Schloss-Streit: Muss Hotelier Gerd Ripp sein Zepter an den Prinz von Preußen abgeben?

| Hotellerie Hotellerie

Im Streit um Schloss Rheinfels in St. Goar möchten Hoteldirektor Gerd Ripp und Georg Friedrich Prinz von Preußen nun miteinander sprechen. Allerdings erst nach der ersten mündlichen Verhandlung. Die war für den 25. Oktober am Koblenzer Landgericht angesetzt und sollte Klarheit darüber bringen, ob eine Klage überhaupt zulässig ist. Im Rahmen derer soll dann die Frage geklärt werden, wer nun der rechtmäßige Eigentümer der Burg Rheinfels ist.

Daraus jedoch wurde nichts, denn „der Termin ist wegen Krankheit des Richters bis auf Weiteres vertagt“, so Ripp. „Das ist eine äußerst ärgerliche Situation, denn solange es keinen Fortschritt in dieser Angelegenheit gibt, wir auf Rechtssicherheit die Eigentumsverhältnisse betreffend warten müssen, ist ein Unbehagen bei Gästen und Mitarbeitern – und natürlich in unserer Familie – sehr zu spüren“.

Um was geht es im Schloss-Streit?

Der Ur-Urenkel des letzten deutschen Kaisers, Georg Friedrich Prinz von Preußen, hatte bereits im Frühjahr medienwirksam Ansprüche auf die Burg Rheinfels nebst integriertem Vier-Sterne-Superior-Hotel angemeldet und sich dabei auf einen Vertrag zwischen der Familie Hohenzollern und der Preußischen Krongutsverwaltung von 1924 berufen. Rechtsnachfolger der Verwaltung ist das Land Rheinland-Pfalz, beziehungsweise die Stadt St. Goar, mit der Ripps Unternehmen (Schloss Rheinfels GmbH & Co. KG) einen 99-jährigen Erbpachtvertrag, mit einer Option auf weitere 99 Jahre, hält. Sollte die Klage zugelassen und dem Kläger recht gegeben werden, wäre der Pachtvertrag ungültig, die Stadt St. Goar würde die Immobilie verlieren und müsste darüber hinaus den Hotelier entschädigen. „Es geht hier keineswegs um eine Petitesse – allein im Hotel stecken mehrere Millionen Euro an Investitionen, die dann fällig wären“, so Ripp.

Gerd Ripp lädt zum Gespräch 

Zeigte sich Gerd Ripp direkt nach bekanntwerden der Klage mit dem Zitat „Nach fast einem Jahrhundert und mehreren Millionen Euro an Investitionen mit einer 300-seitigen Klageschrift direkt vor Gericht zu ziehen, empfinde ich als äußerst befremdlich und eines angesehenen Adelsgeschlechts wie dem der Hohenzollern nicht angemessen“ noch verärgert, so möchte man inzwischen ins Gespräch kommen. „Die allerbesten Freunde werden wir sicherlich nicht mehr, aber wir stehen in Kontakt und haben uns dahingehend verständigt, uns nach einer etwaigen Klagezulassung erst einmal hier auf Rheinfels zusammenzusetzen“, erklärt der Hotelier. „Gemeinsam möchten wir dann unsere jeweiligen Interessen und Intentionen erörtern. Vielleicht gelingt uns so eine außergerichtliche Klärung, an der uns doch allen gelegen sein sollte.“ Und weiter: „Am besten wäre es natürlich, es müsste erst gar nicht soweit kommen.“

Zwar hat das Land Rheinland-Pfalz zusammen mit St. Goar und der Hotelbetriebs-GmbH die Abweisung der Klage beantragt, sollte das Gericht – was Ripp jedoch für unwahrscheinlich hält – die Klage allerdings zulassen, dem Kläger recht geben und den Pachtvertrag für ungültig erklären, würde dies für St. Goar eine finanzielle Katastrophe bedeuten: Investitionen in Höhe von rund 5,7 Millionen Euro müsste sie an die Betriebs-GmbH zurückzahlen. „Ich bin kein Jurist, doch mein Rechtsempfinden – und sicherlich auch das der Bürger – sagt mir: Wie kann nach fast einem Jahrhundert, wenn auch nur theoretisch, die juristische Chance bestehen, die Eigentumsverhältnisse anzuzweifeln? Auch wenn faktisch unter Umständen berechtigt: Selbst ein Verbrechen wie Totschlag verjährt in Deutschland nach 20 Jahren.“ Ripp hofft, setzt und glaubt – im Fall der Fälle – an eine rationale und nachvollziehbare Entscheidung seitens des Gerichts: „Alles andere müsste Immobilienbesitzer erzittern lassen, ob denn die Eigentumsverhältnisse ihres Häuschens vor vielen Jahrzehnten eventuell eine Fragwürdigkeit aufweisen. Ich zumindest habe nach bestem Wissen und Gewissen 2003 einen rechtmäßigen, wasserdichten und gültigen Pachtvertrag mit der Stadt St. Goar geschlossen.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ex-prizeotel-Chef Connor Ryterski startet mit einem Hamburger Family Office die Hotelmarke Kumo. Zwei Neubauten in Hamburg und Köln sollen ab 2029 eröffnen.

Das Waldorf Astoria Rabat Salé hat das Restaurant Aldabaran im 33. Stock des Mohammed VI Tower eröffnet. Alain Ducasse verantwortet damit sein erstes Restaurant in Marokko.

Nach bundesweiten Durchsuchungen in Hotels und Reinigungsfirmen sitzen zehn Beschuldigte in Untersuchungshaft. Oberstaatsanwältin Christine Höfele zufolge sollen Beschäftigte wie einst Sklaven für den Profit der mutmaßlichen Täter in Abhängigkeit gehalten worden sein.

Jochen Swoboda, CEO der Gesellschaft, erklärt, Seminaris werde in seiner bisherigen Form nicht weiterbestehen, und weist eine wirtschaftliche Schieflage als Grund für den Betreiberwechsel zurück. Aroundtown hatte die Fortführung der acht Hotels unter der Marke Seminaris angekündigt; vier Häuser wurden am 1. Oktober bei Belvilla by OYO unter Sunday-Namen angeboten.

B&B Hotels führt das deutsche Hotelmarkenranking von PKF mit 240 Häusern an. Garner verzeichnet mit 23 zusätzlichen Hotels den größten jährlichen Zuwachs; Premier Inn erhöht seine Zimmerkapazität zwischen 2022 und 2026 um 102 Prozent. Komplettes Ranking bei Tageskarte.

Hilton plant das erste deutsche Hotel der Marke Tempo by Hilton am Flughafen München. Das Haus mit 199 Zimmern soll 2029 zusammen mit der Munich Arena eröffnen; als Betreiber ist die Flughafentochter Allresto vorgesehen.

Novum Hospitality hat den Betrieb des Holiday Inn Express Munich Airport – Erding übernommen. Das Hotel verfügt über 114 Zimmer und ist das zweite ehemalige Revo-Hotel, das in den Betrieb der Hamburger Gruppe übergeht.

Eine neue h2c-Studie untersucht den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Hotelketten weltweit. Trotz einer hohen Verbreitung fehlen vielen Unternehmen noch Strategien, Kompetenzen und technische Voraussetzungen für einen breiteren Einsatz.

The Hoxton eröffnet im Sommer 2027 ein zweites Hotel in Deutschland. Das Haus entsteht am Alten Wall in der Hamburger Innenstadt und wird 188 Zimmer auf zehn Stockwerken umfassen.

CA Immo hat das IntercityHotel Frankfurt Hauptbahnhof Süd an ein Fondsvehikel von Art-Invest Real Estate verkauft. Damit trennt sich das Immobilienunternehmen von seinem letzten ausschließlich als Hotel genutzten Gebäude.