Trüffelbauer entdeckt mit Wasserhund Woopee erste Edelpilze auf Plantage in Niedersachsen

| Gastronomie Gastronomie

Von Christina Sticht, dpa

Fabian Sievers' Trüffelplantage ist ein kleines Paradies: Grillen zirpen, Vögel zwitschern, am Hang gegenüber grasen Kühe. Rund 1000 Bäume hat Sievers vor sieben Jahren auf einem Acker im Leinebergland südlich von Hannover gepflanzt, etwa 750 davon waren mit Sporen von heimischen Burgundertrüffeln geimpft. Der 47-Jährige ist ein Pionier. Er gehört zu einer kleinen Gruppe von Pilzforschern, Landwirten und Feinschmeckern, die den Trüffelanbau in Deutschland etablieren möchten.

Lange war vergessen, dass der Edelpilz mit dem betörenden Geruch auch in heimischen Wäldern an Baumwurzeln wächst. Weil er unter Artenschutz steht, darf er dort aber nicht gesammelt werden. Deshalb versuchen Trüffelbauern, ihn zu kultivieren - was eine Menge Geduld, Geschick und vor allem den richtigen Standort erfordert.
 

Die Haseln, Hain- und Rotbuchen, Linden, Eichen und Schwarzkiefern hat Sievers mit eigenen Händen gepflanzt. Als Begleitgehölze wählte er Wildkirschen und Felsenbirnen aus. «Ich imitiere die natürlichen Standorte und möchte es möglichst bunt und divers haben», erklärt der Mann in Arbeitskleidung, während er mit seiner Hündin Woopee - ein Lagotto Romagnolo - den Hang hinaufstapft.

Knapp eine Woche zuvor ist das passiert, worauf der Trüffelbauer zwar hingefiebert, womit er aber noch gar nicht gerechnet hat. «Als Woopee plötzlich eine 80-Gramm-Knolle ausbuddelte, wusste ich nicht, ob ich schreien, lachen oder heulen sollte.» Auch unter einem zweiten Baum wurde der italienische Wasserhund fündig: insgesamt 375 Gramm des Pilzes.

In der Hierarchie steht die Weiße Trüffel aus der Gegend um das italienische Alba ganz oben, eines der teuersten Lebensmittel der Welt. Dahinter rangiert die französische Perigord-Trüffel. Für eine Burgundertrüffel könne man auf einem Wochenmarkt ein Euro pro Gramm verlangen, sagt Sievers. Irgendwann möchte er an seiner Plantage hinter einem Verkaufsstand stehen - ähnlich wie Erdbeer- oder Spargelbauern. Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg.

 

Aus den ersten Funden will er wieder Impfstoff herstellen. Sievers lebt auch vom Verkauf von selbst gezogenen Trüffelbäumen und Beratungen rund um den Edelpilz. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die unermüdliche italienische Wasserhündin, die schon Dutzende Fundstellen in den Wäldern des Leine- und Weserberglandes entdeckte. Die größte Knolle war etwa 350 Gramm schwer. «Ohne Woopee wäre ich nichts», sagt Sievers und blickt zu seinem Suchhund mit dem hellen, lockigen Fell hinunter.

Im Hitzesommer 2018 hat Sievers in Panik eine Bewässerungsanlage auf seiner umzäunten 1,2 Hektar großen Plantage angelegt. «Vielleicht hätte ich doch besser Zitronen anbauen sollen», scherzt er. 2019 scheint dagegen ein gutes Trüffeljahr zu werden.

Das berichtet auch der 2014 gegründete Deutsche Trüffelverband. Vorstandsmitglied Ulrich Stobbe gehört zum Team der wohl größten Trüffelbaumschule Deutschlands in Radolfzell am Bodensee. «Dieses Jahr haben wir erste Kunden, die etwas finden», berichtet der Forstwirt, der zunächst an der Universität Freiburg über Trüffel in Baden-Württemberg forschte. Die genauen Standorte wollen die Betreiber laut Stobbe nicht verraten.

Dass Diebe über den Zaun klettern und in seiner Plantage nach Trüffeln graben, fürchtet Fabian Sievers dagegen nicht. «Das würde schon hohe kriminelle Energie erfordern», meint er. Die größten Feinde des niedersächsischen Trüffelbauern sind die Mäuse. Daher hat er mehrere Julen, also Ansitze für Greifvögel, aufgestellt.

Sievers' früherer Pilzlehrer Dieter Honstraß aus Salzgitter sieht großes Potenzial bei der deutschen Burgundertrüffel. «Überall dort, wo motivierte Könner der Szene am Werk sind, wird es in den nächsten Jahren zu einem regelrechten Boom kommen», prognostiziert er. Honstraß bildet auch Trüffelberater und Trüffelhunde aus. Er schätzt die Anbaufläche bundesweit auf 50 bis 100 Hektar, zudem dürften in mehr als 1000 Gärten bereits Trüffelbäumchen stehen.
 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

McDonald’s hat im ersten Quartal 2026 Umsatz und vergleichbare Verkäufe gesteigert. Das Unternehmen meldet Wachstum in allen Geschäftssegmenten sowie höhere Systemumsätze weltweit.

Schnittverletzungen führen in der Gastronomie zu durchschnittlichen Ausfallzeiten von über einer Woche pro Vorfall. Die BGN informiert über die korrekte Auswahl, Pflege und Lagerung von Handmessern zur Vermeidung von Arbeitsunfällen.

Der Michelin Guide Belgien und Luxemburg 2026 ist in Antwerpen vorgestellt worden. Zwei Restaurants erhielten neu zwei Michelin-Sterne, zehn weitere wurden erstmals mit einem Stern ausgezeichnet.

Gordon Ramsay hat die Servicegebühr in seinem Londoner Restaurant Lucky Cat für saisonale Menüs auf 20 Prozent erhöht. Medienberichte und Stimmen aus der Branche verweisen auf eine breitere Debatte über Trinkgeld, Löhne und Preisgestaltung in der Gastronomie.

Ein Dönerfirma-Chef sah sich in einem David-gegen-Goliath-Streit schon als Sieger, doch nun kommt es doch zum Schulterschluss mit dem Fast-Food-Riesen KFC. Ein bekannter Schauspieler wirkte daran mit.

Das internationale Festival Pizza Village feiert Ende Mai 2026 seine Deutschlandpremiere im Berliner Napoleon Komplex. Zehn Pizzerien aus Italien präsentieren dort neapolitanische Pizzakultur und Handwerk bei freiem Eintritt.

Das Boutiquehotel Sonne Küsnacht-Zürich eröffnet am 10. Juni 2026 das neue Restaurant Pavillon. Das Restaurant entstand nach Angaben des Hotels aus der früheren „Sonnengalerie“, die gemeinsam mit Küchel Architects neu gestaltet wurde.

Pressemitteilung

Viele Gastronomiebetriebe nutzen Spülmaschinen im Standardprogramm – oft mit unnötig hohem Energie- und Wasserverbrauch. EcoPilot von Winterhalter setzt auf KI, erkennt Stoßzeiten und passt Programme automatisch an. So sinkt der Energieverbrauch um bis zu 17 %, CO₂ wird reduziert und Ressourcen geschont – ohne Einbußen bei Hygiene oder Spülergebnis.

L’Osteria eröffnet im Sommer das erste Restaurant in Dänemark und setzt damit die internationale Wachstumsstrategie fort. In Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner plant das Unternehmen mittelfristig den Aufbau von bis zu 15 Standorten.

Am Flughafen Düsseldorf sind neue Gastronomie- und Einzelhandelskonzepte gestartet. Betreiber Lagardère Travel Retail Deutschland baut damit sein Angebot am Standort weiter aus.