Colonies will Co-Living in Deutschland populär machen

| Hotellerie Hotellerie

Wer sich in Großstädten auf Wohnungssuche begibt, muss nicht nur viel Geduld mitbringen, sondern häufig auch tief in die Tasche greifen. Der neue Wohntrend Co-Living setzt hier an und macht das „Mitwohnen“ möglich. Das französische Start-up Colonies startet jetzt in Berlin. Neue Konkurrenz für die Hotellerie und Apartment-Häuser?

Mit Objekten in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg bietet das junge Unternehmen den Komfort eines privaten, möblierten Zimmers in Verbindung mit Zugang zu großzügigen Gemeinschaftsräumen wie Wohn- und Esszimmer, Küche sowie Terrasse – alles in urbaner Bestlage und zu erschwinglicheren Preisen.

Durch eine All-inclusive-Miete sowie einen vollständig digitalen Bewerbungsprozess vereinfacht Colonies außerdem alle formalen Vorgänge und schließt soziale Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt für sich kategorisch aus. Bis Ende 2022 will Colonies Standorte in den Top-Sieben-Städten in Deutschland – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – eröffnen und sich als führender Anbieter etablieren.

Bisher zwei Objekte in Berlin

In zwei Wohneinheiten in Prenzlauer Berg mit einer Gesamtfläche von etwa 600 m² und einer Wohneinheit in Berlin-Mitte mit 165 m² bietet Colonies insgesamt 26 möblierte und vollausgestattete Zimmer zur Miete an. Die Preise beginnen im Objekt am Prenzlauer Berg bei monatlich 739 Euro und in Berlin-Mitte bei 830 Euro pro Zimmer. Beinhaltet sind neben der Nutzung der Gemeinschaftsräume wie Wohn- und Esszimmer, Waschraum und Innenhof auch eine wöchentliche Reinigung dieser Räume sowie alle weiteren Kosten, die durch Versicherungen, Wasser- und Stromverbrauch, Beheizung und Internetverbindung entstehen. Ein Zimmer kann bei freien Kapazitäten innerhalb von nur 24 Stunden angemietet werden.

 

Die Mindestmietdauer beträgt dabei sechs Monate, im Schnitt bleiben MieterInnen aber rund ein Jahr. Für die Bewerbung auf eine Wohneinheit bei Colonies müssen Interessierte lediglich ein Online-Dokument ausfüllen, ein Ausweisdokument sowie einen Einkommensnachweis und, wenn nötig, ein gültiges Visum vorlegen. Trotz der bereits jetzt sehr guten Auslastung der Objekte in Berlin sind die Wartezeiten für Interessenten meist gering. „Wir wollen möglichst vielen Menschen einfachere, flexiblere und erschwinglichere Wohnmöglichkeiten bieten, die auf ihre aktuellen Bedürfnisse und Situationen angepasst sind. Unser langfristiges Ziel ist es, den Immobilienmarkt aus Sicht der MieterInnen zu verbessern und den Wohnungssektor von morgen mitzugestalten“, sagt François Roth, einer der drei Gründer von Colonies.

Auch deutsche Investoren erkennen das Potenzial

Colonies wurde 2017 von Alexandre Martin, Amaury Courbon und François Roth gegründet, die sich auf dem Campus der Essec Business School in Paris kennenlernten und wie viele andere Hauptstadt-Studierende bei der Wohnungssuche an ihre Grenzen stießen. Im Juni 2017 eröffnete schließlich das erste Colonies Coliving-Haus im französischen Fontainebleau, einer Kleinstadt südlich von Paris, die Anlaufstelle für viele internationale Studierende ist. „Ursprünglich war das Konzept vor allem auf diese Studierenden und junge Berufstätige ausgelegt. Wir haben aber schnell bemerkt, dass wir damit ein viel breiteres Publikum ansprechen – ganz unabhängig von Alter, Nationalität, Berufsstand oder sozialem Status“, so Roth. Nach viel positiver Resonanz folgten schnell weitere Standorte in Paris, Lille, Bordeaux und Marseille. Mittlerweile betreibt Colonies mehr als 30 offene Residenzen, beherbergt über 300 MieterInnen und plant die nächsten Schritte für die europaweite Expansion. Anfang 2020 schloss das Start-up zu diesem Zweck eine Finanzierungsrunde über 41 Millionen Euro ab. Zu den Geldgebern gehören Unternehmen wie LBO France, In'Li, CDC Habitat, Primonial, La Française AM, Covéa und Deutsche Asset One. Auch die deutsche Beteiligungsgesellschaft Global Founders Capital glaubt an die Idee und steigt mit einem Investment über 30 Millionen ein. Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen mit den sechs Standorten in Frankreich bereits 5.000 Einheiten unterzeichnet, bis zum Ende des Jahres kommen 2.000 weitere dazu.

Auch auf dem deutschen Markt sehen die Gründer große Chancen für weitere Projekte und wollen die Marke hier gemeinsam mit Nicolas Wernitz stärken, der ab dem 01. September 2021 als Head of Development Germany bei Colonies einsteigt.

„Zwar steckt Coliving hier noch mehr in den Kinderschuhen als zum Beispiel in Frankreich, England oder den USA, dennoch beweisen sowohl der Umfang als auch die Tiefe des Wettbewerbs, dass Interesse und Potenzial auf dem deutschen Wohnungs- und Immobilienmarkt vorhanden sind. Deshalb sind wir in diesem Bereich auch gerade aktiv auf der Suche nach neuen Partnerschaften mit Investoren, Entwicklern und Eigentümern“, so Roth. Die Konkurrenz kommt in verschiedenen Formen, von Studentenwohnheimen über Serviced Apartments bis hin zu Mehrfamilienhaus-Projekten. „Was uns unterscheidet ist zum einen, dass wir nicht wie die großen Unternehmen von Investoren geführt werden, sondern die Häuer unabhängig betreiben und mit beliebigen Projektentwicklern arbeiten können. Und zum anderen, dass wir uns auf klar auf der Seite der MieterInnen positionieren. Unser Anspruch ist es vor allem, den Fokus noch mehr auf deren Bedürfnisse und Wünsche zu lenken. Colonies steht für Heimatgefühle, behagliche Gemeinschaftlichkeit und eine unkomplizierte, moderne Lebensart“, betont Roth.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Hotelmarke Ruby expandiert mit der Eröffnung des Ruby Frida nach Stockholm. Das neue Haus im Stadtteil Kungsholmen setzt auf ein von den 1960er Jahren inspiriertes Designkonzept.

Deutschlands Beherbergungsbetriebe haben im Mai 2026 insgesamt 49,2 Millionen Übernachtungen verbucht. Der Zuwachs von 3,8 Prozent wurde von Gästen aus dem Inland getragen, während die Auslandsnachfrage leicht zurückging.

Düsseldorf weist einer Analyse von Listflix zufolge unter deutschen Städten ab 300.000 Einwohnern die höchste Dichte an Beherbergungsbetrieben auf. In der Gruppe von 100.000 bis unter 300.000 Einwohnern liegt Heidelberg vorn.

Riadh Ben Ali aus dem Kastens Hotel Luisenhof wurde als erster Concierge in Hannover in die Vereinigung Les Clefs d'Or aufgenommen. Die internationale Organisation zeichnet damit die Fachkompetenz des Hotelmitarbeiters aus.

Die Hotelgruppe Ensana Hotels eröffnet mit dem Sairme South ihren ersten Standort in Georgien. Das neue Haus im Kaukasus legt einen Schwerpunkt auf medizinische Wellness-Anwendungen.

Die Fattal Hotel Group hat mit dem Erwerb des The Blakely Hotel in New York erstmals ein Objekt in den USA übernommen. Nach einer geplanten Sanierung ist die Wiedereröffnung für Mitte 2027 vorgesehen.

Die Göbel Hotels starten im Oktober mit dem Green Trail Hotel in Korbach eine neue Budget-Marke. Das Projekt umfasst 41 Zimmer und setzt auf ein energetisches Konzept mit Photovoltaik und Wärmepumpen.

Union Investment hat das Hotel Hilton Garden Inn in Innsbruck an die Schiehser Hotels Gruppe veräußert. Wie das Unternehmen mitteilte, werde der bisherige Betreiber das Haus auch in Zukunft unter der Marke Hilton Garden Inn weiterführen.

Der deutsche Hotelinvestmentmarkt erzielte im ersten Halbjahr 2026 ein Transaktionsvolumen von 741 Millionen Euro. Trotz eines Rückgangs gegenüber dem Vorjahr blicken Experten für das Gesamtjahr optimistisch auf die Zwei-Milliarden-Euro-Marke.

Kleine Hotels und Gasthöfe stehen in Nordrhein-Westfalen unter Druck. Während die Zahl der Beherbergungsbetriebe binnen zehn Jahren deutlich sank, wuchs das Bettenangebot – und Ferienunterkünfte legten stark zu.