Vom Winzerfest bis zur Jugendweihe: Warum das Korkengeld in Thüringen Tradition hat

| Gastronomie Gastronomie

Abends ins Restaurant gehen und den eigenen Wein mitbringen und dem Wirt dafür ein «Korkengeld» zahlen: Was zunächst kurios klingen mag, ist auch in der hiesigen Gastronomie zumindest in bestimmten Rahmen verbreitet: «In Thüringen gibt es das schon immer», fasst Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des Thüringer Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga zusammen. Hierzulande beziehe sich dieses Angebot Ellinger zufolge vor allem auf größere Feiern.

Bei Hochzeiten, Geburtstagen oder Jugendweihe sei es vor allem auf dem Land üblich, dass Kuchen, Getränke oder andere Lebensmittel vom Gastgeber organisiert würden. Vom Gastronomen werden unter anderem Räumlichkeiten, Personal und Gedecke gestellt und mit der «Servicepauschale» in Rechnung gestellt. Die Bezeichnungen dafür variieren, unter anderem ist dieses Prinzip als Korkengeld, Gabelgeld oder Gedeckgeld bekannt. 

Wenn Winzer und Brauer feiern

Auch wenn Winzer oder Brauereien Feste feierten, sei das Korkengeld durchaus üblich, so Ellinger. Gerade Familienbetriebe bevorzugten auf der eigenen Feier auch den eigenen Wein, bestätigt etwa Andreas Clauß vom Thüringer Weingut Bad Sulza. Die Häufigkeit nehme aber ab – vermutlich auch wegen des inzwischen flächendeckend guten und flexiblen Weinangebots, so die Experten.

Wer eine Feier plant, solle den Kostenfaktor Korkengeld auf jeden Fall auf der Rechnung haben und sich im Vorfeld immer mit dem Wirt darüber abstimmen, so Ellinger. Immerhin habe auch der Gastronom Aufwendungen, die Kosten verursachten und sich am Ende rechnen müssten. Auch was Hygienebestimmungen und andere Auflagen angehe, sei am Ende der Wirt der Verantwortliche.

Kein Anrecht auf Selbstversorgung

«Wir können daher nur um Verständnis bitten, dass wir die entsprechenden Preise verlangen müssen.» Es sei ratsam, die Kosten im Vorfeld möglichst genau vertraglich festzuhalten. Ein Anrecht auf «Selbstversorgung» gibt es hingegen nicht: «Der Wirt hat immer das Hausrecht und kann selbst festlegen, welche Rahmenbedingungen gelten», erklärt Ellinger. 

Dass auch einzelne Gäste eigenen Wein oder andere Getränke mitbringen, wie es etwa im englischsprachigen Raum vorkommt, ist in Thüringen dem Dehoga zufolge aber absolut unüblich. Eine der wenigen Restaurants, die das explizit ermöglichen, ist etwa das Restaurant «Mijou» in Erfurt. 

Wenn das Lokal selbst keinen Alkohol anbietet

Weil in dem Lokal mit libyschen Spezialitäten keine alkoholischen Getränke angeboten würden, sei die Idee entstanden, den Gästen das Mitbringen im Rahmen eines Korkgelds zu ermöglichen. Im Schnitt komme es einmal im Monat vor, das Gäste diese Möglichkeit nutzten, heißt es dort auf Anfrage. In Thüringen sei dieses Modell aber bisher tatsächlich eine große Ausnahme. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Berliner Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt feiert sein 215-jähriges Bestehen. Mit einem speziellen Jubiläumsmenü und einem Fokus auf regionale Produkte schlägt es die Brücke zwischen historischer Weinstube und moderner gehobener Gastronomie.

Domino’s Pizza zieht Bilanz für 2025: Während der globale Markenumsatz die Marke von 20 Milliarden US-Dollar überschreitet und das Filialnetz weltweit massiv wächst, drücken steigende Personal- und Warenkosten auf die Margen der Eigenbetriebe in den USA

Frankfurt am Main wird auch 2026 und 2027 das Zentrum der deutschen Gourmetszene. Die Stadt verlängert die Partnerschaft mit dem Guide Michelin und begleitet die feierliche Sterneverleihung mit einem mehrwöchigen Kulinarik-Festival für Fachwelt und Bürger.

Pincho Nation expandiert nach Süddeutschland: Im Frühjahr 2026 eröffnet in Karlsruhe der erste deutsche Franchise-Standort der skandinavischen Restaurantkette. Das Konzept setzt auf digitale Steuerung, internationale Tapas und die Umwandlung bestehender Gastronomieflächen.

In der Autostadt Wolfsburg startet unter der Regie von Food Affairs ein neues Gastronomie-Format. Das Pop-up-Konzept LAGUNE x NENI bringt für sechs Monate levantinische Küche an den Standort.

Die Gustoso Gruppe bringt das niederländische Erfolgskonzept Zusje nach Deutschland. Mit der Eröffnung des 40. Standorts in Aachen startet die Kette ihre Expansion auf dem Bundesmarkt und setzt dabei auf ein Modell, das die Aufenthaltsqualität ins Zentrum rückt.

Ein Brand in dem beliebten thailändischen Restaurant Sila Thai in der Düsseldorfer Stadtmitte hat am Sonntag einen größeren Einsatz der Rettungskräfte ausgelöst. Insgesamt waren 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr vor Ort, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Ein Mailänder Gericht ordnet die Neuregelung der Arbeitsverhältnisse für 40.000 Fahrer der Delivery-Hero-Tochter Glovo an. Während das Gericht von Bezahlungen weit unter der Armutsgrenze spricht, weist das Unternehmen die Vorwürfe zurück und sieht keine Pflicht zur generellen Festanstellung.

Wolfgang Puck übergibt nach 44 Jahren die Leitung seiner Fine-Dining-Sparte an seinen Sohn Byron Lazaroff-Puck. Der offizielle Generationswechsel wird Anfang März 2026 mit einer internationalen Dinner-Tour in Washington, D.C. eingeleitet.

Giesinger Bräu strebt auf das Oktoberfest. Mit einem offiziellen Bürgerbegehren will die Brauerei die geltenden Zulassungsregeln für die Wiesn ändern. Zum Start des Starkbierfestes wurden bereits die ersten Unterschriften gesammelt.