Sperrzeiten: Heidelberger Lärmstreit geht in die nächste Runde

| Gastronomie Gastronomie

Endlich Frieden in der schönen Heidelberger Altstadt: Diesen Wunsch äußerte selbst die Vorsitzende Richterin Else Kirchhof am Ende der Sitzung. Dass der Wunsch aber so schnell wohl nicht in Erfüllung gehen wird, hat das Berufungsverfahren vor dem 6. Senat des Mannheimer Verwaltungsgerichtshofs (VGH) am Mittwoch eindrücklich gezeigt. Die Fronten sind verhärtet: Seit Jahren schon streiten sich Anwohner der Ausgehmeile im historischen Heidelberger Zentrum mit Stadt und Gastronomen. Sie fordern, dass die zahlreichen dort ansässigen Bars und Kneipen früher schließen sollen, und berufen sich dabei auf lärmbedingte Gesundheitsrisiken. Die Stadt dagegen fürchtet um ihr Bild als Studentenhochburg mit lebendigem Nachtleben.

Mehrmals waren sich die beiden Parteien schon vor Gericht begegnet. Zuletzt hatte es im Juli vergangenen Jahres ein Urteil des Verwaltungsgerichts Karlsruhe gegeben, gegen das aber beide Parteien Berufung eingelegt hatten. Darin verpflichten die Richter die Stadt Heidelberg dazu, längere Sperrzeiten einzuführen. Demnach hätten die Kneipen an Wochentagen um Mitternacht und am Wochenende um 2.30 Uhr schließen sollen. Das hat der Gemeinderat bislang nicht umgesetzt. Stattdessen müssen die Altstadt-Wirte derzeit unter der Woche um 1.00 Uhr dichtmachen, am Wochenende darf bis 4.00 Uhr gefeiert werden.

In dem Berufungsverfahren hat der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof den Konflikt jetzt allerdings um eine weitere Etappe verlängert. Denn das Gericht verkündete kein Urteil, sondern kündigte eine sogenannte Beschlusszustellung an. Dabei deutete Richterin Kirchhof an, dass es sich aller Voraussicht nach um die Anordnung eines neuen Lärmgutachtens handeln wird. Während des Verfahrens hatte sie bereits Zweifel an der Aktualität des derzeit vorliegenden Gutachtens geäußert. Dieses wurde im Sommer 2016 während der Fußball-Europameisterschaft erstellt.

Mehrmals hatte Kirchhof während der Sitzung auf die Komplexität des Streits hingewiesen. So geht es zum einen um die Frage, wie weit ein Gericht überhaupt in die exekutiven Kompetenzen des Gemeinderats eingreifen soll. Das Gremium ist für die Festsetzung der Sperrzeiten zuständig. Während der VGH in einem Urteil von 2018 die damals geltenden Sperrzeiten zwar für unwirksam erklärte, aber der Stadt noch einen erheblichen Ermessensspielraum zugestand, hatten die Karlsruher Richter der Stadt feste zeitliche Vorgaben gemacht.

Zum anderen wies die Vorsitzende Richterin des VGH nun auch darauf hin, dass der nächtliche Lärm in der Altstadt womöglich nur zu einem Teil mit der Gastronomie zusammenhänge. «Es besteht die Gefahr, dass man mit längeren Sperrzeiten nur einen Störer von vielen beseitigt», sagte Kirchhof zu den Klägern.

Angesichts der verhärteten Interessenlage und der jahrelangen Auseinandersetzung hatte das Gericht den Parteien deshalb zuerst ein gerichtliches Mediationsverfahren vorgeschlagen. Während sich die Vertreter der Stadt offen für einen solchen Weg zeigten, äußerte sich die Klägerseite skeptisch. Bedingung sei, dass die Stadt während der Mediation die Sperrzeiten aus dem Karlsruher Urteil bereits vorläufig umsetze – dies wiederum lehnten die Beklagten ab. Klägeranwalt Werner Finger begründete die Bedingung damit, dass die Stadt durch Missachtung der bisherigen Urteile das Vertrauen seiner Mandanten verspielt habe. «Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir diesen Weg noch gehen, wenn die Werte des neuen Lärmgutachtens vorliegen», sagte Finger.

Zurück

Vielleicht auch interessant

ATLANTIC Hotels hat Details zur 20 High Skyline Bar im neuen Atlantic Hotel Frankfurt vorgestellt. Die Bar soll mit der Hoteleröffnung im September 2026 den Betrieb aufnehmen und wird von Mo Kaba geleitet.

Tim Raue eröffnet gemeinsam mit der Heidelberger Bliss-Group ein zeitlich begrenztes Restaurant im ehemaligen Commissary des Patrick-Henry-Village. Das Konzept mit dem Titel Taste of the Dragon umfasst ein Fünf-Gänge-Menü.

Der Aufbau des Oktoberfests läuft auf Hochtouren, der berühmte Paulaner-Turm steht - aber die Kellnerinnen-Parade des Künstlers Emil Kneiß ist kopflos geworden: Eine schwarze Folie verhüllt die Gesichter. Über den Hintergrund herrscht Rätselraten.

Burger King will die in den vergangenen Jahren wegen Pandemie und Inflation aufgeschobene Expansion in Deutschland nun nachholen. «Alle Zeichen stehen auf Wachstum», sagte Deutschland-Chef Andreas Bork zum 50. Jahrestag der Eröffnung des ersten deutschen Burger-King-Restaurants.

Die Landeshauptstadt Hannover zieht nach dem Abschluss des 497. Schützenfestes eine positive Bilanz der zehntägigen Veranstaltung. Nach Angaben der Stadtverwaltung kamen rund 900.000 Besucher auf den Schützenplatz.

Die peruanische Hauptstadt Lima richtet am 4. November erstmals die Verleihung der The World’s 50 Best Restaurants aus. Wie der Veranstalter mitteilt, finde die Preisverleihung damit zum ersten Mal in Südamerika statt.

Für die insolvente Hamburger Gastronomie TamTam hat der vorläufige Insolvenzverwalter die Investorensuche gestartet. Ob und wann der Betrieb wieder aufgenommen wird, hängt nach seinen Angaben von einer erfolgreichen Übernahme ab.

Der frühere Profifußballer Lukas Podolski betreibt schon eine ganze Dönerkette. Auch Schauspieler Frederick Lau plant nun in Berlin einen Dönerladen. Allerdings ganz ohne Fleisch.

Der Betreiber des TamTam im Hamburger Hanseviertel hat Insolvenz beantragt. Der aktuelle Betrieb war erst im Oktober 2025 gestartet. Zuvor hatte das frühere Le Big TamTam im September 2025 geschlossen.

Der Koch Markus Stöckle will im Herbst 2026 ein neues Restaurant in der Zürcher Altstadt eröffnen. Das Lokal entsteht an der Glockengasse 7 im Kreis 1, wo früher das Restaurant Kaiser’s Reblaube ansässig war. Stöckle gehe das Projekt gemeinsam mit seiner Partnerin Elif Oskan an, berichtet der Gastroführer GaultMillau.