Schaumweine: Nicht alles, was sprudelt, ist auch prickelnd

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Die meisten Menschen wissen recht gut Bescheid, wenn es um Weißwein oder Rotwein geht. Sie kennen die Unterschiede in Qualität, Preis, Rebsorte. Und sie wissen, welcher besser zu welchem Gericht passt. Aber bei Schaumweinen? «Da scheint die Devise zu gelten: Hauptsache, es sprudelt! Doch das Prickeln blendet oft über lausige Qualitäten hinweg», sagt die Sommelière Romana Echensperger.

Das liege auch an der Temperatur. «Oft wird der Schaumwein so superkalt serviert, und auch die Süße kann über nicht vorhandene Gaumenfreude hinwegtäuschen», erklärt die Expertin aus München, die den Titel Master of Wine trägt. Sie findet das schade, weil das Schaumwein-Regal so eine tolle Vielfalt biete. Die ideale Temperatur sei acht bis zehn Grad. Echensperger erklärt die Unterschiede:

Champagner: Er darf nur so heißen, wenn er aus dem französischen Weinanbaugebiet Champagne kommt. Durch das kühle Klima, die Kreideböden, die Rebsorten, die Hefenoten und die besonders langsame zweite Gärung in der Flasche sei er wie Parfüm am Gaumen. Echenspergers Motto: «Wenn es Champagner sein soll, dann bitte nur ein guter.» Die Kennerin favorisiert nicht die großen Namen, sondern individuelle von kleineren Winzer-Betrieben. «Sie sind handwerklich toll gemacht und oft auch günstiger.» Guten Winzer-Champagner gibt es für 35 bis 40 Euro.

Prosecco: Durch die Tankgärung hat der Italiener keine Hefenoten wie Champagner. Die Rebsorte Glera ist sehr aromatisch, mit blumiger, fruchtiger Note. Die Kohlensäure ist schäumend bis cremig. «Im Gegensatz zum Champagner, der den Rachenraum richtig freiputzt, lullt ein Prosecco einen auf die Schnelle ein», erklärt Echensperger den Unterschied. Zu klären ist noch die Frage: Frizzante (Perlwein) oder Spumante (Schaumwein)? «Im Sommer ist ja ein Frizzante ja ganz nett. Aber passend zur Jahreszeit würde ich jetzt zum Spumante greifen.» Sie würde einen Prosecco bevorzugt zur Begrüßung anbieten, aber ein paar Euro mehr dafür ausgeben, so um die 12 bis 13 Euro.

Winzersekt: Wer sichergehen will und alle Geschmäcker treffen möchte, sollte einen schönen Winzer-Riesling-Sekt der Kategorie brut holen. Aber bloß keinen «brut nature»: «Der ist wirklich zu trocken.» Der Riesling-Sekt hat eine feine Dosage und pusht das Riesling-Aroma am Gaumen. Er ist nicht nur ein perfekter Familien-Aperitif, sondern umschifft auch ganz elegant Klischees wie «Aha, wir sind denen nur Prosecco wert» oder «Sieh an, Champagner. Die lassen ja mal wieder den dicken Max raushängen». Der Riesling-Sekt passt mit seinen feinen Kohlensäureperlen auch gleich zur Vorspeise, etwa Lachs. Mit 12 bis 13 Euro ist man gut dabei.

Crémant: Ein Schaumwein, der vielen schmeckt, die es nicht zu süß oder zu trocken mögen. Er kommt oft aus dem Elsass und von der Loire und hat mindestens ein neun Monate langes Hefelager nach der zweiten Gärung in der Flasche hinter sich. «Crémant gilt als günstige Alternative zum Champagner, allerdings mit einer feineren Hefenote», sagt Echensperger. Der Preis für einen guten Crémant liege ebenfalls um die 12 oder 13 Euro.

Gespräch: Claudia Wittke-Gaida, dpa


 

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