Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen führt in der deutschen Gastronomie nicht zu flächendeckenden Preisreduzierungen. Wie eine gemeinsame Datenauswertung des Kassenanbieters Orderbird mit dem Tagesspiegel, der Stuttgarter Zeitung und der Lokalredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung belegt, bleibt das Preisniveau in der Mehrheit der Betriebe konstant. Die Analyse der aggregierten Bestelldaten von knapp 2500 Restaurants verdeutlicht, dass die steuerliche Entlastung primär zur Stabilisierung der Betriebe genutzt wird.
Großteil der Betriebe hält Preise unverändert
Laut den Erhebungen für den Zeitraum vom 1. Oktober 2025 bis zum 25. Februar 2026 haben 73 Prozent der untersuchten Gastronomiebetriebe ihre Preise nach der Steueränderung unverändert gelassen. Während 17 Prozent der Betriebe ihre Preise moderat anhoben, kam es 9,3 Prozent der Restaurants tatsächlich zu Preissenkungen. Diese Daten spiegeln die wirtschaftliche Notwendigkeit wider, gestiegene Ausgaben für Energie, Personal und den Wareneinkauf zu kompensieren. Laut dem Orderbird Gastrostimmungsbarometer 2025 bewerteten bereits im Vorfeld 43,5 Prozent der Gastronomen ihre finanzielle Lage schlechter als vor vier Jahren.
Steuergerechtigkeit und Standortsicherung im Fokus
Aus Sicht der Branche stellt die Neuregelung in erster Linie eine Korrektur dar, die faire Wettbewerbsbedingungen schafft. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) betonte bereits zur Einführung der Maßnahme im Dezember 2025, dass die sieben Prozent Mehrwertsteuer eine langjährige Benachteiligung gegenüber Lieferdiensten und dem Einzelhandel beenden. Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA, erklärte, dass die Maßnahme die „längst überfällige Steuergerechtigkeit“ herstelle. Preissenkungen wurden dabei vom Verband nicht pauschal in Aussicht gestellt; vielmehr sollten Spielräume dort genutzt werden, wo sie vorhanden sind, um primär Investitionen, faire Löhne und die Sicherung von Arbeitsplätzen zu ermöglichen.
Bedeutung für regionale Wertschöpfungsketten
Die Relevanz der stabilen Preisgestaltung reicht weit über die einzelnen Gaststuben hinaus. Der Branchenverband verweist auf die enge Verflechtung der Gastronomie mit der Landwirtschaft, dem Lebensmittelhandwerk sowie regionalen Brauereien und Winzern. „Schließt ein Restaurant, betrifft das nicht nur Gastronomen und ihre Mitarbeiter, sondern auch zahlreiche Produzenten und Dienstleister vor Ort“, verdeutlichte Zöllick. Die Steuerentlastung schaffe den nötigen Rückenwind, um die regionale Wertschöpfung trotz steigender Betriebskosten und der bevorstehenden Mindestlohnerhöhung aufrechtzuerhalten.
Sicherung der Qualität und Planungssicherheit
Auch David Feichter, Geschäftsführer bei Orderbird, sieht in der Preisstabilität eine notwendige Reaktion auf das Marktumfeld. Die Maßnahme schaffe vor allem Planungssicherheit, um die Qualität des Angebots dauerhaft zu sichern. Dies deckt sich mit der Position des DEHOGA, wonach die Gastronomie als „wichtiger Begegnungsort“ unverzichtbar für den sozialen Zusammenhalt und die Attraktivität von Innenstädten sowie ländlichen Regionen sei. Die steuerliche Regelung fungiert somit weniger als Rabattinstrument für Endkunden, sondern als ökonomisches Fundament für eine vitale Branchenstruktur.