Zwischen Inflation und Freizeitkultur: Wie Deutschland essen geht

| Gastronomie Gastronomie

Knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland hat ihre Besuche in der Gastronomie aufgrund gestiegener Preise reduziert. Wie aus einer repräsentativen Wiederholungsstudie des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) hervorgeht, geben 48 Prozent der Befragten an, seltener außer Haus zu essen als im Vorjahr. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Gastronomie für einen erheblichen Teil der Bevölkerung ein fester Bestandteil des Alltags: Demnach suchen 24 Prozent der Teilnehmer wöchentlich oder häufiger eine Gaststätte auf, während weitere 31 Prozent mindestens einmal im Monat auswärts essen.

Preissteigerungen beeinflussen einkommensschwache Haushalte

Die wirtschaftliche Belastung wirkt sich laut der Erhebung, die vom Marktforschungsinstitut NIQ im Auftrag des BZT durchgeführt wurde, sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Einkommensgruppen aus. In Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro geben 46 Prozent der Befragten an, seltener als im vergangenen Jahr essen zu gehen; zudem gaben 40 Prozent in dieser Gruppe an, so gut wie nie gastronomische Angebote zu nutzen. Im Gegensatz dazu zeigt sich das Konsumverhalten bei Befragten mit einem Haushaltseinkommen von über 5.000 Euro deutlich beständiger. In dieser Gruppe liegt die Quote derer, die ihr Ausgabeverhalten als stabil bezeichnen, bei 62 Prozent.

Preis-Leistungs-Verhältnis und soziale Motive

Bei der Entscheidung für einen Gastronomiebetrieb steht für 65 Prozent der Teilnehmer das Preis-Leistungs-Verhältnis an erster Stelle. Weitere wichtige Kriterien sind für 52 Prozent die Gemütlichkeit sowie für 39 Prozent die angebotene Küchenart. Wie die Studienautoren mitteilen, wird der Restaurantbesuch primär als soziales Ereignis wahrgenommen. Als Hauptmotive nannten die Befragten den Wunsch nach einem schönen Abend sowie Treffen mit Freunden oder der Familie. Entsprechend findet der Besuch überwiegend in Begleitung statt, wobei 59 Prozent der Befragten angaben, meist mit dem Partner essen zu gehen.

Klassische Restaurants führen 

In der Gunst der Gäste liegen klassische Restaurants mit 64 Prozent vorn, gefolgt von Schnellrestaurants mit 33 Prozent und Gaststätten mit 28 Prozent. Auffällig ist laut der Untersuchung eine rückläufige Tendenz bei Lieferdiensten. Während lediglich 30 Prozent diesen Service mindestens einmal monatlich nutzen, gaben 44 Prozent an, so gut wie nie Essen zu bestellen. Dies entspricht einer Steigerung von 10 Prozent im Vergleich zur vorangegangenen Befragung. Bei den kulinarischen Vorlieben bleibt die italienische Küche mit 58 Prozent die meistgewählte Richtung, gefolgt von der deutschen oder regionalen Küche mit 50 Prozent.

Relevanz der Kulinarik und regionale Unterschiede

Auch im Bereich der Freizeit- und Urlaubsgestaltung spielt die Gastronomie eine wesentliche Rolle. Laut der Studie bewerten 64 Prozent der Deutschen das kulinarische Angebot im Urlaub als wichtig oder sehr wichtig. Im regionalen Vergleich innerhalb Deutschlands wird Bayern von 45 Prozent der Befragten am häufigsten mit besonderen kulinarischen Angeboten assoziiert. Es folgen Baden-Württemberg mit 18 Prozent und Hamburg mit 14 Prozent. Die Datengrundlage der Studie bildet eine Befragung von 2.028 Personen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Kopenhagener Spitzenrestaurant Noma öffnet im August wieder dauerhaft seine Türen, wobei der in der Kritik stehende René Redzepi die Rolle des Kreativ-Direktors übernimmt. Die operative Verantwortung wird an ein neues Führungsteam übertragen.

Burgermeister will noch 2026 in Österreich starten. Geplant sind zunächst drei Restaurants in Wien, langfristig soll ein Netz von mindestens 20 Standorten entstehen.

Big Squadra eröffnet am 12. Juni das Restaurant Pamela am Berliner Gendarmenmarkt. Der neue Standort ist das vierte Restaurant der Gruppe in Deutschland und erweitert das bestehende Portfolio in Berlin.

Eine internationale Verbraucherumfrage im Auftrag von Lightspeed zeigt, dass Restaurantgäste persönliche Aufmerksamkeit und Freundlichkeit höher bewerten als Beratungskompetenz. In Deutschland werden Probleme zudem häufig direkt mit dem Servicepersonal besprochen.

Das Restaurant Noma will im August 2026 wieder in Kopenhagen eröffnen. Gleichzeitig kündigt das Restaurant eine neue Führungsstruktur sowie ein Konzept mit zwölf saisonalen Abschnitten pro Jahr an.

Die Heitlinger Genusswelten haben eine neue Weinbar in Östringen-Tiefenbach eröffnet. Das Konzept setzt auf regionale Produkte, biodynamische Weine und wird im Winter durch eine Brasserie ergänzt.

Eine aktuelle Befragung im Auftrag von Sodexo untersucht das Essverhalten von Arbeitnehmern in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen eine steigende Preissensitivität beim Mittagessen sowie deutliche Unterschiede in den verschiedenen Alters- und Einkommensgruppen.

Das Wiener Café Schwarzenberg feiert im Juni sein 165-jähriges Bestehen als ältestes Kaffeehaus an der Ringstraße. Der Traditionsbetrieb erweitert aus diesem Anlass sein kulinarisches Angebot um eine eigens kreierte Geburtstagstorte.

Die späten Anstoßzeiten vieler Spiele der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft könnten Kneipen, Bars und Biergärten in Deutschland erheblich zusetzen. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Deutsche Presse-Agentur. 

Der Meisenheimer Hof plant die Eröffnung des neuen Restaurants La Mésange im November 2026 und erweitert zugleich sein Hotelangebot um 14 Zimmer. Zudem wurden Pläne für die Heimatküche und die Winebank Nahe vorgestellt.