Wiedereröffnung: Gemischte Reaktionen bei Brandenburger Gastronomen

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Viele Gastronomiebetriebe hat die Corona-Krise stark gebeutelt. Dennoch zeigen die Gastronomen angesichts der Wiedereröffnung von Cafés und Restaurants in Brandenburg an diesem Freitag (15. Mai) gemischte Reaktionen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

«Der Zeitpunkt ist meines Erachtens in Ordnung, wenn wir nur einen klaren Fahrplan an die Hand bekommen hätten», sagt der Betreiber des Potsdamer Cafés «Buena Vida Coffee Club», Patrick Berger. Doch der fehle. «Wir werden in der Luft hängen gelassen, während viele Gastronomiebetriebe nicht nur in Brandenburg ums Überleben kämpfen.»

Er wünsche sich einen einheitlichen Plan auf Länderebene, wenn nicht sogar auf Bundesebene. «Der würde für Klarheit sorgen.» Berger wird deshalb nach eigenen Angaben vorerst nur den Verkauf wieder ins Café holen. «Der Verzehr findet dann draußen statt.» So könne er sicherstellen, dass für sein Personal und die Gäste das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich sei.

"Lockerungen zu früh"

«Ich sehe die Wiederöffnung skeptisch», sagt der Inhaber des «Kartoffelhauses» in Frankfurt (Oder), Ingolf Rosner. Er freue sich zwar, dass es wieder losgehe, insgesamt kämen die Lockerungen für ihn aber zu früh. Noch zu viele Menschen hielten sich nicht an die Abstandsregeln, findet Rosner. Zudem beklagt auch er, dass die Corona-Regelungen für Restaurants zu schwammig ausgelegt seien. Zu größeren Gruppen - etwa zu Geburtstagsrunden - gebe es keine klaren Aussagen. Er habe bei verschiedenen Ämtern angerufen und keine klaren Informationen erhalten.

Ähnliches berichtet der Betreiber des «Cavalierhauses» im Park Branitz in Cottbus. «Wir freuen uns riesig, dass es wieder losgeht», sagte Tim Sillack. Allerdings habe ihm keine Behörde mitteilen können, ob und wie er wegen der Corona-Pandemie als Schutzmaßnahme eine Liste der Gäste führen könne. «Keiner konnte sagen, wie das durchzuführen ist.»

Das brandenburgische Gesundheitsministerium verweist - angesprochen auf konkrete Maßnahmen - auf die Verbände. Es gelten die Abstands- und Hygieneregeln. Detaillierte Handreichungen stelle unter anderem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zur Verfügung. Trotz recht detaillierter Empfehlungen könne der Verband jedoch auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, heißt es in dem Dehoga-Katalog. Die betriebliche Vielfalt sei zu groß, als dass alle Fallkonstellationen in der Handlungsempfehlung abgedeckt werden könnten (Tageskarte berichtete).

Der Inhaber des Restaurants «Altes Kasino» - Hotel am See in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin), Max Golde, sieht sich trotzdem bestens über die Regelungen für eine Wiederöffnung unter Corona-Bedingungen informiert. Die Dehoga Brandenburg habe ihm jenen fünfseitigen Maßnahmenkatalog zugeschickt, darin seien aus seiner Sicht alle Regelungen und Empfehlungen strukturiert aufgeführt, sagte er. «Wir haben sogar Mails bekommen, wie wir unseren Tresen reinigen sollen und wie wir nach der längeren Schließung mit dem Wasser umgehen», lobte Golde. Der Wiedereröffnung sieht er deshalb zuversichtlich entgegen. «Klar wird es eine anstrengende Aufgabe, aber nach drei Tagen hat man Routine und kann das Ganze händeln.»

Bei der Befragung gaben viele Restaurants und Cafés an, die Speisekarten unter Folie gelegt oder laminiert zu haben, so dass sie desinfiziert werden könnten. Zudem seien Tische so gestellt, dass die Abstandsregeln eingehalten werden und weniger Plätze zur Verfügung stünden.

Hygiene und Geduld

Die Verbraucherzentrale Brandenburg empfiehlt den Gaststättenbesuchern ab Freitag neben den Hygienemaßnahmen vor allem Geduld. Es werde zu Wartezeiten kommen. Außerdem sollten sich Verbraucher darauf einstellen, gegebenenfalls Kontaktdaten wie Name und Telefonnummer in der Gaststätte zu hinterlassen.

Wie heftig der Ansturm auf die Restaurants und Cafés ausfallen werde, vermögen die Verbraucherschützer nicht vorherzusagen. Aber der «Nachholbedarf» sei sicherlich groß. Tischreservierungen in Restaurants würden daher gut nachgefragt sein, der spontane Besuch auf einen Kaffee werde wegen eines geringeren Platzangebots nicht immer möglich sein.

Gastronomiebetriebe, die zubereitete Speisen anbieten, dürfen ab dem 15. Mai von 6.00 bis 22.00 Uhr für den Publikumsverkehr öffnen. Voraussetzung ist, dass die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sichergestellt wird. Möglichkeiten zur Reservierung und zur Kontaktnachverfolgung werden den Betreibern dringend empfohlen. Gäste könnten sowohl draußen als auch drinnen bedient werden. Bislang blieben gastronomische Angebote auf den Außer-Haus-Verkauf beschränkt.

(dpa)


 

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