Witzigmann: "Wirtschaftlich erfolgreiche Spitzenküche ist Quadratur des Kreises"

| Gastronomie Gastronomie

"Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann (77) glaubt, dass es erstklassige Gastronomie in Deutschland schwerer hat als in anderen Ländern. Ansonsten steht Witzigmann heute auch auf Erbseneintopf.

"Eine wirtschaftlich erfolgreiche Spitzenküche ist die Quadratur des Kreises. Deshalb sind auch so zahlreiche Betriebe unter dem Rock eines Hotels, da lässt sich mit einer Mischkalkulation besser hantieren," sagte der 77-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Mit drei Sternen lässt sich nicht viel Geld verdienen, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen", fügte Witzigmann hinzu. Im internationalen Vergleich seien die deutschen Häuser dieser Klasse ausgesprochen preiswert: "In London, Paris oder New York ist die gleiche Leistung locker 60 bis 80 Prozent teurer. Aber trotzdem ausgebucht."

Diese Erfahrungen habe er auch selbst machen müssen, berichtete Witzigmann: "Ab dem Zwei-Sterne-Bereich braucht man eine vernünftige Brigade am Herd, eine ambitionierte Speisekarte, also alles Dinge, die hohe Investitionen mit sich bringen. Und wenn dann nicht genügend Gäste kommen und kein Hotel zur Seite steht, dann beginnen die wirtschaftlichen Probleme. Ich persönlich habe in meiner aktiven Zeit am Herd auch keine großen Reichtümer angehäuft, sie können über Jahre hinweg ausgebucht sein, aber trotzdem müssen sie spitz kalkulieren. Die im Rest der Welt üblichen hohen Preise können sie in Deutschland nicht durchsetzen."

An sein Weihnachtsessen stellt der vom Gault-Millau als "Jahrhundertkoch" geadelte Witzigmann keine besonderen Ansprüche: "Ich versuche die Weihnachtszeit immer als den Moment der Entschleunigung zu sehen und zu nutzen, gerade wenn man das Jahr über stets mit Volldampf unterwegs ist. Die Beschreibung ,stille Zeit' hat da eine ganz besondere Bedeutung für mich. Zu Weihnachten bin ich nicht Jahrhundertkoch, sondern einfach nur ein froh gestimmter Mensch, wie fast alle." Da wolle er nicht endlos in der Küche stehen: "Meine heimliche Hoffnung ist übrigens, dass meine bessere Hälfte Niki das Kommando in der Küche übernimmt und mich überrascht."

Auch ansonsten übt sich der 77-Jährige in kulinarischer Bescheidenheit: "Mein engster Freundeskreis weiß, dass meine Bedürfnisse recht bescheiden sind. Mich kann man mit einem Erbseneintopf oder einem frischen Salat sehr glücklich machen. Die allerhöchsten Ansprüche der Spitzengastronomie müssen im Freundeskreis nicht sein."

 Eckart Witzigmann hält erfolgreiche Spitzenküche für Quadratur des Kreises

"Jahrhundertkoch" Eckart Witzigmann (77) glaubt, dass es erstklassige Gastronomie in Deutschland schwerer hat als in anderen Ländern. Ansonsten steht Witzigmann heute auch auf Erbseneintopf.

"Eine wirtschaftlich erfolgreiche Spitzenküche ist die Quadratur des Kreises. Deshalb sind auch so zahlreiche Betriebe unter dem Rock eines Hotels, da lässt sich mit einer Mischkalkulation besser hantieren," sagte der 77-Jährige der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Mit drei Sternen lässt sich nicht viel Geld verdienen, von einigen Ausnahmen einmal abgesehen", fügte Witzigmann hinzu. Im internationalen Vergleich seien die deutschen Häuser dieser Klasse ausgesprochen preiswert: "In London, Paris oder New York ist die gleiche Leistung locker 60 bis 80 Prozent teurer. Aber trotzdem ausgebucht."

Diese Erfahrungen habe er auch selbst machen müssen, berichtete Witzigmann: "Ab dem Zwei-Sterne-Bereich braucht man eine vernünftige Brigade am Herd, eine ambitionierte Speisekarte, also alles Dinge, die hohe Investitionen mit sich bringen. Und wenn dann nicht genügend Gäste kommen und kein Hotel zur Seite steht, dann beginnen die wirtschaftlichen Probleme. Ich persönlich habe in meiner aktiven Zeit am Herd auch keine großen Reichtümer angehäuft, sie können über Jahre hinweg ausgebucht sein, aber trotzdem müssen sie spitz kalkulieren. Die im Rest der Welt üblichen hohen Preise können sie in Deutschland nicht durchsetzen."

An sein Weihnachtsessen stellt der vom Gault-Millau als "Jahrhundertkoch" geadelte Witzigmann keine besonderen Ansprüche: "Ich versuche die Weihnachtszeit immer als den Moment der Entschleunigung zu sehen und zu nutzen, gerade wenn man das Jahr über stets mit Volldampf unterwegs ist. Die Beschreibung ,stille Zeit' hat da eine ganz besondere Bedeutung für mich. Zu Weihnachten bin ich nicht Jahrhundertkoch, sondern einfach nur ein froh gestimmter Mensch, wie fast alle." Da wolle er nicht endlos in der Küche stehen: "Meine heimliche Hoffnung ist übrigens, dass meine bessere Hälfte Niki das Kommando in der Küche übernimmt und mich überrascht."

Auch ansonsten übt sich der 77-Jährige in kulinarischer Bescheidenheit: "Mein engster Freundeskreis weiß, dass meine Bedürfnisse recht bescheiden sind. Mich kann man mit einem Erbseneintopf oder einem frischen Salat sehr glücklich machen. Die allerhöchsten Ansprüche der Spitzengastronomie müssen im Freundeskreis nicht sein."


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

ALEX will im Sommer 2028 ein neues Restaurant im Westfield Ruhr Park in Bochum eröffnen. Für den Standort in den geplanten „Wald Terrassen“ sind rund 330 Sitzplätze sowie eine Investition von etwa zwei Millionen Euro vorgesehen.

Am Leipziger Hauptbahnhof eröffnet mit Robyn’s das erste deutsche Robotik-Restaurant. Zwei Roboter bereiten Speisen und Getränke zu, ein Mitarbeiter bestückt die Zutatenmagazine und unterstützt die Gäste.

Im Mai 2027 feiert Starbucks 25 Jahre auf dem deutschen Markt. Zum Internationalen Tag des Kaffees am 1. Oktober blickt das Unternehmen bereits jetzt auf die Entwicklung seiner Kaffeehäuser und die Anpassung an deutsche Vorlieben zurück.

Der Steigenberger Icon Frankfurter Hof eröffnet das neue Gastronomie-Ensemble „Français Jour · Soir“. Tagsüber setzt das Konzept auf französische Bistro-Kultur, abends stehen private Veranstaltungen und Dinner im Mittelpunkt.

Mit Smashed Croissants, Abnehmspritzen und Snacks auf die Hand verändert sich unser Essverhalten. Was hinter dem Snacking-Boom steckt, erklärt die Food-Spezialistin und Trendforscherin Karin Tischer.

Wer über Lieferplattformen bestellt, zahlt nicht nur fürs Essen: Je nach Modell kassieren Lieferdienste 13 bis 30 Prozent Provision. Gleichzeitig behalten sie den direkten Zugang zu den Kundendaten. Für viele Gastronomen wird das zum teuren Geschäft – DEHOGA warnt: Bei solchen Margen können sich nur wenige Restaurants die Zusammenarbeit leisten.

Der erste Restaurant Impact Report von OpenTable untersucht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Restaurants in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen Ausgaben rund um Restaurantbesuche, Beschäftigung, Gemeinschaft und das Verhältnis zwischen Gästen und Betrieben.

Zwei-Sterne-Koch Paul Stradner plant im ersten Quartal 2027 sein erstes eigenes Restaurant im 1839 Malerhaus in Achern. Julian Schmid soll die Küche vor Ort gemeinsam mit ihm verantworten; seine Tätigkeit in der Villa René Lalique setzt Stradner fort.

Cornelia Poletto hat auf dem Euref-Campus Düsseldorf ihre neue Kochschule und Eventfläche im Rahmen des Food-Festivals Chefs in Town mit einer italienischen Küchenparty eröffnet. Unterstützung gab es dabei von Nelson Müller und Ludwig Maurer.

Teaser: McDonald’s plant bis 2036 rund 8,5 Milliarden Dollar Unterstützung für Franchisenehmer. Der Konzern prüft proteinreichere Gerichte und will Küchen, Technik und Restaurantgestaltung verändern.