So soll es mit Delivery Hero unter Uber weitergehen

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Der deutsche Lieferdienstkonzern Delivery Hero schlüpft nach jahrelangen Verlusten unter das Dach von Uber. Der Fahrdienstvermittler und Lieferdienst aus den Vereinigten Staaten hat sich einen Großteil der Delivery-Hero-Anteile gesichert und will sich in einem Milliardendeal auch den Rest einverleiben. Die Führung des Berliner Konzerns zieht dabei mit und wirbt bei Aktionären und Beschäftigten für den Zusammenschluss. Zugleich will Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern an einen Finanzinvestor abstoßen.

An der Börse wurden die Neuigkeiten jedoch mit leichten Kursverlusten quittiert. Die Delivery-Hero-Aktie verlor im MDax der mittelgroßen Unternehmen kurz nach Handelsbeginn rund 0,7 Prozent auf 37,90 Euro und entfernte sich damit weiter von dem Preis von 41,50 Euro, den Uber für jedes Papier bietet.

Wie sich die Aktie entwickelt hat

Die Offerte des US-Konzerns bewertet Delivery Hero insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro. Mit Kursen von zuletzt um die 40 Euro wurde die Aktie des Lieferdienst-Konzerns rund doppelt so teuer gehandelt wie noch vor wenigen Monaten. Analyst Giles Thorne vom Investmenthaus Jefferies sieht in einer ersten Reaktion auf den Deal kaum Spielraum für die Aktionäre, einen höheren Übernahmepreis durchzusetzen, und auch kaum Chancen, dass ein Gegenbieter auftaucht.

Mitte April hatte das Papier noch weniger als 20 Euro gekostet. Als dann bekannt wurde, dass Uber seinen Anteil aufgestockt hat, trieb dies den Kurs deutlich nach oben. Mit dem jetzigen Gebot von 41,50 Euro greift Uber zudem deutlich tiefer in die Tasche als zunächst geplant: Noch im Mai war von 33 Euro je Aktie die Rede gewesen.

Von wem Uber die nötigen Anteile erwirbt

Zuletzt hielt Uber bereits knapp 25 Prozent an dem Berliner Konzern, hinzu kamen Finanzinstrumente über knapp 12 Prozent. Zudem gibt der Delivery-Hero-Großaktionär Prosus seinen Anteil von knapp 17 Prozent an Uber ab. Dazu hatte sich die niederländische Beteiligungsgesellschaft im Zuge des Kaufs des Konkurrenten Just Eat Takeaway (Lieferando) bereit erklärt.

Delivery Hero hat seinen Sitz in Berlin, sein Deutschland-Geschäft aber vor einigen Jahren an Just Eat Takeaway verkauft und ist hierzulande operativ nicht mehr aktiv. Wegen seiner starken Präsenz in Asien, Südeuropa, der arabischen Halbinsel und Afrika zählt das Unternehmen mit Marken wie Foodora jedoch zu den größten Essenslieferdiensten der Welt. Uber betreibt mit Uber Eats selbst einen Essenslieferdienst - auch in vielen Städten Deutschlands.

Was der Deal für Berlin bedeutet

Uber verpflichtet sich im Zuge des Kaufs dazu, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Belegschaft in der Bundeshauptstadt vorzunehmen.

Unterdessen will sich Delivery Hero von seinem Geschäft in 14 Ländern trennen, in denen das Unternehmen bisher mit dem Lieferdienst Uber Eats konkurriert. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, die Tschechische Republik, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei. Käufer ist den Angaben zufolge die Beteiligungsgesellschaft SSW Partners aus New York. Sie bezahle dafür 1,4 Milliarden Euro. 

Voraussetzung ist, dass die Übernahme von Delivery Hero durch Uber gelingt. Jefferies-Experte Thorne wertet den Schritt positiv, denn damit dürften Uber und Delivery Hero kartellrechtlichen Bedenken zuvorkommen.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger geht unterdessen fest davon aus, dass die Übernahme für Berlin einen Verlust von Arbeitsplätzen bedeute. «Umstrukturierungen sind zu erwarten. Delivery wird die Eigenständigkeit verlieren», teilte der Sprecher der Schutzgemeinschaft, Michael Kunert, mit. Insgesamt verlöre der Wirtschaftsstandort Berlin durch die Übernahme weiter an Bedeutung «und am Ende werden auch Arbeitsplätze verloren gehen. Da darf man sich keine Illusionen machen», betonte Kunert.

«Liefergeschäft ist hoch kompetitiv»

Delivery Heros Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund räumte ein, dass der Berliner Konzern in seinem Geschäft zu kämpfen hatte. «Das Liefergeschäft ist hoch kompetitiv und in hohem Maße von Skaleneffekten abhängig», sagte sie. «Der Zusammenschluss mit einem starken Partner ist jetzt der richtige Schritt, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Fähigkeit zur Wertschöpfung für alle Stakeholder von Delivery Hero bestmöglich zu sichern.»

Delivery Hero hat jahrelang unter dem Strich fast durchweg rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss fuhr der Konzern nur im Jahr 2019 ein. Da hatte er sein Deutschland-Geschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com (heute Just Eat Takeaway) verkauft und damit einen hohen Sondergewinn eingestrichen. Nach dem Bestellboom in der Corona-Pandemie war zudem der Aktienkurs deutlich gesunken und der Druck der Anleger gewachsen. 2022 stieg die Delivery Hero SE aus dem deutschen Börsenleitindex in den MDax der mittelgroßen Unternehmen ab.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi sowie Delivery-Hero-Chef und -Mitgründer Niklas Östberg warben nun für den Zusammenschluss: «Durch die Zusammenführung unserer Plattformen bringen wir erschwingliche, zuverlässige Lieferdienste zu Millionen weiterer Menschen in einigen der dynamischsten Volkswirtschaften der Welt», sagte Khosrowshahi. Östberg dankte seinen Beschäftigten dafür, «dass sie dieses Unternehmen über 15 Jahre hinweg aufgebaut haben». (mit dpa)


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