Hoteleinkauf wird strategischer mit Fokus auf Kosten, CO₂ und Erlebnis

| Hotellerie Hotellerie

Die Geschäftsreiselandschaft entwickelt sich weiter, und Unternehmens-Travel Manager passen ihre Beschaffungsstrategien für Hotels und Tagungsorte zunehmend an. Laut aktueller Studie der Global Business Travel Association (GBTA) und des Technologieanbieters Cvent setzen sie vermehrt auf strukturierte Ausschreibungen (RFPs), um nicht nur Kosten zu kontrollieren, sondern auch Mitarbeiterzufriedenheit zu maximieren, Risiken zu managen und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Der Bericht „Hotel and Meeting Sourcing: The Current Landscape and the Future“ basiert auf einer Umfrage unter Geschäftsreisemanagern und Hotelfachleuten aus den USA, Kanada und Europa.

RFPs: Mehr Stabilität und Effizienz im Hotel-Sourcing

Zwei Drittel (63 Prozent) der Travel Manager verhandeln direkt mit Hotels mittels formeller RFP-Prozesse. Dabei verhandelt fast die Hälfte (47 Prozent) ausschließlich über RFPs, während weitere 16 Prozent sowohl formelle als auch informelle Methoden nutzen. Ein Drittel (36 Prozent) verhandelt ohne formelle Ausschreibungen. Insbesondere kleinere Unternehmen mit bis zu 5.000 Mitarbeitenden führen zu 69 Prozent informelle Verhandlungen, während größere Firmen häufig auf RFPs setzen. In Europa ist die ausschließliche Nutzung von RFPs mit 55 Prozent noch verbreiteter.

Reisekäufer sehen Nachteile bei informellen Verhandlungen, etwa weniger Standardisierung (53 Prozent), unvollständiges Vertragsverständnis bei Hotels (47 Prozent) und geringere Vergleichsmöglichkeiten (37 Prozent). Suzanne Neufang, CEO der GBTA, betont: „Strategisches Sourcing ist für Travel Manager unerlässlich, um widerstandsfähige, zukunftsfähige Reiseprogramme aufzubauen. RFPs gehen über die Sicherung besserer Preise hinaus – sie helfen, Mitarbeiterzufriedenheit zu maximieren, Risiken zu managen und CO₂-Emissionsziele zu erreichen.“

Julie Haddix, Senior Director Marketing bei Cvent, ergänzt: „Formelle Ausschreibungen sind weiterhin ein wichtiger Bestandteil, um Konsistenz, Transparenz und Kosteneinsparungen bei Hotel- und Tagungsausgaben zu erzielen. Wir unterstützen Reiseeinkäufer und Anbieter mit Tools, die den RFP-Prozess optimieren und datengestützte Erkenntnisse ermöglichen.“

Fixpreise und Annehmlichkeiten als Basis im Hotelprogramm

Festpreise sind mit 79 Prozent nach wie vor der Kern von Managed-Hotel-Programmen, ergänzt durch dynamische Rabatte auf Einzelhotellevel (47 Prozent). Hotels steigern den Partnerschaftswert häufig durch Annehmlichkeiten wie kostenfreies Frühstück (53 Prozent) und kostenlose Stornierungen oder Erlass von Gebühren (50 Prozent). Eine Mehrheit der Reiseprogramme (84 Prozent) überprüft die ausgehandelten Rabatte regelmäßig im Vergleich zu öffentlichen Preisen.

Verbesserungsbedarf im Meeting-Sourcing

Im Gegensatz zur Hotelbeschaffung ist die strategische Beschaffung von Tagungsräumen und Veranstaltungsorten weniger ausgeprägt. Nur 32 Prozent der Unternehmen verfügen über ein gut entwickeltes Managed-Meetings-Programm. Während 61 Prozent RFPs für Meetings einsetzen, verhandeln 55 Prozent informell und 15 Prozent buchen direkt ohne strategischen Prozess. Ein Drittel hat keinen definierten Beschaffungsprozess für Tagungsräume.

Die Nachteile informeller Meeting-Verhandlungen umfassen höhere Kosten und entgangene Einsparungen (79 Prozent), geringere Datennutzung für zukünftige Verhandlungen (74 Prozent) und Sicherheitsrisiken (63 Prozent). Unternehmen mit klar definierten Beschaffungsprozessen berichten von durchschnittlichen Einsparungen von 22 Prozent durch Vergleich, Verhandlung und bessere Kommunikation.

Manuelle Abläufe, geringere Standardisierung (69 Prozent), weniger verglichene Veranstaltungsorte (60 Prozent) sowie schlechtere Preise und Rabatte (52 Prozent) gehören zu den weiteren Nachteilen informeller Meeting-Verhandlungen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Booking darf den Wettbewerber eTraveli auch nach einem Urteil des EU-Gerichts nicht übernehmen. Die Richterinnen und Richter in Luxemburg bestätigten eine entsprechende Entscheidung der EU-Kommission von 2023.

Google baut seine Hotelsuche in Europa um – und ausgerechnet Booking.com, Expedia und andere Vermittler könnten dadurch prominenter werden. Google warnt vor Nachteilen für lokale Unternehmen, während frühere Tests bereits deutliche Traffic-Verluste bei Hotels gezeigt hatten.

Hotelgäste lassen sich Essen längst ins Hotel liefern. Mehrere Hotelunternehmen binden Lieferdienste inzwischen gezielt in ihre Angebote ein: tent Hotels schafft eigene Bereiche für Lieferessen, Wyndham und Hilton arbeiten mit Grubhub, Marriott mit Uber – und Accor plant eine Uber-Partnerschaft auch in Deutschland.

Der Hotelverband Deutschland veröffentlicht die zweite Staffel seines Podcasts Zukunft Hotel mit zehn neuen Episoden und beleuchtet zum Auftakt aktuelle Fragen zu Betreiberverträgen und Hotelimmobilien.

Die Motel One Group hat ein neues Hotel mit 177 Zimmern in der Koblenzer Innenstadt eröffnet. Das Innenraumkonzept des Hauses greift den Zusammenfluss von Rhein und Mosel auf.

Auf dem ehemaligen Knorr-Bremse-Areal in München-Milbertshofen soll ein neues Quartier entstehen. Teil der Planung ist ein 88 Meter hohes Hochhaus mit Hotel und Skybar.

Iremis kauft das Novotel Freiburg am Konzerthaus für rund 28 Millionen Euro von Deka Immobilien. Nach einer Sanierung soll das Hotel mit 219 Zimmern im Herbst 2027 unter der Marke Scandic wiedereröffnet werden.

Europas Hotelinvestoren konzentrieren sich auf gehobene und luxuriöse Hotels. Im ersten Halbjahr 2026 floss die Hälfte des Investitionsvolumens in „Upper Upscale“- und „Upscale“-Hotels, während die Zahl der Transaktionen über 100 Millionen Euro um 30 Prozent stieg.

Die Centralis Immobilien Gruppe hat in einer Doppeltransaktion zwei ehemalige Hotels am Kölner Hauptbahnhof erworben. Die Gebäude sollen nun saniert und zu Serviced Apartments mit insgesamt 233 Einheiten umgebaut werden.

1912 Hotels hat die Übernahme und den Betrieb im Rahmen eines langfristigen Pachtvertrags der Marbella Old Town Hotel Collection im spanischen Marbella bekanntgegeben. Mit den neuen Häusern startet auch die neue Marke 1912 Collection.