„Betten raus“: Accor will Hotels weltweit teilweise in Büros umwandeln

| Hotellerie Hotellerie

In einem Spiegel-Interview spricht der Sébastien Bazin, Chef des Hotelkonzerns Accor, über die Zukunft seiner Hotels. Da mit einem dauerhaften Rückgang der Geschäftsreisen zu rechnen sei, will Bazin Teile von Hotels umwandeln. Der Manager will mit verschiedenen Konzepten Abos für moderne Arbeitsplätze entwickeln und Büroraum anbieten. 

Für französische Verhältnisse sei Bazin ein ungewöhnlicher Manager, schreibt der Spiegel. Er besuchte keine der üblichen Eliteschulen, arbeitete in den USA und London bei Investmentbanken und war Präsident des Pariser Fußballvereins Paris Saint-Germain, bevor er 2013 Chef von Accor wurde. Der Konzern betreibt mehr als 5000 Hotels weltweit und ist in Deutschland und Europa der größte Hotelier.

Seit Beginn der Pandemie vertritt Bazin, 59, die Interessen der französischen Hotels, Cafés und Restaurants gegenüber der Regierung. Während des ersten Lockdowns reduzierte er sein Gehalt um 25, seine Boni um 50 Prozent, berichtet der Spiegel. Hotelzimmer der Gruppe stellte er für Infizierte, Obdachlose, Pflegepersonal und Frauen, die unter häuslicher Gewalt litten, zur Verfügung. 

Zum Gespräch empfängt Bazin in der menschenleeren 22. Etage des Accor-Hochhauses in Paris. Seit März arbeitet er jeden Tag hier. Am Anfang musste er sich sein Essen noch in der Mikrowelle warm machen, derzeit ist zumindest die Kantine wieder in Betrieb. Dem Magazin verriet Bazin auch, dass er einen Teil der Hotels umwandeln und künftig Büros anbieten will. Bazin rechnet mit einem längerfristigen Rückgang der Geschäftsreisen. „Wir werden zwei verschiedene Konzepte anbieten“, so Bazin. „Mit einem Monats-Abo können Leute in unseren Hotels weltweit arbeiten – in Florenz, in Miami, in Paris oder Frankfurt.“ In zentralen Lagen seien dies “ideale Arbeitsplätze für moderne Nomaden”. „Betten raus. Das geht ganz schnell“, sagte Bazin dem Magazin.

Ferner plant Bazin, „halbe oder ganze Etagen für Unternehmen freizuräumen und in Büros umzuwandeln”. Bazin geht davon aus, dass viele Arbeitnehmer nach der Pandemie nicht mehr fünf Tage die Woche in ihren alten Büros arbeiten werden, aber auch nicht dauerhaft im Homeoffice arbeiten wollen. Mit der neuen Strategie will der Accor-Chef die zu erwartenden Verluste ausgleichen. 

Auch andere große Tourismusanbieter justieren derzeit Geschäftsmodelle. Laut Handelsblatt habe der Touristikkonzern Tui jetzt das Frachtgeschäft für sich entdeckt. Schon seit mehreren Wochen befördere die Airlines des Unternehmens Waren. Statt der sonst üblichen Urlaubsdomizile steuern die Piloten nun klassische Warenumschlagplätze an. Von Stuttgart aus geht es zum Beispiel nach Detroit in den USA. Da der Touristikkonzern im Kern auf den Vertrieb von Urlaubsreisen spezialisiert ist, nutze das Unternehmen für die Vermarktung der Frachtkapazitäten einen Broker.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Mitten im Indischen Ozean liegt die Leitung des Le Méridien Maldives Resort & Spa seit über drei Jahren in den Händen eines gebürtigen Kölners: General Manager Thomas Schult berichtet über seine Führungsphilosophie und ein neues Luxusverständnis zwischen Exklusivität und Nachhaltigkeit.

Die DSR Hotel Holding übernimmt zum 1. September 2026 das Hotel Caro & Selig am Tegernsee. Das Haus wird künftig unter der Marke A-Rosa betrieben.

Für 165 Hotels der insolventen REVO Hospitality Group sind Investorenlösungen gefunden worden. Der überwiegende Teil der rund 5.450 Hotelarbeitsplätze soll erhalten bleiben. Dagegen werden die Arbeitsverhältnisse von 450 Mitarbeitern der Unternehmenszentrale nicht fortgeführt.

Bei den Akzent Hotels haben in den vergangenen Monaten fünf Häuser innerhalb des Netzwerks einen Generationswechsel vollzogen. Die neuen Betriebsleiter rekrutierten sich dabei aus der Gruppe der sogenannten Jungen Akzentler.

Das Davoser Fünf-Sterne-Hotel Seehof stellt seinen Sommerbetrieb zum 14. Juni 2026 ein. Die Betreiberin Revo Hospitality Group verweist auf Synergien mit dem ebenfalls in Davos betriebenen Grandhotel Belvédère.

Die Motel One Group hat zum 1. Juni 2026 zwei bislang von der Revo Hospitality Group betriebene Hotels in Kiel übernommen. Für die Immobilien wurde ein neuer Mietvertrag über 25 Jahre abgeschlossen.

Die Bülow AG hat den Verkaufsprozess für den Porsche Design Tower Stuttgart gestartet. Das 2023 fertiggestellte Gebäude umfasst Hotel- und Büroflächen mit insgesamt rund 16.500 Quadratmetern Mietfläche.

Das Flensburger Boutiquehotel Petuh begeht sein fünfjähriges Bestehen. Nach einer umfassenden Sanierung infolge einer Sturmflut im Jahr 2023 setzt das Haus weiter auf eine Ausrichtung für Erwachsene, die Abstand vom Alltag suchen.

Das ehemalige Grandhotel Hessischer Hof in Frankfurt am Main hat zum 1. Juni 2026 als Taj Hessischer Hof Frankfurt wieder eröffnet. Betreiber ist die Indian Hotels Company Limited. Das Hotel war seit Ende 2020 geschlossen. Mit der Wiedereröffnung bringt die indische Hotelmarke Taj ihr Angebot erstmals auf das europäische Festland.

Das Hotel Golebiewski in Pobierowo eröffnet Ende Juni mit 500 Zimmern und umfangreichen Freizeitangeboten. Das Projekt gilt als größtes Hotel an der polnischen Ostseeküste und strebt eine Kapazität von über 1.200 Zimmern an.