Nach Wirtschaftskrimi am Bodensee: Seehotel „Am Kaiserstrand“ verkauft

| Hotellerie Hotellerie

Das  Seehotel am Kaiserstrand, das vormals von RIMC geführt wurde, ist verkauft worden. Mit dem Eigentümerwechsel bei dem 4-Sterne-Superior-Hotels soll es auch eine Neuausrichtung Hauses direkt am Bodenseeufer geben. In den letzten Monaten hatte sich um die Immobilie ein wahrer Wirtschaftskrimi abgespielt.

Bis in den Herbst 2021 führte die Hotelgesellschaft RIMC  mit einer Tochtergesellschaft das Seehotel. RIMC warf dem dem Eigentümer vor, dieser habe die Betriebsgesellschaft „feindlich übernommen“ und „unberechtigt in die Insolvenz“ geführt, um eine betreiberfreie Immobilie verkaufen zu können. RIMC hat dann seinerseits ein Kaufangebot unterbreitet.

Die RIMC unterstrich damals, dass die pauschalen Äußerungen – die Betreiberin hätte Mieten nicht bezahlt - falsch seien. Zwischen beiden Parteien habe es einvernehmliche Regelungen zu Mieten während der Corona Zeit gegeben, der die Betreiberin in Gänze nachgekommen ist. Diese Aussagen wurden vom Eigentümer zurückgewiesen. Schon vor der Coronavirus-Pandemie sei die Pacht nicht bezahlt worden, sagt Dieter Bitschnau, Sprecher des Hotel-Fonds, im ORF Vorarlberg-Interview. Insgesamt seien zwei Millionen Euro Pacht offen.

Jetzt ist die Immobilie doch verkauft worden. Allerdings nicht an RIMC. Eine Investorengesellschaft rund um Roland Pircher hat die Hotelimmobilie von der AFV1 Liegenschaftsbesitz GmbH & Co KG mit Sitz in Graz erworben und wird zukünftig das Hotel betreiben.

Die Übernahme wurde in den vergangenen Tagen finalisiert, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

„Nach dem Bekanntwerden der Insolvenz der bisherigen Hotelbetreibergesellschaft im vergangenen November sind viele Angebote aus dem In- und Ausland eingelangt, sowohl für den Hotelbetrieb als auch den Immobilienkauf“, sagt Dieter Bitschnau im Namen der AFV1.

Nach einem Screening der Interessenten und Angebote wurde entschieden, in vertiefte Verhandlungen mit der Vorarlberger Investorengesellschaft rund um Roland Pircher zu treten, hinter der auch Firmen im Umfeld von Hermann Metzler sowie Gerhard und Dietmar Rauch stehen. Dabei war es der AFV1 als Eigentümerin von besonderer Bedeutung, sowohl eine stabile und qualitätsorientierte Lösung für den Hotelbetrieb zu gewährleisten als auch die dafür notwendigen Modernisierungs- und Instandhaltungsinvestitionen sicherzustellen.

„Die langfristigen Absichten und Konzepte der Vorarlberger Investorengesellschaft vereinen beides, daher haben die Eigentümer dem Verkauf zugestimmt“, so Bitschnau. Erklärtes Ziel der neuen Eigentümer ist es, das einzigartige Ambiente des denkmalgeschützten, direkt am See gelegenen Gebäudes mit Vorarlberger Gastlichkeit zu verknüpfen. Damit verbunden wird in Zukunft auch die Führung und der Betrieb des Hotels in Vorarlberger Händen liegen.

„Wir werden das Konzept des Hauses nicht nur im Hotel, sondern vor allem auch in den öffentlich zugänglichen Bereichen umfassend adaptieren und verbessern“, gibt Roland Pircher einen ersten Einblick in die Pläne. Mit dem Restaurant, dem großen Gastgarten und dem Badehaus wolle man künftig verstärkt auch Einheimische und Ausflugsgäste ansprechen. Zu diesem Zweck wird das Hotel zukunftsfit gemacht und in eine hochwertige Hotelausstattung, das Gebäude und den Park investiert. Pircher: „Unser Wunsch ist es, den Kaiserstrand zu einem Ort der Vorarlberger Gastfreundschaft zu machen, der dieser besonderen Umgebung Rechnung trägt.“

Das Seehotel blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Vor hundert Jahren residierten im prunkvollen „Kaiser-Strand-Palast-Hotel“ Kaiser Karl I. und Gattin Zita. Zuletzt im Besitz des österreichischen Bundesheers lag die Immobilie über Jahrzehnte brach. Gemeinsam mit regionalen Investoren hatte eine von Roland Pircher gegründete Errichtungsgesellschaft ein Nachnutzungskonzept für das insgesamt rund 20.000 Quadratmeter große Areal „Am Kaiserstrand“ umgesetzt und im Zuge dessen die Bestandsimmobilien revitalisiert. Neben dem exklusiven Hotel entstanden auch Wohnungen. Im Jahr 2010 feierte das Seehotel „Am Kaiserstrand“ seine Eröffnung, 2012 erfolgte der Verkauf an die Deutsche Fondsvermögen AG bzw. die AFV1 Liegenschaftsbesitz GmbH & Co KG. Mit dem Rückkauf durch die Vorarlberger Investorengruppe beginnt für das Kleinod am Bodensee eine neue Ära. 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Maritim Hotelgruppe steigert ihren weltweiten Umsatz auf 468,4 Millionen Euro, verzeichnet jedoch aufgrund massiver Investitionen in die Digitalisierung und gestiegener Tarifkosten einen Rückgang beim Betriebsergebnis. Trotz eines schwierigen Marktumfeldes setzt das Familienunternehmen auf nachhaltiges Wachstum und technologische Modernisierung.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat eine grundlegende Entscheidung zur Rechtsverbindlichkeit von Hotelreservierungen getroffen. Die Anfrage nach freien Zimmerkapazitäten ohne Kenntnis der konkreten Preise stellt kein rechtsverbindliches Angebot zum Abschluss eines Beherbergungsvertrages dar. Die Schadensersatzforderungen eines Hotelbetriebs in Höhe von über 10.000 Euro wurden abgewiesen.

Ein ehemaliges Bürogebäude am Checkpoint Charlie wird für 40 Millionen Euro zum größten Hostel Europas umgebaut. Hinter dem Projekt steht die 500-Millionen-Euro-Wachstumsstrategie der a&o-Eigentümer.

Auf der ITB Berlin 2026 präsentieren die Plaza Hotelgroup und Neura Robotics den humanoiden Roboter 4NE1. Die Kooperation soll zeigen, wie autonome Systeme künftig das Hotelpersonal an der Rezeption und im Service unterstützen können, um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen.

Sachsen-Anhalt zieht Bilanz: Trotz eines leichten Rückgangs bei den Übernachtungen präsentieren sich die Gästezahlen 2025 stabil. Während der Harz seine Spitzenposition verteidigt, setzen neue Großprojekte wie die Eröffnung des Stiftsbergs in Quedlinburg Impulse für das Reisejahr 2026.

Der Bundesgerichtshof hebt ein Urteil im Streit zwischen dem Hotel Wikingerhof und Booking.com auf. Beanstandet werden unter anderem Rabattdarstellung, Umgang mit Gästedaten und Provisionsmodelle.

Die Budgetkette a&o kauft ein 31.000 Quadratmeter großes Bürogebäude nahe dem Berliner Checkpoint Charlie. Bis 2027 entsteht dort für 40 Millionen Euro das größte Hostel Europas mit 2.500 Betten.

Die britische Wettbewerbsbehörde CMA ermittelt gegen die Hotelriesen Hilton, Marriott und IHG. Im Fokus steht der Verdacht auf Datenaustausch über die Analyseplattform STR von CoStar. Alle vier Unternehmen werden derzeit untersucht.

Ab Sommer 2026 erhebt Stuttgart eine Übernachtungssteuer von drei Euro pro Gast. Die Stadt erwartet dadurch jährliche Einnahmen von zehn Millionen Euro und setzt auf eine rein digitale Abwicklung für Hotels und Privatvermieter. Die Hotelbranche kritisiert die zusätzliche Kostenlast.

Starwood Hotels setzt unter der Leitung von Raul Leal auf ein kontrolliertes Wachstum. Mit Fokus auf Luxus, Nachhaltigkeit und die Integration von Wohnresidenzen plant die Gruppe bis 2028 zahlreiche internationale Neueröffnungen, ohne dabei die wirtschaftliche Rentabilität aus den Augen zu verlieren.