Stuttgart. Viele Unternehmen des Gastgewerbes seien nach Wochen der Schließung am Ende ihrer Liquidität. Der Verband appelliert an die Landesregierung, Liquiditätshilfen in Form direkter Zuschüsse für Betriebe in Not schnellstens umzusetzen.

Ein mögliches Programm müsse für alle Betriebsarten und -größen der Branche gelten, hieß es beim Dehoga. «Jeder Tag Verzögerung kostet Existenzen und Arbeitsplätze.» Vor allem der ländliche Raum verliere Perspektiven. Zwar dürfe die Gastronomie im Südwesten an diesem Montag teilweise wieder in Betrieb gehen, doch die Unsicherheit sei groß. Die Sicherheitsauflagen dürften dazu führen, dass keine normalen Umsätze erwirtschaftet werden könnten - das ergebe sich allein schon aus den Abstandsregelungen. Mit rund 30 000 Betrieben und mehr als 240 000 Erwerbstätigen zählt das Hotel- und Gaststättengewerbe nach Verbandsangaben zu den großen mittelständischen Branchen in Baden-Württemberg.

Derweil probieren die Wirte ihr Bestes, wenn sie auch nicht immer genau wissen, wie sie das überhaupt bewerkstelligen sollen. «Wir wissen zum Beispiel nicht, wie viele Leute an einem Tisch sitzen dürfen», sagt Rosario Lamattina, Inhaber des Stuttgarter Restaurants Perbacco. Entsprechende Anfragen von Kunden hat er bereits erhalten, aber: «Vielleicht dürfen ja nur vier an einen Tisch und die anderen müssen zu zweit in eineinhalb Meter Entfernung sitzen?»

Lamattina wird im Gegensatz zu so manch anderem dennoch öffnen. «Allein schon für unsere Stammgäste», sagt er. Ob er einen Türsteher braucht, wenn die Gäste ihm den Laden einrennen, wie viel Personal er bereitstellen und wie viele Lebensmittel er einkaufen soll - alles unklar. Außer einer Tatsache: «Es ist wichtig für uns, wieder zu starten, auch wenn ich nicht weiß, ob es rentabel sein wird.»

Neben Restaurants, Biergärten und Campingplätzen wird im Südwesten ab Montag auch die Fahrgastschifffahrt wieder erlaubt. Der entsprechende Passus in der Corona-Verordnung solle noch am Wochenende in Kraft treten, teilten Verkehrsministerium und Tourismusministerium am Freitag mit. «Wie in anderen Verkehrsträgern gilt die Maskenpflicht», hieß es. In der Fahrgastschifffahrt sei aufgrund des vorhandenen relativ großen Raumes, der Durchlüftung und der Beförderung im Freien das Infektionsrisiko gering, weshalb neben der Maskenpflicht auf eine zusätzliche Abstandspflicht verzichtet werden könne.

Bleibt die Frage, wie viele Besucher, Kunden und Gäste all diese Angebote nutzen werden. Manche könnten Angst vor einer Infektion haben, andere auf Sparflamme setzen, weil sie wegen Corona in Kurzarbeit seien, lauten die Befürchtungen. Die Branche atmet dennoch kurzzeitig auf - wenigstens geht es wieder in irgendeiner Form voran.

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